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Medizin:Für eine Palliativstation

Der Dachauer Kreistag wollte nur über eine Charta entscheiden, die sich für ein würdiges Sterben ausspricht. Daraus wurde eine Debatte über eine bessere medizinische und psychologische Versorgung Schwerstkranker

Der Vorstand des Helios-Amper-Klinikums Dachau, Martin Jonas, gibt sich offen für eine stationäre Palliativversorgung. "Wir werden die Diskussion definitiv noch einmal aufgreifen", sagte er der SZ. Am Freitag ist im Dachauer Kreistag erstmals über die Idee gesprochen worden, eine solche Abteilung in Dachau oder Markt Indersdorf einzurichten. Der Grund war eine Debatte über eine bundesweite Charta zur Betreuung Schwerstkranker, die Vertreter des Dachauer Palliativ-Teams vorstellten. Alle Kreisräte schlossen sich ihr zwar an. Die Grünen-Sprecherin Marese Hoffmann und der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Michael Reindl, forderten die Kollegen zusätzlich auf, aus dieser Zustimmung politische Konsequenzen zu ziehen; beispielsweise durch einen Antrag an die Helios-Amperklinikum AG, die Palliativmedizin zu intensivieren.

Es sei bereits einmal überlegt worden, eine solche Station einzurichten, sagte Amperklinikum-Vorstand Jonas der SZ weiter. Da jedoch die Krankenhäuser in Freising, Fürstenfeldbruck und die Barmherzigen Brüder in München Palliativstationen haben, hätten die Verantwortlichen im Klinikum zunächst beschlossen, keine eigene Station einzurichten. Das Amper-Klinikum bietet palliativmedizinische Versorgung an, jedoch nicht in einer gesonderten Station. Patienten werden, wenn es erforderlich wird, an die umliegenden Krankenhäuser vermittelt. Die Kooperation mit den anderen Häusern sei sehr gut. Außerdem trifft sich das Helios-Palliativ-Team zu wöchentlichen Konferenzen mit dem ambulanten Palliativ-Team Dachau und dem Hospizverein. Die Helios GmbH mit Firmensitz in Berlin hat die Charta bereits unterzeichnet

Um eine Palliativstation einrichten zu können, müssen Krankenhäuser im bayerischen Gesundheitsministerium einen Antrag stellen. Dieses stellt wiederum den Bedarf fest. Dieser kann sich beispielsweise nach der Bevölkerungszahl oder der Versorgung in der Umgebung richten. Derzeit hat Helios keinen solchen Antrag gestellt. "Wenn das Cancer-Center weiter wächst, wird jedoch auch der Bedarf für eine palliativ-medizinische Versorgung steigen", sagt Jonas. Das Klinikum spezialisiert sich vor allem auf die Behandlung von Krebserkrankungen. "Wenn wir zudem die Unterstützung der Politik haben, dann bin ich der letzte, der nicht bereit wäre, über eine Palliativstation zu sprechen", sagte Jonas.

Palliativstation in München, 2011

Das Palliativ-Team in Dachau arbeitet mit der Klinik der Barmherzigen Brüder in München zusammen.

(Foto: Catherina Hess)

Ob er sie bekommt, hängt zunächst von den weiteren Beratungen im Dachauer Kreistag ab. Am Freitag ging es nur darum, dem Wunsch des Dachauer Palliativteams zu entsprechen und sich für eine medizinische sowie psychosoziale Betreuung auszusprechen, die dem "Recht eines jeden Menschen auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen" entspricht. Landrat Stefan Löwl (CSU) bat den Kreistag den Antrag zu unterstützen. Schließlich gelte es, einen Palliativtag am Sonntag, 2. Mai, vorzubereiten. Außerdem verwies Löwl auf die symbolische Bedeutung einer Tagung "über das würdevolle Sterben" zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers am 27. April.

Bernhard Seidenath, Kreisrat und Landtagsabgeordneter der CSU, warb für die Charta als "eine Rückendeckung gegen die aktive Sterbehilfe". Da der Kreistag rechtlich die medizinische Versorgung des Landkreises garantieren muss, forderte Grünen-Sprecherin Marese Hoffmann, "die Charta auch politisch zu unterstützen". Wenn die Kreispolitik sie unterzeichnet, "dann müssen wir im gleichen Atemzug alles tun, dass aktive Sterbehilfe unnötig wird". Der Kreistag müsse sich dann auch dafür einsetzen, "dass mehr Palliativmedizin möglich wird". Der SZ sagte Hoffmann nach der Kreistagssitzung, dass sie eine eigene Palliativabteilung entweder am Klinikum in Markt Indersdorf oder in Dachau für erforderlich hält.

Michael Reindl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, sagte im Kreistag: "Wir sollten es nicht nur bei der Unterzeichnung der Charta belassen, sondern auch entsprechende Ausbaupläne für eine Helios-Palliativstation fordern." Im Gespräch mit der SZ ergänzte er: "Der dritte Stock im Klinikum in Markt Indersdorf steht zurzeit leer." Das Palliativ-Team wünscht sich ebenfalls eine eigene Station in einer der Kliniken im Landkreis.