Marktplatz von Odelzhausen:Neues Gesicht für die Ortsmitte

Marktplatz von Odelzhausen: Noch prägt der Gasthof zur Sonne das Ortsbild von Odelzhausen, doch schon bald soll das Gebäude weichen für einen deutlich massiveren Bau.

Noch prägt der Gasthof zur Sonne das Ortsbild von Odelzhausen, doch schon bald soll das Gebäude weichen für einen deutlich massiveren Bau.

(Foto: Toni Heigl)

Bürgermeister Markus Trinkl träumt bereits vom Einzug ins neue Odelzhausener Rathaus, während Roderich Zauscher, ein Gegner des geplanten massiven Gebäudes, noch immer versucht, den Bau zu verhindern

Von Horst Kramer, Odelzhausen

"Wenn alles gut geht, können wir die beiden Gebäude im Laufe des Jahres 2025 beziehen." Der Odelzhausener Bürgermeister Markus Trinkl (parteifrei) meint den Neubau am Marktplatz, der nicht nur als Verwaltungssitz dienen soll, sondern auch ein öffentlicher Treffpunkt mit Regionalladen und Gastronomie werden soll. Das zweite Gebäude ist das bisherige Rathaus, das künftig der VHS, Vereinen und anderen Gruppierungen zur Verfügung stehen wird. "Die Jahreszahl 2025 ist keine Prognose und schon gar kein Planungsdatum, sondern eine Hoffnung von mir", stellt Trinkl sofort klar.

Im November beschloss der Gemeinderat mit großer Mehrheit den Neubau und den Umzug, bei drei Gegenstimmen. Derzeit wird eine EU-weite Ausschreibung für einen Architekten vorbereitet, berichtet Trinkl. Ob die Einweihungen in fünf, sechs oder sieben Jahren stattfinden wird, ist im Grunde zweitrangig angesichts der Bedeutung des Neubaus: Das großformatige Bauwerk wird die Ortsmitte von Odelzhausen prägen. "Für mindestens einhundert Jahre", meint der BGO-Gemeinderat Roderich Zauscher, der neben Elisabeth Kappes (BGO) und Veith Winkler (SPD) gegen den Umzug gestimmt hatte. Zauscher, der für die Grünen im Kreistag sitzt, empfiehlt stattdessen eine weitere Planungsrunde und brachte dazu einen Antrag für das nächste Gemeinderatstreffen ein. Immerhin geht es nach den letzten Schätzungen um rund 17 Millionen Euro für das Doppelprojekt.

Der Vorgängerbau - der traditionsreiche Gasthof zur Sonne - ist eines der wenigen markanten Gebäude, das dem Odelzhausener Marktplatz ein Gesicht gibt. Zusammen mit der benachbarten Marienapotheke, die vor zwei Jahren ihre Pforten schloss. Kein Wunder also, dass das Umzugsprojekt im Ort umstritten ist.

Bei einem Bürgerbeteiligungsworkshop im Sommer 2019 wünschten sich die achtzig Beteiligten immerhin 37 Mal ein gastronomisches Angebot an Odelzhausens zentralem Platz. Eine zweite Bürgerrunde ging im Oktober des vergangenen Jahres als Zoom-Meeting über die Bühne. Nicht wenige der sechzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren überrascht, als das Münchner Planungsbüro CIMA dabei eine Lösung präsentierte, die allen Bedürfnissen Rechnung tragen sollte: eindreistöckiges Bauwerk mit Dach und Tiefgarage, in dessen Erdgeschoss ein Gastronomiebetrieb einziehen soll, ebenso wie eine Metzgerei. Trinkl stellt sich eine Art Regionalladen vor, mit einem abgetrennten gastronomischen Bereich und Biergarten - ein Konzept, das derzeit auch andernorts diskutiert wird, zum Beispiel in Hebertshausen oder Petershausen. Für eine Gaststätte mit bayerischen Speisen bestünde laut CIMA ein Bedarf. Trotzdem es gegenüber des neuen Rathauses eine Pizzeria gibt, sowie ein Restaurant im nahen Hotel Staffler und im benachbarten Taxa die Schlossbrauerei ist. Ortsübliche Mieten könne man allerdings in der heutigen Zeit von einem Gastronomiebetrieb nicht verlangen, betont Trinkl.

Die oberen Stockwerke des Neubaus bezieht die Verwaltung, weitere Nutzungen sind nicht ausgeschlossen. Wichtig ist Trinkl ein großer Veranstaltungsraum, der auch als Sitzungssaal genutzt werden kann. Eine ähnliche Idee hatte übrigens schon der Odelzhausener CSU-Chef und Vizebürgermeister Hans Heitmeir im Jahr 2017 ins Spiel gebracht - Trinkl hielt sich damals öffentlich noch sehr bedeckt.

Jetzt stellt Zauscher den Ratsbeschluss aus dem November noch einmal grundsätzlich in Frage. Seine Begründung: "Der Verbleib der Verwaltung am bisherigen Sitz wurde nie richtig untersucht." Trinkl widerspricht: "Dann soll Dr. Zauscher den Bericht der CIMA nochmals genau studieren." Dort seien Bedarf und Perspektiven der Verwaltung genauestens aufgeführt: "Schon jetzt reicht der Platz nicht", so Trinkl. Zauscher verweist auf den aktuellen Trend zum Home-Office: "Nicht alle Mitarbeiter benötigen einen 40-Stunden-Arbeitsplatz."

Der Bürgermeister ärgert sich zwar über Zauschers Vorstoß, meint aber auch: "Im Gemeinderat wird er damit auf wenig Gegenliebe stoßen. Nicht einmal bei seiner eigenen Fraktion." Den BGO-Mitbegründer ficht das nicht an: "Es kann schon sein, dass es keine Mehrheit für meinen Antrag geben wird. Ich will mir aber später nicht vorwerfen lassen, nicht alles versucht zu haben, um eine optimale Lösung zu erreichen."

Der Rathauschef kündigt an, Zauschers Antrag erst in der April-Sitzung des Gemeinderats behandeln zu wollen. "Das ist ein wichtiges Thema, das von der Verwaltung sorgfältig vorbereitet werden muss", erklärt Trinkl.

Möglicherweise ist zu diesem Zeitpunkt die Ausschreibung für die Architekten-Leistungen schon veröffentlicht. "Dabei geht es erst einmal um eine Eingabeplanung für das Gebäude", erläutert der Rathauschef. Wer anschließend den Bau betreut, werde in weiteren Ausschreibungen geklärt.

© SZ vom 22.02.2021
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