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Mehr Geld für Beschäftigte in Karlsfeld:Konkurrenzfähig bleiben

Karlsfelder Räte befürworten den Wechsel der Gemeindewerke-Mitarbeiter in günstigeres Tarifsystem

Karlsfeld spürt den Druck der freien Wirtschaft deutlich. In diesem und dem vergangenen Jahr konnten viele Stellen in der Gemeinde nicht besetzt werden, die Interessenten entschieden sich für andere Arbeitgeber, entsprechend viel von dem, was eigentlich hätte erledigt werden müssen, blieb liegen. Auch die Gemeindewerke fürchten nun, dass sich ihre Mitarbeiter umorientieren könnten, weil sie woanders mehr verdienen. Außerdem fürchtet Werksleiter Martin Eberle, dass eine Nachbesetzung vakanter Stellen schwierig werden könnte. Er plädiert deshalb für einen Wechsel im Tarifsystem vom Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) hin zum Tarifvertrag Versorgungsbetriebe (TV-V). Der Gemeinderat stimmte dem am Donnerstag einstimmig zu. Eberle will diesen Schritt nun auch der Gewerkschaft Verdi vorschlagen. Erst wenn diese und der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) zustimme, könne der Wechsel realisiert werden.

Karlsfeld ist mit dieser Idee keinesfalls Vorreiter - eher Nachzügler. Die Kommunen im näheren Umkreis haben den Wechsel längst vollzogen. Dazu gehören Dachau, Neufahrn, Freising, Olching, Fürstenfeldbruck und München. Für die Angestellten des Karlsfelder Heizkraftwerks, des Wasserwerks und der Kläranlage bedeutet der TV-V, dass sie künftig ein "paar 100 Euro" mehr verdienen als bisher, denn nicht nur das Gehalt, auch Sonderzahlung und Zuschläge sind höher vergütet. Neu Eingestellte müssen zudem nicht mehr sechs Monate Probezeit in Kauf nehmen. Sie kann auf drei Monate verkürzt werden.

Die drei Einrichtungen werden deshalb im kommenden Jahr Mehrkosten von 63 058 Euro haben. Das trägt jedoch, anders als bei Verwaltungsmitarbeitern, nicht der Steuerzahler, sondern der Kunde, der sein Wasser und seine Wärme von den Gemeindewerken bezieht, beziehungsweise die Abwassergebühren zahlt. Die zu erwartende Erhöhung der Gebühren ist jedoch gering. Der Kubikmeter Wasser kostet laut Eberle künftig 0,02 Euro mehr, für das Abwasser wird 0,01 Euro mehr verlangt.

"Wir sind zwar sehr gut ausgestattet mit unserem Personal, aber wir müssen konkurrenzfähig bleiben", appellierte Eberle an die Gemeinderäte. Jeder Mitarbeiter könne ohne weiteres auf dem freien Arbeitsmarkt in einer Firma oder anderen Kommune einen besser bezahlten Job bekommen und der Arbeitsmarkt wird "enger". "Nur mit guter Kameradschaft kann man das Finanzielle nicht ausgleichen", warnte er. Neun Mitarbeiter in den Gemeindewerken würden in den nächsten fünf bis zehn Jahren ausscheiden. Eine Nachbesetzung könne schwierig werden. Vier Mitarbeiter seien unter 30 Jahre. Sie bräuchten ein Einkommen für ihre Familie. "Wenn sie gehen, wäre das schade", so Eberle. Zwei nähmen einen langen Weg auf sich, um in Karlsfeld zu arbeiten. Wer wisse, wie lange noch, wenn sie hier weniger verdienten als anderswo.

"Wir müssen weiterhin als Arbeitgeber interessant bleiben", sagte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU). SPD-Fraktionschef Franz Trinkl mahnte, dass es um die Lebensqualität in Karlsfeld gehe. "Wir müssen ein Zeichen setzen, dass die Mitarbeiter uns was Wert sind." Adrian Heim, Fraktionssprecher des Bündnisses für Karlsfeld, ließ keinen Zweifel, dass man dem Vorbild der anderen Kommunen unbedingt folgen müsse. Ihm ist es extrem wichtig, dass "die Wasserversorgung in kommunaler Hand bleiben" muss. "Die zwei bis drei Cent sind gut investiert. Sie sorgen für Versorgungssicherheit. Das Geld verschwindet nicht in dunklen Kanälen. Das ist den Bürgern gut zu vermitteln." Auch der CSU-Sprecher Bernd Wanka plädierte einmütig für eine "zeitgerechte Vergütung".

© SZ vom 23.11.2019