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Kunsktkreis Karlsfeld:Abstrakt sehen und fühlen

Liz Schinzler zeigt in der Galerie des Kunstkreises neue Werke unter dem Titel "Stille und Bewegung", als ein Bekenntnis zu einer Kunst, die Gedankenbilder schafft und Reflexionen ermöglicht.

Liz Schinzler in der Galerie des Kunstkreises Karlsfeld.

(Foto: Toni Heigl)

Die Bewegung, die das ockergelbe Farbfeld in seiner Trägheit stört und zum Vibrieren bringt, ist von einer gleißenden Helligkeit. Umgekehrt löst sich dieses unerbittliche Weiß aus eigener Kraft aus einem tiefen, dunkelbraunen Raum, verselbständigt sich und verflüchtigt sich in fasrigen Farbspuren. Die Malerin Liz Schinzler beschäftigt sich in ihrer Ausstellung beim Kunstkreis in Karlsfeld mit dem Spannungsfeld von Ruhe und Dynamik. Deshalb der Titel "Stille und Bewegung".

Zunächst handelt es sich bei den abstrakten Malereien um architektonische Räume; um plastisch gebaute Gefüge aus Farbe und Material, die sich in vielen Schichtungen in die Tiefe entwickeln. Die sorgfältig gearbeiteten Bilder beziehen ihren Reiz aus den haptischen Strukturen, die sich durch den pastosen, zum Teil gespachtelten Farbauftrag ergeben, und durch die sich überlagernden Flächen, die sich umkreisen, an den Säumen oft helle Schatten haben, oder sich dicht im dicht gemauerten Auftrag zusammenballen. Alle Vorgänge im Entstehungsprozess hinterlassen ihre Spuren. Die Farben sind ausgewogen und harmonisch, so wie sie auch in der Natur vorkommen.

Insofern sind die Werke auch Landschaftsbilder. Die Nähe zu diesem Thema dokumentiert die Künstlerin anhand zweier Fotobücher, in denen sie Naturaufnahmen und Malereien gegenüberstellt. Sie sagt: "Die Fotos sind Gleichnisse meiner Malerei". Im Blick auf die gischtenden Verwirbelungen eines Wasserfalls, in den Blättern im Bachbett, die unregelmäßig flimmernde Muster erzeugen, oder in der ästhetischen Wirkung einer Regentonne, deren rostiges Rot im Sonneneinfall zur glühenden Farbfläche wird. In ihren abstrahierenden Fotos erzeugt Liz Schinzler eine künstliche Realität analog zu ihrer reduzierten Sichtweise in der Malerei: Sie sagt: "Wenn ich spazieren gehe, sehe ich fast nur abstrakte Bilder."

Der didaktische Aspekt dieser Gegenüberstellung von Malerei und Fotografie ist Absicht: Das fotografische Anschauungsmaterial soll dem Betrachter die Angst vor dem fehlenden Gegenstand in der Malerei, dem Unbekannten nehmen. Das ist auch der Grund, weshalb Liz Schinzler in ihre Bildräume haptische Elemente wie Wellpappe und Leinen montiert und Schriften, Ritzungen und reliefartige Muster in die Farbschichten einarbeitet. Den Bezug zum tradierten wiedererkennenden Sehen als Orientierung hält sie durch die Silhouette einer menschlichen Figur, durch organische Formen oder Pflanzenteile.

Wesentlich sind ihr die Bildtitel: "Kleine Ruheoasen", "Allein und doch verbunden" oder "Blicke nach vorn". Sie verbinden die Malerei mit einer Art Lebensbild und führend direkt zum Ausstellungstitel in Karlsfeld: So vereint das Werk mit dem Titel "Leere und Fülle" die Gegensätze von Leichtigkeit und schwerem Gewicht, von Helligkeit und Dunkel, Glätte und Rauheit. Drei kleine, englischsprachige Texte füllen den Raum zwischen den Farbflächen. Einer von ihnen lautet: "Less is more." Spätestens dann wird klar, dass das Malen für Liz Schinzler eine innere Auseinandersetzung bedeutet. Der Titel "Stille in Bewegung" kommt aus dem Tai Chi, der chinesischen Kunst des Schattenboxens. Sie ist als Aufforderung zu verstehen, als Loslassen der Gedanken und das Leeren des Geistes. Insofern sind Schinzlers Bilder nicht nur abstrakte Räume, sondern Meditationen über die Balance polarer Kräfte.

Kunstkreis Karlsfeld, Galerie am Drosselanger, Samstag und Sonntag, 9./10. März und Samstag und Sonntag, 16./17. März von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Vernissage ist am Freitag, 8. März, 18 Uhr.