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Landkreis Dachau:Nachhaltig bauen, wann immer es geht

Marese Hoffmann, Kreisrätin und Sprecherin ihrer Fraktion im Kreis, setzt sich für mehr Nachhaltigkeit ein.

(Foto: Toni Heigl)

Die Kreis-Grünen werben für den Einsatz recycelter Baustoffe und finden breite Zustimmung. Wäre da nicht die Rechtslage

Bauvorhaben, die der Landkreis in Auftrag gibt, sollen nachhaltig werden. Dafür setzt sich die Grünen-Kreisfraktion ein und hat deshalb den Antrag gestellt, künftig bevorzugt recycelte Baustoffe einzusetzen. Bei den sogenannten RC-Baustoffen handelt es sich in der Regel um Baustoffe, die aus gebrauchten Baustoffen gewonnen werden. Das kann zum Beispiel Bauschutt sein oder Materialien, die beim Rückbau von Straßen übrig bleiben. Statt herkömmlichen Kies wird etwa gebrochener Beton in den untergemischt.

Kreisrätin Marese Hoffmann (Grüne) forderte in einer gemeinsamen Umwelt- und Verkehrs- sowie Kreisausschusssitzung ganz grundsätzlich, wann immer möglich nachhaltige Baustoffe zu verwenden, Kreisrat Peter Heller (Bündnis für Dachau) schlug indes vor, bei einzelnen Baumaßnahmen Sondergenehmigungen von der Obersten Baubehörde für den Einsatz von RC-Baustoffen einzuholen. Letztlich entschieden sich die Kreisräte für die von Hoffmann vorgeschlagene Variante.

Kreisbaumeister Meier erklärte, er sei sich der Vorbildfunktion des Landkreises durchaus bewusst, daher werde schon jetzt, wann immer möglich, auf nachhaltige Baustoffe zurückgegriffen. Aus technischer Sicht gebe es ein "gewisses Aber", da die Normen in Deutschland sehr hoch seien, was den Anteil von RC-Baustoffen nur bis zu einem gewissen Prozentsatz erlaube. Als Vergleich nannte Meier die Schweiz, wo mit bis zu 100 Prozent RC-Baustoffen gearbeitet werden darf. Wer das auch im Deutschland schaffen wolle, müsse immer auf die Zustimmung der Baubehörden hoffen und das sei "verbunden mit einem Sack voller Probleme". Landrat Stefan Löwl (CSU) schlug ob dieser Sachlage vor, nachzujustieren, sobald sich Änderungen ergeben sollten. Antragstellerin Hoffmann bedankte sich zunächst für die "ausgezeichnete Bearbeitung" ihres Antrags, bat allerdings die Beschlussvorlage dahingehend zu ändern, dass der Landkreis "künftig die Möglichkeit der Nutzung von RC-Baustoffen bei anstehenden Bauvorhaben unter der Berücksichtigung der technischen, ökologischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" nicht prüft, sondern plant. Kreisrat Leonhard Mösl (ÖDP) warb dafür, sich auf jene Baustoffe zurückzubesinnen, "die wir haben und die man gut recyceln kann". Nur dann könnten "ökologisch sinnvolle Bauten" entstehen.

Hellers Vorschlag, in Einzelfällen Anträge für eine Sondernutzung zu stellen, fand keine Mehrheit, obwohl er damit argumentierte, dass der Landkreis "Teil der Lösung und nicht Teil des Problems" sein müsse. Kreisbaumeister Meier sagte, dass durch die langen Bearbeitungsprozesse solcher Anträge jede Planungssicherheit verloren gehe. "Sie sind da wie auf hoher See", beschrieb er den Kreisräten die langwierigen Prozess. Die Kreisräte einigten sich schließlich darauf, RC-Baustoffe wann immer möglich einzusetzen und ihnen den Vorzug vor herkömmlichen Baumaterialien zu geben, jedoch nicht Einzelfallentscheidungen herbeizurufen, die Bauvorhaben unnötig verzögern könnten.

© SZ vom 30.11.2020 / jala
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