bedeckt München
vgwortpixel

Ludl-Gelände:Die Angst der Karlsfelder vor dem Verkehrskollaps

Die Investoren des Ludl-Geländes legen ein Mobilitätskonzept vor - aber so ganz überzeugt es den Gemeinderat nicht

Wird der Verkehr noch zunehmen, wenn das etwa 40 000 Quadratmeter große Ludl-Gelände an der Münchner Straße erst bebaut ist? Diese Furcht treibt viele Karlsfelder um, erstickt die Gemeinde doch jetzt schon fast im Verkehr. Die Investoren sollen nun ein Mobilitätskonzept vorlegen. Erste Ideen hat Christian Bitter von der Stadtbau München GmbH bereits in der Gemeinderatssitzung vorgebracht: Leihfahrräder, Carsharing und gute Busanbindungen sollen eine echte Alternative zum eigenen Auto sein. Ganz ähnlich wie beim Domagkpark in München, erklärte Bitter. Er stellt sich vor, dass drei oder vier Parkplätze in der Tiefgarage für das Leihsystem "Stattauto" reserviert werden. Außerdem sollen E-Lastenräder bereitstehen, die man sich ausleihen kann, ebenso wie MVG-Räder oder vielleicht E-Pedelecs. Auch über einen Shuttle-Bus zum S-Bahnhof sollte man nachdenken, so Bitter. Dadurch werde der Bedarf geringer, mit dem Auto zu fahren.

Mit einem solchen Mobilitätskonzept erhoffen sich Investoren und Planer, weniger Stellplätze in dem Quartier anlegen zu müssen. Nach derzeitigem Stand müssen etwa 1700 Parkplätze nachgewiesen werden, so schreibt es jedenfalls die Satzung der Gemeinde vor. Doch August Janello vom Verkehrsbüro Vössing hat errechnet, dass man für viele Stellplätze eine Doppelnutzung veranschlagen könne: tagsüber als Parkplätze zum Einkaufen, abends für Hotelgäste oder für Eltern, die ihr Kind in der Kita abgeben und dann dort einkaufen. Dann bräuchte man laut Janello nur 940 Parkplätze. Diese könnten in einer eingeschossigen Tiefgarage untergebracht werden. Verlangt die Gemeinde indes alle 1700 Stellplätze, müsse die Tiefgarage laut Architekt Klaus Kehrbaum zweigeschossig werden. Das habe Auswirkungen auf die Grundwasserströme.

Experte Patrick Keilholz skizzierte: "Eine eingeschossige Tiefgarage kratzt am Grundwasser. Sie kann problemlos und ohne große technische Hilfsmittel gebaut werden." Bei einer zweigeschossigen müsse mit Dückern oder einer Umleitungsdrainage gearbeitet werden, da sonst das Wasser an die Oberfläche steigen würde.

"Jetzt sind wir gezwungen Befreiungen zu akzeptieren, damit das vollgeklatschte Grundstück funktioniert", monierte Holger Linde (CSU). Der kleine Grundstückseigentümer müsse auch mit dem hohen Grundwasserspiegel zurecht kommen und bis zu 200 000 Euro in eine Wanne unter dem Keller investieren. Doch Ingenieur Keilholz ließ das nicht zählen: "Wasser macht nicht an der Grundstücksgrenze halt", warnte er. Man müsse eine Gesamtplanung machen und das Umfeld einbeziehen. Eine Wanne sei nur ein kleiner Teil der Baukosten, gab er zu bedenken. Daran scheitere die Planung vermutlich nicht.

Andere Gemeinderäte stießen sich an dem Gedanken, nur halb so viele Parkplätze zu akzeptieren. "Damit kommen wir nicht aus", befand Peter Neumann (Bündnis). "Wir sind hier einigermaßen aufs Auto angewiesen. Der öffentliche Nahverkehr ist nicht so optimal." Stefan Theil (CSU) pflichtete ihm bei: "Karlsfeld ist nicht München." Birgit Piroué (Bündnis) sprach sich dafür aus, die Satzung, die der Gemeinderat 2016 beschlossen habe, auch in diesem Fall einzuhalten. Radeln würden die meisten doch nur bei schönem Wetter und die Lastenräder als Alternative fürs Auto seien Freitag und Samstag sicher immer ausgebucht, weil alle dann einkaufen gingen. Die einzig wirklich gute Alternative sei ein Citybus wie in Dachau, aber den gebe es in Karlsfeld nicht. Selbst Adrian Heim (Bündnis) tat sich schwer mit der großen Diskrepanz an Stellplätzen: "Das ist noch ein sehr weiter Weg, vom Autoverkehr wegzukommen." Doch er hoffe, dass sich was tue in Zukunft. Bernd Rath (Bündnis) erinnerte an die Parkausweise, die man gerade beschlossen habe, da nicht genügend Stellplätze im Quartier um das Rathaus vorhanden seien.

Nur Bernd Wanka (CSU) verteidigte die Idee des Mobilitätskonzepts: "Nur wenn die Leute nicht mehr parken können, überlegen sie zweimal, ob das Auto nötig ist." Nur so könne man das Verkehrsverhalten ändern. Im September wird noch einmal über das Thema debattiert. Dann werden auch entsprechende Gutachten vorliegen, so das Bauamt.