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Kultur in Dachau:"Man reist mit und durch die Musik"

Christian Benning rockt die ELPHI

Christian Benning ist beeindruckt von der Akustik in der Hamburger Elbphilharmonie. Ihm persönlich war sie dann fast ein bisschen zu gut.

(Foto: Alexander Frank/oh)

Star-Percussionist Christian Benning hatte seinen ersten Konzertauftritt mit zehn bei der "Dachauer Tafel". 2020 spielte er in der Elbphilharmonie, 2022 könnte ein Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall folgen. Ein Gespräch über Auftrittsorte und ihre Tücken

Interview von Jana Rick

Auf dem Pasinger Würmkanal, im Keller seiner Eltern, in einem alten Flugzeughangar oder in der Hamburger Elbphilharmonie - der junge Star-Percussionist Christian Benning aus Dachau hat bereits an den bekanntesten und verrücktesten Orten sein musikalisches Können unter Beweis gestellt. Im Interview mit der SZ Dachau spricht er über seine internationalen Bühnen-Erfahrungen, Luftbefeuchter und die perfekte Akustik.

SZ: Herr Benning, Sie treten mittlerweile weltweit als Multipercussionist auf. Erinnern Sie sich an Ihren ersten großen Auftritt, beziehungsweise den ersten Spielort?

Christian Benning: Das war auf dem Dachauer Sparkassenplatz, als ich als Zehnjähriger bei der "Langen Tafel" auftreten durfte. Es war sozusagen mein Solo-Debüt, meine erste ganz eigene Schlagzeug-Performance und allein deswegen schon ein unvergessliches Erlebnis. Ich kann mich noch erinnern, dass es zwischendrin extrem angefangen hat zu regnen, sodass spontan eine Plastikfolie über mich und meine Instrumente gespannt wurde. Und ich habe einfach weitergespielt.

Open-Air-Konzerte wie dieses weisen bestimmt eine besondere Akustik auf?

Open Air ist nicht immer gleich Open Air, da gibt es zum Teil große akustische Unterschiede. Am 26. Juni gebe ich zum Beispiel ein Konzert mit meinem Ensemble Christian Benning Percussion Group im Brunnenhof der Münchner Residenz, das ist draußen, aber rundum eingemauert. Die Akustik innerhalb des Hofes ist fantastisch, das klingt fast schon wie ein großer Konzertsaal. Oft jedoch verfliegt der Klang schnell bei Freiluftkonzerten, im Dachauer Schlosspark zum Beispiel. Da muss man dann oft auf akustische Verstärkung der Instrumente zurückgreifen.

Ganz anders ist es wahrscheinlich in einem Keller?

Das stimmt! Ich habe bis zum Abitur im Keller meines Elternhauses geprobt; auch wenn die Räume isoliert waren, haben die Wände meist ordentlich vibriert und es hat gedröhnt, weswegen ich grundsätzlich auch mit Gehörschutz übe.

Spielen neben der Akustik auch noch andere Bedingungen für Sie eine Rolle, also zum Beispiel bei Freiluftkonzerten die Sonne?

Auf jeden Fall. Im Schlosspark war es damals extrem heiß, da hat sich meine Marimba beim Aufbau schon fast über einen Halbton verstimmt, sodass ich wortwörtlich angefangen habe zu schwitzen. Auch Feuchtigkeit kann ein Problem sein. In meinen Proberäumlichkeiten habe ich im Sommer einen Luftentfeuchter und im Winter einen Luftbefeuchter, um immer eine konstante Feuchtigkeit im Raum zu haben.

Auf was achten Sie, wenn Sie einen Spielort vor einem Auftritt besuchen?

Natürlich versuche ich, wenn möglich, einen Akustikcheck zu machen. Außerdem liegen mir meistens Skizzen der Location vor, dann bekomme ich schon mal einen Eindruck von der Form der Bühne. Ich bin froh, wenn dann Lichttechniker dabei sind und die technischen Aspekte kontrollieren, das Licht darf zum Beispiel nicht blenden. Licht und Ton müssen aufeinander abgestimmt sein. Es gibt viele Punkte, auf die man achten muss, manchmal finden Vorabbesichtigungen schon ein Jahr vor dem Konzert statt, damit man im Notfall noch Anpassungen vornehmen kann. Und bei Freiluftkonzerten kommen noch Aspekte wie Regenschutz und Magnete für die Liedblätter dazu, damit sie nicht wegfliegen.

Was ist Ihr bisheriger Lieblingsspielort?

Das ist eine schwierige Frage. Stimmung und Akustik im Brunnenhof gefallen mir einfach sehr gut. Auch absolut beeindruckend war die Akustik in der Elbphilharmonie in Hamburg. Eigentlich war sie für mich persönlich fast schon zu gut! Ich habe dort einen Schockmoment erlebt, als beim zweiten Stück plötzlich ein Handy geklingelt hat und ich dachte es wäre mein eigenes in der Hosentasche, weil es so nah klang. Man muss sich wirklich daran gewöhnen, dass man dort einfach alles hört. Jeden Räusperer, jedes Schuhquietschen. Das ist beeindruckend.

Erinnern Sie sich an ein weiteres Konzert, das Sie aufgrund des Spielortes nicht vergessen werden?

In Pasing habe ich einmal in einer Unterführung gespielt, mir wurde dort auf der Würm eine Bühne aufgebaut. Über mir verliefen die Bahngleise, unter mir rauschte das Wasser - das war von der Stimmung her einfach spektakulär. Deswegen glaube ich, dass man auch aus vermeintlich unscheinbaren Orten wirklich viel machen kann.

Sie haben jetzt schon von Auftritten in Hamburg, Dachau und München erzählt. Wohin haben Ihre Konzerte Sie noch geführt?

Die Anzahl der Spielstätten kann ich tatsächlich gar nicht mehr beziffern. Ich erachte es als ein großes Geschenk, schon in so vielen verschiedenen Ländern und Kontinenten auftreten durfte, unter anderem in Korea, den USA, Ägypten, Oman, Mauritius - in 2020 sind meine Solo- Debüts in Italien, Russland und China leider der Pandemie zum Opfer gefallen, die hoffentlich nachgeholt werden können.

Sie können also bestimmt viele Geschichten über Ihre Reisen erzählen.

Ja und das finde ich das Schöne: Man reist mit und durch die Musik und ist dabei kein Tourist, sondern hat einen direkten Kontakt mit den Menschen an dem Ort, an dem man spielt. Man ist irgendwie, zumindest für einen kurzen Moment, Teil des anderen Lebens.

Kulturschocks haben Sie dabei bestimmt auch erlebt?

Kairo war beim allerersten Mal auf je- den Fall ein Kulturschock für mich. Da ist es dann zunächst eine Herausforderung, richtig anzukommen in dem fremden Land. Auch das Verhalten der Menschen am Opernhaus ist unterschiedlich: Dort kam ein Bühnentechniker hereinspaziert und hat einfach seinen Werkzeugkoffer auf meiner Marimba abgestellt, da war ich erst mal sprachlos (lacht).

Wie unterscheidet sich ein Publikum in Korea von einem in New York oder Dachau?

Ich frage mich vor Auftritten in einem neuen Land immer selbst, wie die Leute wohl reagieren werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zwar die Geschmäcker und Hörgewohnheiten unterschiedlich sind, aber die Musik an sich ist eine globale Sprache. Wenn man richtig zuhört, kann man alles verstehen.

Bestimmt passieren auch mal Pannen auf der Bühne, egal an welchem Spielort?

Klar, das ist ganz normal, man kann nie alles planen. In der Elbphilharmonie zum Beispiel ist unser einziges elektronisches Instrument bei der Zugabe einfach ausgefallen! Mein Ensemble-Kollege hat zwar das Beste daraus gemacht und ist auf ein anderes ausgewichen, aber wir hätten das Instrument nach dem Konzert am liebsten in die Elbe geworfen (lacht).

Welcher ist Ihr Lieblingsspielort im Dachauer Landkreis?

Das Schloss. Ich verbinde damit auch emotional sehr viel. Ich durfte meinen 18. Geburtstag dort in Form eines Solo-Konzerts feiern, ich bin wenige Meter vom Schloss in die Klosterschule gegangen, wurde in Sankt Jakob getauft...

Und haben Sie einen Traumspielort, an dem Sie in Zukunft gerne einmal auftreten möchten?

Ich plane in den kommenden Jahren einige Konzerte an ganz unkonventionellen, spannenden Spielorten. Als Traumspielort könnte ich aber wahrscheinlich die New Yorker Carnegie Hall bezeichnen, das wäre schon eine Art Ritterschlag. Meine Agentur und ich stehen bereits in Kontakt mit den Veranstaltern dort; Ende 2021 war mal angepeilt, aber aufgrund von Corona wird sich das verzögern.

© SZ vom 21.01.2021
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