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Kulturkneipe Haimhausen:Diagnose: Ollas leiwand

Dr. Ösi und die Chefpartie in Haimhausen

Doktor auf der Bühne: Frontmann und Sänger Helmut Eder alias Dr. Ösi ist auch im echten Leben praktizierender Arzt.

(Foto: oh)

Die Austro-Pop-Formation "Dr. Ösi und die Chefpartie" bringen Publikum in Wallung

Den Veranstaltern war klar, was sie erwartete: der wahrscheinlich wildeste Abend des Herbst- und Winterprogramms in der Haimhausener Kulturkneipe. Sie hatten deshalb auch den kleinen Raum vor der Bühne entsprechend umgestaltet und Stehtische anstelle der gewöhnlichen Bestuhlung aufgestellt. Eingeladen nämlich war die Gruppe Dr. Ösi und die Chefpartie mit ihrem Austro-Pop-Programm "Ollas leiwand". Und mit ihnen, wusste man, würde es nach kürzester Zeit niemanden mehr auf seinem Stuhl halten.

Im Münchner Norden ist Dr. Ösi mit seinen Instrumentalisten seit nunmehr sechs Jahren eine feste Größe. Hinter dem vermeintlichen "Ösi" verbirgt sich der Arzt Dr. Helmut Eder, der wie alle anderen Bandmitglieder seine Wurzeln in Unterschleißheim hat und hier auch praktiziert. Die Verbindung von ärztlichem Beruf und musikalischer Leidenschaft ist zunächst nichts Ungewöhnliches: Es muss da so etwas wie ein gemeinsames Gen für beide Bereiche geben. Ungewöhnlich ist allerdings das musikalische Genre, das sich der Doktor und seine Ensemblemitglieder ausgesucht haben: den Austro-Pop und -Rock. Vier der fünf Bandmitglieder - Helmut Eder selbst sowie Eugen Holzmann an Keyboard, Piano und Gitarre, Roland Stöhr am Bass und Peter Fischer an der akustischen und der E-Gitarre - sind mit dieser Musik der Siebziger und Achtziger aufgewachsen; lediglich der Jüngste im Bunde, Martin Richmann am Schlagzeug, hat sie erst mit einiger Verspätung kennengelernt.

Die Begeisterung von Dr. Ösi und seinen Freunden hat auch nach mehr als vier Jahrzehnten nicht nachgelassen - und mit dieser Leidenschaft begeisterten sie auch in Haimhausen vom ersten Moment an ihr Publikum. Die fünf Männer spielten und sangen Coverversionen der berühmtesten Stücke ihrer großen Vorbilder. Wolfgang Ambros gehört zu ihnen, Rainhard Fendrich, die Gruppe Seiler und Speer oder das steirische Trio S.T.S., dessen Bezeichnung sich aus den Nachnamen Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz ableitet. Klar, dass im Repertoire von Dr.Ösi Klassiker wie Wolfgang Ambros Hymne auf das Skifahren ebenso wenig fehlt wie das wunderbare Lied von der "schönsten Frau im Gemeindebau" oder das "Geburtstagslied" auf den Wiener Zentralfriedhof. Ebenso wenig durfte auch das einst zum "größten Austro-Pop-Hit" gewählte Fendrich-Lied "I am from Austria" fehlen, das als "heimliche Bundeshymne" Österreichs gilt, oder der wunderbare Song "Fürstenfeld", in dem das Trio S.T.S. einen der ihren, Günter Timischl, und sein Heimweh ins steirische Fürstenfeld besingt.

Helmut Eder singt diese Lieder mit dem gleichen gefühlvollen Überschwang wie er sie wahrscheinlich bereits in seiner Jugend mit- und nachgesungen hat, und seine Instrumentalisten erweisen sich ihm ebenbürtig mit großen Gitarre- und Schlagzeug-Soli oder mit leichthändigem Pianospiel, Mundharmonikaeinlagen und Gesang.

In Haimhausen antwortete das Publikum mit gleicher Begeisterung: Es swingte, tanzte, sang mit und erwies sich dabei als höchst textsicher. Immer wieder brandete stürmischer Applaus auf, zuletzt regelrechter Jubel über Wolfgang Ambros Version des Bob Dylan-Songs "Forever young".

Was die Menschen so fasziniert an dieser Musik, dürfte auch mit den Texten zusammenhängen. Es sind in ihrer Einfachheit, im genauen Hinschauen auf menschliche Gefühle und alltägliche Situationen, sehr schöne, sehr poetische Texte. Texte, in denen die Liebe, auch die vergangene, mit berührenden Bildern besungen wird, und die, wie etwa bei Wolfgang Ambros, aus der persönlichen Erfahrung, oft auch der Enttäuschung heraus, entstanden sind. Auch wenn ein Österreicher, zumal ein Wiener wie Wolfgang Ambros, eine besondere Beziehung zur Vergänglichkeit und zum Tod hat: Erst einmal wird das Leben gefeiert - das tat das Publikum in Haimhausen.