bedeckt München 30°

Lockerungen in Dachau:Die kleinen Freuden des Lebens

Die Spielplätze im Landkreis sind wieder geöffnet, bald folgen auch Museen und Sportvereine. Und die ersten Reservierungen für den Biergarten gibt es auch schon in Mariabrunn. Viele Detailfragen sind allerdings noch offen

Von Julia Putzger und Johanna Hintermeier, Dachau

Gastwirt Manfred Valentin von der Schlosswirtschaft Mariabrunn fiel "ein Stein vom Herzen", nachdem die bayerische Staatsregierung am Dienstag zahlreiche Lockerungen im Umgang mit dem Coronavirus verkündet hatte. Schritt für Schritt kann das gesellschaftliche Leben nun vorsichtig wieder aufgenommen werden. 800 Menschen finden an schönen Tagen im Biergarten der Schlosswirtschaft Mariabrunn normalerweise Platz - wenn Gastwirt Manfred Valentin ab 18. Mai wieder Bier ausschenken darf, werden es aber wohl weniger sein. Welche Vorgaben genau einzuhalten sind, weiß er zwar noch nicht, er hofft aber, dass "nicht alle über einen Kamm geschoren werden". Wenn es eine einheitliche Regelung gebe, dass zum Beispiel nur 50 Gäste bewirtet werden dürfen, "rentiert sich das für uns nicht."

Doch komme was wolle, öffnen will Valentin die Schlosswirtschaft auf jeden Fall: "Keine Stunde nach dem Bekanntwerden der Lockerungen haben schon die Ersten angerufen, um zu reservieren." Er werde die Vorschriften einhalten, und sollte er zum Beispiel einen Sicherheitsdienst am Eingang positionieren müssen, dann bekomme der eben zum Ambiente passende Lederhosen. Außerdem hat der Gastwirt zur Vorbereitung bereits eine Plexiglasscheibe am Kassenhäuschen montiert. Er glaubt, dass die Besucher vernünftig sein und die Abstände einhalten werden.

Zeit zum Rumtoben: Auf dem Kinderspielplatz an der Jakob-Kaiser-Straße herrscht endlich wieder richtig Leben.

(Foto: Toni Heigl)

Eine der brisantesten Meldungen der Pressekonferenz der Staatsregierung war die schrittweise Öffnung der Kindergärten. Die Notfallbetreuung wird ausgeweitet, mehr Berufsgruppen haben nun Anspruch auf Betreuung. Darunter fallen vor allem Kinder mit besonderem Förderbedarf, genauso wie Kinder mit Behinderung oder solche von studierenden Alleinerziehenden. Waldkindergärten dürfen wieder öffnen. Neu ist außerdem, dass eine privat organisierte Kinderbetreuung, etwa durch die Nachbarschaft oder im Freundeskreis, wieder erlaubt ist. Das Dachauer Amt für Schule, Kinderbetreuung, Jugend, Soziales und Sport wartet nun auf konkrete Pläne vom Bayerischen Familienministerium und Gesundheitsministerium, um die Maßnahmen umsetzen zu können, wie Amtsleiter Max Haberl mitteilt.

Zudem wurden in Bayern als einem der letzten Bundesländer die Spielplätze wieder geöffnete. Bolzplätze bleiben hingegen geschlossen. Die mehr als 30 städtischen Spielplätze wurden laut Moritz Reinhold vom Stadtbauamt Dachau alle geöffnet. Es gibt keine maximale Zahl an Besuchern - Polizei und Sicherheitsbehörden kontrollieren aber, dass die Mindestabstände eingehalten werden, so Reinhold.

Sehnsüchtig erwartet wurde auch eine Lockerung des Besuchsverbots in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Am 9. Mai ist es nun soweit, Besuche sind - unter strikter Einhaltung von Hygienemaßnahmen - wieder möglich. Nina Fuchs, Geschäftsführerin des Pflegeheims Wollomoos bei Altomünster, berichtet: "Wir werden die Besuche takten, sodass wir die Bewohner vorbereiten können und den Besuchern die Hygieneregeln erklären können." Besuche sollen dann möglichst im Garten stattfinden. "Das Ganze hat natürlich zwei Seiten: Einerseits wünscht man sich für die Bewohner nichts mehr, als dass sie wieder ihre Angehörigen sehen können. Aber es besteht leider auch die Gefahr, dass alles wieder aufbricht und die Sorge beginnt von vorn", sagt Fuchs. Von Seiten der Angehörigen bestehe großes Interesse - seit dem Bekanntwerden der Lockerungen läute ihr Telefon beinahe ununterbrochen, erzählt die Geschäftsführerin.

Die Dachauer Gnadenkirche bereitet sich auf Gottesdienstbesucher vor - allerdings unter strengen Hygieneauflagen.

(Foto: Toni Heigl)

Wie die neuen Regelungen in den Helios-Amper-Kliniken in Dachau und Markt Indersdorf umgesetzt werden, wird aktuell intern noch besprochen. Strikte Hygienemaßnahmen würden jedenfalls weiterhin gelten, heißt es von Seiten der Verantwortlichen. Seit rund zwei Wochen arbeite man zudem an einem Konzept, um den Klinikbetrieb schrittweise wieder hochfahren zu können.

Als Kulturinstitutionen dürfen die Gemäldegalerie Dachau, die Neue Galerie und das Bezirksmuseum von 11. Mai an wieder ihre Türen für Besucher öffnen. Geschäftsleiterin Elisabeth Boser: "Wir haben uns riesig über die Nachricht gefreut!" Ein Hygieneplan wurde bereits erarbeitet, alle Ausstellungen und Sonderausstellungen sind fertig kuratiert. Die Ausstellungsräume werden in nächster Zeit für eine begrenzte Anzahl zugänglich sein. Das bedeutet, dass in der Gemäldegalerie knapp über 40 Personen und im Bezirksmuseum 32 Besucher das kulturelle Angebot gleichzeitig wahrnehmen können. Der Museumsshop wird unter Auflagen betrieben.

Boser hält das nun wieder physisch greifbare Kulturleben für sehr wichtig für die Menschen: "Kultur ist meines Erachtens immer wichtig - egal in welcher Krise", sagt die Leiterin. Dadurch, dass die Kunst auch alleine und im Stillen genossen werden könne, sei die Infektionsgefahr geringer als an anderen Orten, fürs persönliche Wohlbefinden aber unersetzlich. Dennoch sei man auf die Vernunft und Vorsicht der Besucher angewiesen, so Boser. "Wir hoffen, dass sich die Leute trauen zu kommen."

Die Lockerungen

Seit 6. Mai ist die allgemeine Ausgangsbeschränkung aufgehoben. Trotzdem sollten Kontakte zu Mitmenschen aufs Nötigste reduziert bleiben und es gilt, einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Außerdem sind Spielplätze wieder geöffnet. Vom 9. Mai an sind Besuche in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen unter strengen Auflagen wieder möglich. Ab dem 11. Mai dürfen alle Handels- und Dienstleistungsbetriebe sowie Einkaufszentren und Wochenmärkte - unabhängig von ihrer Größe - wieder öffnen. Je 20 Quadratmeter ist ein Kunde erlaubt. Tierparks, botanische Gärten, Bibliotheken, Museen, Galerien, Ausstellungen und Gedenkstätten, Fahr- und Musikschulen dürfen vom 11. Mai an ebenfalls den Betrieb wieder aufnehmen. Kontaktfreier Individualsport, wie Tennis, Leichtathletik, Golf oder Reiten ist dann auch erlaubt. Vom 18. Main an öffnen die Außenbereiche von Wirtschaften und Cafés, eine Woche später wird man auch innen bedient. Hotels und Tourismusangebote nehmen ihren Betrieb erst ab dem Pfingstwochenende auf. Schule und Kinderbetreuung werden kontinuierlich ausgeweitet. JUPU

Besuche in der KZ-Gedenkstätte in Dachau sind von 11. Mai an wieder möglich, das Außengelände wird dann geöffnet. Das Besucherzentrum und das Krematorium folgen eine Woche später. Dabei gelten stets die Regeln des internen Hygienekonzepts, das beispielsweise eine Reduzierung der Teilnehmer bei Rundgängen und der Besucher in geschlossenen Räumen vorsieht. Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann stellt sich jedoch noch nicht auf einen großen Ansturm ein: "Vorerst rechnen wir mit wenigen Besuchern, die eher aus der umliegenden Region kommen. Unser Hauptklientel - Schulklassen und internationale Besucher - sind derzeit aufgrund der Situation nicht zu erwarten."

Auch einige kontaktfreie Individualsportarten wie Tennis, Golf und Reiten können unter Auflagen ab kommenden Montag ausgeübt werden. Die Sportvereine im Landkreis warten die Absprachen mit den jeweiligen Sportverbänden ab. Die Spielvereinigung Hebertshausen 1920 e.V. umfasst hauptsächlich Fußballgruppen, die vorerst nicht trainieren können, die Leichtathletikgruppen werden das Training langsam wieder aufnehmen. Da Duschanlagen aus Hygienegründen geschlossen bleiben, können viele Trainingseinheiten nicht stattfinden. Auch die Nutzung von schulischen Turnhallen muss im Einzelfall zwischen Verein und Gemeinde geregelt werden.

Besondere Regelungen gelten derzeit auch für Gottesdienste. Da die Teilnehmerzahl beschränkt ist, bitten die Pfarrverbände - zum Beispiel in Altomünster und Karlsfeld - um vorherige telefonische Anmeldung für die Messen. Außerdem sollen die Besucher ihr Gotteslob und einen Mundschutz selbst mitbringen.

© SZ vom 07.05.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite