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Ludl-Gelände:Karlsfelder Heizkraftwerk braucht höhere Kamine

Der Bebauungsplan für das Ludl-Gelände ist beschlossen, doch es gibt massive Kritik und kostspielige behördliche Auflagen

Ende des Jahres könnte bereits die erste Baugrube auf dem Ludl-Gelände an der Münchner Straße in Karlsfeld ausgehoben werden. Damit rechnet jedenfalls das Bauamt im Rathaus. Denn der Gemeinderat hat in seiner vergangenen Sitzung den Weg für Bauanträge freigemacht. Nach zwei Jahren ist nun gegen die Stimmen des Bündnisses der Bebauungsplan beschlossen. "Der symbolische Brückenschlag über die Münchner Straße, den wir seit 50 Jahren geplant haben, ist jetzt gelungen", jubelte Christian Bieberle (CSU). Er ist froh, dass bald ein 36 Meter hoher ellipsenförmiger Turm die B 304 zieren wird statt eines verfallenen Bauernhofs. Die SPD indes rühmt sich, dass es erstmals gelungen ist, "die Bürger mit ins Boot zu holen", indem man sie am Planungsverfahren beteiligt habe, so Venera Sansone.

Heftige Kritik an dem Vorhaben kommt jedoch vom Bündnis, aber auch vom Landratsamt und dem Bund Naturschutz. Denn das Vorhaben wird Folgen haben. Etwa 300 neue Wohnungen sollen in dem Quartier entstehen. Das bedeutet voraussichtlich 700 zusätzliche Einwohner in Karlsfeld. Nach Ansicht des Bündnisses kommt dieser Bevölkerungszuwachs "zu früh".

Das Landratsamt bemängelt zudem, dass die Gebäude deutlich höher sind, als man bei der Genehmigung des Heizkraftwerks 2010 angenommen hatte. Statt einer Durchschnittshöhe von zwölf Metern weist der Bebauungsplan des Ludl-Areals etwa 18 Meter auf. Der soziale Wohnungsbau, der an das Heizkraftwerk angrenzen soll, wird sogar bis zu 19,50 Meter hoch. Damit sind die Kamine des Heizkraftwerks laut Landratsamt nicht mehr hoch genug. Um die Anwohner vor Stickoxiden, Schwefeloxiden, Schwebstaub und ähnlichem zu schützen, müssten die Kamine mindestens 32 Meter hoch sein. Derzeit sind sie sechs Meter niedriger. Außerdem belaste die Anwohner die Abgase der stark befahrenen Münchner Straße. Deshalb "empfiehlt" die Behörde dringend eine Erhöhung. Die Gemeinde argumentiert dagegen: Man sei auch mit einem 26 Meter hohen Kamin weit von den gesetzlich festgelegten Grenzwerten entfernt. Für die Gesundheit sei damit die "Kaminhöhe irrelevant".

Die Änderung ist freilich auch mit erheblichen Kosten verbunden: Grob kalkuliert schlüge der Umbau mit einem "mittleren sechsstelligen" Betrag zu Buche, so die stellvertretende Bauamtsleiterin Simone Hotzan. Zwar trage laut städtebaulichem Vertrag der Investor oder Bauherr die Kosten dafür, dennoch will man, sollte das Landratsamt eine Aufforderung zur Erhöhung der Kamine schicken, erst einmal widersprechen. "Wir wollen definitive Grundlagen", erklärt Hotzan der SZ.

Die Gemeindewerke Karlsfeld bangen indes um ihre Genehmigung angesichts der nahen Wohnbebauung. "Die Änderung von Sondergebiet Einzelhandel in urbanes Gebiet darf keine Senkung der Schallwerte verursachen", fordern sie. Das Bündnis bemängelt zudem, dass die künftigen Bewohner des sozialen Wohnungsbaus extrem benachteiligt sind. Die frühere Lage der Gebäude auf der nördlichen Seite des Areals wäre viel besser gewesen.

Zusammen mit dem Bund Naturschutz kritisiert das Bündnis auch, dass der "Brückenschlag" gar keiner ist. Denn weder Fußgänger noch Radfahrer könnten einfach die Münchner Straße überqueren. Zudem belaste das neue Wohngebiet mit Lidl, Getränkemarkt und Hotel die ohnehin schon sehr befahrene B 304 noch mehr.

Anders als beim Erlbau-Grundstück westlich der Bahn hat die Gemeinde Wert darauf gelegt, dass zuerst mit den Gewerbebauten angefangen werden muss. Erst wenn diese als Rohbau mit Fenstern stünden, könne mit den Wohnungen begonnen werden.

© SZ vom 07.05.2020

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