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MD-Gelände:Die Bürgschaft

Die Finanzierungszusagen mehrerer deutscher Großbanken liegen vor. DEG-Geschäftsführer Ullmann schätzt die Kosten für Abriss, Dekontamination und Erschließung des MD-Geländes auf einen hohen zweistelligen Millionen-Betrag.

17 Hektar in bester Innenstadtlage: das Gelände der früheren MD-Papierfabrik am Fuß der Altstadt.

(Foto: © joergensen.com)

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, jetzt warten wir auf grünes Licht der Stadt." Eine Woche vor der Bauausschuss-Sitzung, in der zum zweiten Mal über die Planungen für das Gelände der ehemaligen MD-Papierfabrik beraten wird, ist die Dachau Entwicklungsgesellschaft (DEG) optimistisch. Von mehreren deutschen Großbanken lägen Zusagen vor, die Finanzierung der Kosten für die Altlastenbeseitigung, den Rückbau der Gebäude und die Erschließung des rund 17 Hektar großen Areals zu übernehmen. Diese Bankbürgschaft sei auf Grundlage des aktuellen Masterplans des Architekturbüros Trojan, Trojan und Partner gegeben worden, erklärte DEG-Geschäftsführer Herbert R. Ullmann am Dienstag in einer Pressekonferenz.

Der Dachauer Bauträger Ullmann erläuterte, dass mehrere Banken der DEG schriftliche Zusagen gegeben hätten. Voraussetzung für die Finanzierung sei allerdings, dass der Nachweis eines rechtskräftigen Baurechts auf der Basis des städtebaulichen Konzepts von Trojan, Trojan und Partner sowie der Nachweis der Kostensicherheit für Abriss, Dekontamination und Erschließung des Gesamtareals vorlägen. Wie hoch die Kosten für diese Maßnahmen exakt sein werden, wagte Ullmann nicht zu beziffern. Das sei bei einem so großen und so schwer belasteten Gelände nicht möglich. Er sprach von "einem hohen zweistelligen Millionenbetrag". Durch die Zusagen der Banken sieht Ullmann jedenfalls die hohe Qualität der vorliegenden Planung bestätigt. "Wir trauen uns zu, dass wir auf der Basis des vorliegenden Konzepts das Risiko tragen können", erklärt der Bauträger.

Ullmann sowie Heikki Räty, Aufsichtsratsvorsitzender des finnischen Unternehmens Myllykoski, dem das MD-Gelände gehört, und dessen juristischer Berater, der Hamburger Anwalt Benjamin Waitz, demonstrierten am Dienstag Einigkeit, dass sie das Gelände im Einvernehmen mit der Stadt entwickeln wollten. Dachau, insbesondere aber die Altstadt, sollte nach Meinung Rätys von der Entwicklung profitieren. "Wir wollen aber auch eine Rendite", bekräftigte Räty. Zugleich räumte er aber ein, dass es sich um ein problematisches Areal handle. Die Firma Myllykoski, die die Papierherstellung aufgegeben habe und nur noch Liegenschaften entwickle, habe nirgendwo sonst ein Grundstück, das mitten in der Stadt liege. Die drei zeigten sich auch bereit, auf Wünsche des Stadtrats einzugehen, wenn es beispielsweise um das Sportplatzgelände an der Rosenstraße geht. Eine Bebauung dieses Grundstücks, das durch die Bahnlinie vom MD-Stammgelände getrennt ist, war im vergangenen November fast einstimmig vom Bauausschuss abgelehnt worden. Er könne sich dort auch einen Kindergarten oder eine Grünanlage vorstellen. "Mit uns kann man über alles reden", sagte Ullmann und ergänzte: "Wir werden noch einige Kämpfe ausfechten müssen, das ist uns bewusst."

Als Sicherheit für die Stadt diene der städtebauliche Vertrag aus dem Jahr 2008, erklärte Ullmann. Darin seien auch wesentliche Steuerungsmöglichkeiten für die Kommune festgeschrieben. "Die Stadt bleibt bis zuletzt Herrin des Verfahrens", betont er. Doch Jurist Waitz sieht den Vertrag nicht als unveränderlich an: "Wir sollten jetzt auch versuchen, diesen Vertrag weiterzuentwickeln." Er erhofft sich von der Bauausschuss-Sitzung in der kommenden Woche Aufschluss über die Wünsche der Stadträte. "Die müssen sagen, was sie wollen", sagte er und bekräftigte dann noch einmal: "Der Bauausschuss muss sagen, welche Auflagen er fordert. Die wollen wir dann abarbeiten." Ullmann hofft, dass die DEG bis Ende 2014 Baurecht für das MD-Gelände hat. Danach müsse man mit weiteren zwei Jahren für Rückbau und Dekontaminierung rechnen. Bis die Entwicklung auf dem Grundstück am Fuße des Altstadtberg komplett abgeschlossen ist, dürften nach Einschätzung des Bauträgers weitere sieben bis acht Jahre ins Land gehen: "Insgesamt wird es also etwa zwölf Jahre dauern."

© SZ vom 13.03.2013

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