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Dachauer Moos:Hebertshausen: Veto gegen Landschaftsschutzgebiet

Naturschutzfläche

An dieser Stelle sähen die Kreisräte gerne ein Landschaftsschutzgebiet. Doch in Hebertshausen möchte man sich keine Schutzzone überstülpen lassen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Gemeinde lehnt den Vorstoß des Kreistags ab, das Gebiet nach Norden auszudehnen. Sie befürchtet Folgen für den Bau der Ortsumgehung.

Das Votum fiel klar aus: Ein neues Landschaftsschutzgebiet (LSG) im Süden von Hebertshausen soll es nach dem Willen des Gemeinderats nicht geben. Einstimmig lehnten die Kommunalpolitiker die Ausweisung einer Schutzzone ab, die der Landkreis gerade prüft. Dieses Veto überrascht nicht. Der Vorschlag zur Erweiterung bestehender Landschaftsschutzgebiete kommt nicht von der Gemeinde, sondern aus der Kreispolitik. Die Kreisräte hatten im November mehrheitlich ein Konzept verabschiedet, das die CSU-Fraktion kurzfristig im Umwelt- und Kreisausschuss präsentiert hatte. Dabei kam ein LSG in Hebertshausen plötzlich auf den Plan, von Karlsfeld und Dachau beantragte Schutzflächen flogen dagegen aus dem Entwurf.

Doch in Hebertshausen will man sich keine neue Schutzzone überstülpen lassen, die möglicherweise die eigene Planungshoheit einschränkt. Vor allem die Ortsumfahrung könnte in Gefahr geraten, so die Sorge. Auch sieht Rathauschef Richard Reischl (CSU) keinen Vorteil in einem erweiterten Schutzgebiet. Ein konkreter Anlass, etwa per LSG ökologische Ausgleichsflächen für Bauprojekte zu schaffen, "ist aktuell nicht gegeben".

Mit einem schlichten Nein lassen es die Hebertshausener aber nicht bewenden. Vielmehr hat die Gemeinde eigens ein spezialisiertes Planungsbüro beauftragt, um fachlich ein Landschaftsschutzgebiet zu prüfen. "Unser Ziel war zu zeigen, wie sich eine sinnvolle Variante ordentlich planen ließe", erklärte dazu Rathauschef Reischl den Gemeinderäten. Das Konzept, das der Landkreis nun auf CSU-Initiative hin verfolgt, passt Hebertshausen nicht nur aus Prinzip nicht. Vielmehr fehle diesen Überlegungen auch jede inhaltliche Grundlage, so Reischl. "Das Landratsamt prüft einfach eine möglichst große Fläche, egal ob es Sinn macht oder nicht." Dabei, das ergab die Untersuchung des Landshuter Büros Linke und Kerling, lässt sich im Süden von Hebertshausen durchaus ein Areal finden, wo ein Landschaftsschutzgebiet sinnvoll wäre. Ein Gebiet hat Planer David Vogg herausgearbeitet, das zwei bestehende Schutzgebiete verbindet. Und dabei bestehende Biotope, ökologisch wertvolle Wasserläufe und Moorböden schützen, gleichzeitig aber die geplante Umgehungsstraße, den Kies- und Sandabbau wie auch die bestehende Landwirtschaft nicht einschränken würde. Auf diesem Areal könnte ein Landschaftsschutzgebiet einen Mehrwert bringen, sagt der Bürgermeister.

Angst um die Planungen für eine Ortsumgehung

Trotzdem blieb es beim Veto des Gemeinderats gegen jegliche LSG-Ausweisung. Bei der Null-Variante also. "Wir sind vehement gegen diese Planungen", betonte Martin Gasteiger (FBB). Wenn Karlsfeld und Dachau weitere Schutzzonen möchten, "dann sollen sie es auf ihrem Gebiet machen", merkte Johann Böswirth (CSU) an. Wenn Hebertshausen jetzt mitziehe und dem Landschaftsschutzgebiet zustimme, fehle diese Option später, wenn die Gemeinde für eigene Bauprojekte Ausgleichsflächen benötige. "Dann haben wir nichts mehr." Vor allem will niemand die Planungen für eine Ortsumgehung gefährden. Für solch eine Entlastungsstraße im Süden der Gemeinde nahe der Ortsgrenze zu Dachau gibt es zwei raumgeordnete Wahltrassen, die Gemeinde selbst befürwortet eine dritte Streckenführung. Solange dieses Projekt nicht in trockenen Tüchern ist, möchte sich Hebertshausen nicht auf ein Landschaftsschutzgebiet festlegen, das bei der konkreten Straßenplanung dann womöglich Probleme bereiten könnte. Das vom Fachbüro entwickelte Konzept "hat seinen Charme, das können wir aus der Schublade ziehen, wenn die Umgehung klar ist", erklärte Andreas Schaller (CSU).

Neben der Sorge um die Umgehungstrasse spricht aus Hebertshausener Sicht ein anderes Argument gegen ein LSG: Die Ausweisung neuer Schutzzonen, die von der Gemeinde Karlsfeld und der Stadt Dachau initiiert wurde, wird im Zusammenhang mit geplanten Gewerbegebieten in beiden Kommunen gesehen. Und als Versuch gewertet, Gewerbeareale zu schaffen mit Ausgleichsflächen in Hebertshausen. "Ich bin schon der interkommunale Typ", so Reischl. "Aber so weit geht die Freundschaft nicht." Der Gemeinderat votierte deshalb einstimmig gegen jegliche Pläne für ein Landschaftsschutzgebiet. Die Hebertshausener verlassen sich mit diesem Beschluss auf das Wort von Landrat Stefan Löwl (CSU), betonte der Bürgermeister. Auf die Zusage nämlich, "dass der Kreistag ein LSG nicht beschließt, wenn wir als Gemeinde es nicht wollen."

Auch der Karlsfelder Bürgermeister Stefan Kolbe will die geschaffenen Fakten nicht einfach hinnehmen. Die Gemeinde hält an ihren eigenen Plänen für ein Landschaftsschutzgebiet im östlichen Dachauer Moos fest. Die Fraktionen hatten im Gemeinderat parteiübergreifend einen Antrag beschlossen, der Landkreis möge auf Karlsfelder Grund ein rund 147 Hektar großes Landschaftsschutzgebiet ausweisen. Ziel ist es, die verbliebenen Freiflächen vor weiterer Zersiedelung zu schützen. Der Schritt war auch als Teil eines politischen Kompromisses beschlossen worden: Naturschützer sehen Pläne der Gemeinde für ein Gewerbegebiet im Grünzug äußerst kritisch, wären aber bereit, den Eingriff hinzunehmen, wenn für die übrigen Gebiete Schutz gewährleistet werden kann.

© SZ vom 28.04.2017/gsl

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