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Kreispolitik:Doppelte Hilfe

Kreisrätin Sylvia Neumeier (SPD).

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Sozialarbeit an Dachaus Schulen soll ausgeweitet werden. Das erfordert aber auch zusätzliche Koordination

Schüler, die nicht still sitzen können, unkonzentriert sind, andere aggressiv angehen oder sich in ihre eigene Welt zurückziehen: Sozial auffällige Kinder und Jugendliche gibt es zunehmend auch an den Schulen auf dem Land. Umso wichtiger, dass die unterstützende Sozialarbeit sukzessive ausgebaut wird. An der Grundschule Dachau-Ost und der Mittelschule Erdweg wird die Jugendsozialarbeit an Schulen aufgestockt, an der Realschule neu installiert. Parallel baut das Kultusministerium ein neues Unterstützungssystem mit dem Namen Schulsozialarbeit auf. Davon profitieren bereits in diesem Schuljahr die beiden Karlsfelder Grundschulen und die Mittelschule Altomünster. Gleichzeitig wird die schulpsychologische Beratung erweitert.

Eine positive Entwicklung, da waren sich die Kreisräte im Jugendhilfeausschuss einig. Allerdings sind künftig womöglich mehrere Pädagogen mit unterschiedlichem Aufgabenspektrum an einzelnen Schulen tätig. "Das bringt mehr Mittel, braucht aber auch Koordination", betonte Landrat Stefan Löwl (CSU).

Über Sinn und Notwendigkeit von Sozialarbeit an Schulen wird längst nicht mehr diskutiert. Die Erfolge in der Praxis sprechen für sich. Schließlich arbeiten an der Greta-Fischer-Schule, der Berufsschule sowie an vier Grund- und acht Mittelschulen im Landkreis bereits erfahrene Pädagogen mit überzeugenden Resultaten - zum Teil schon seit Jahren. Der Landkreis siedelt diese Unterstützung, die Teil der Jugendhilfe ist, gezielt dort an, wo sich aus der Sozialraumanalyse des Kreises besondere Brennpunkte ergeben. Auch für die jetzt genehmigten drei Projekte lässt sich der Handlungsbedarf aus Schulstruktur und Sozialraumanalyse begründen, erklärte Ingolf Baumgartner, stellvertretender Jugendamtsleiter, den Kreisräten. So besuchen die Grundschule-Ost, die sich bisher eine Pädagogin mit der Augustenfelder Nachbarschule teilt, 460 Kinder. Zwei Drittel davon haben einen Migrationshintergrund. Zudem sind in Dachau-Ost zwei Übergangsklassen eingerichtet, die Kinder ohne Deutschkenntnisse besuchen. Als Schule mit Inklusionsprofil integriert die Schule zudem viele Kinder mit erhöhtem sozial-emotionalen Förderbedarf. Alles Faktoren, die mehr pädagogische Unterstützung durch Jugendsozialarbeit nötig machen. Auch an der Mittelschule Erdweg gibt es zwei Ü-Klassen.

Für Realschulen ist Jugendsozialarbeit bisher noch nicht die Regel, dennoch wird für die Dr.-Josef-Schwalber-Realschule jetzt eine Stelle geschaffen. Viele der dortigen Schüler kommen vom Gymnasium, haben dort Überforderung und Versagen erlebt. Auch weisen die Werte aus der Sozialraumanalyse, etwa der Anteil alleinerziehender Eltern und der Bedarf an Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder, auf einen zusätzlichen Hilfebedarf hin. Zusätzlich zu der sukzessive immer weiter aufgestockten Jugendsozialarbeit wird nun auch Schulsozialarbeit an zwei Schulen installiert. Im Gegensatz zu Jugendsozialarbeit, die einzelfallorientiert arbeitet, gezielt sozial benachteiligte oder individuell beeinträchtige Schüler in den Blick nimmt, soll die Schulsozialarbeit als Teil des Schulsystems stärker präventiv wirken und ihren Fokus auf die Schul- und Klassengemeinschaft richten.

Diese Stärkung des Hilfesystems begrüßen auch die Kreisräte. "Der Landkreis wächst, also wächst der Bedarf", betonte Bernhard Seidenath (CSU). Sylvia Neumeier (SPD) warnt davor, sich als Landkreis nun zurückzuziehen. "Es gibt einen hohen Bedarf für beides: Jugendsozialarbeit an Schulen und Schulsozialarbeit." Allerdings sieht Landrat Löwl noch Klärungsbedarf, wie die beiden Systeme zusammenarbeiten sollen. Das trifft im Landkreis noch nirgendwo zu, weil Schulsozialarbeit vorrangig an Schulen installiert wird, die nicht über Jugendsozialarbeit verfügen. "Wir brauchen eine Clearingstelle", so Löwl, damit nicht "zwei Leute an einem Kind herumdoktern".

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