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Konzert im Thoma-Haus:Rasant

Pop Chorn

Der Dachauer PopChORn und Dirigent Michael Clemens Frey alias Professor Orpheus im Ludwig-Thoma-Haus.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die "Zeitensprünge" von PopCHORn und eine musikalische Reise

Von Petra Neumaier, Dachau

Fragezeichen im Kopf, Irritation in den Gedanken: Sicher, dass das Konzert eines Chores mit dem Namen PopCHORn irgendwie anders sein würde als übliche klassische Gesangsvorträge, war ja irgendwie zu ahnen. Aber eine pink und lila beleuchtete Bühne, eine buntblinkende, seufzende Zeitmaschine, tanzende Sänger und ein als verrückter Professor verkleideter Chorleiter, der seinem lernfaulen Neffen mittels Zeitreisen aus der Patsche hilft? Das war zumindest für "Außenseiter" nicht zu erwarten. Und doch war das Konzert "ZeitenSprünge" am Sonntag im Ludwig-Thoma-Haus und seine musikalische Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte ganz typisch für diesen außergewöhnlichen Dachauer Chor, der mit seiner Revue einmal mehr wahre Begeisterungsstürme vom Publikum erntete.

Typisch auch Michael Clemens Frey: Seit der Münchner Dirigent und Chorleiter 2008 den mehr als 100 Jahre alten "VolksChor Dachau" (seit 2014 "PopCHORn") übernahm, hat sich dessen Repertoire stark gewandelt. Weg von steifen Vorträgen und hin zu amüsanter, unterhaltsamer Musik. Die macht nicht nur den Sängern sichtlich Spaß und sorgt für junge Nachwuchskräfte. Auch das Publikum geht enthusiastisch mit. "Tatsächlich haben wir sogar nach unseren Chorkonzerten viele Anfragen von Interessenten, die auch bei uns mitsingen wollen", freut sich der passionierte Musiker, der vor neuen Einfällen geradezu strotzt. Und auch dieses Mal stammt zum großen Teil die Geschichte der Revue aus seiner Feder, die er zu würzen versteht, mit schon kabarettistischen Einlagen und seiner eigenen Stimme.

Die Handlung ist einfach, und doch kompliziert: Zwei Jahre, nach seinem letzten Auftritt als Professor M. Orpheus, wo jener mit einer Maschine Träume sichtbar machte, begibt er sich jetzt mit seiner selbstentwickelten Zeitmaschine in die Vergangenheit. Der Grund: Sein vermeintlicher Neffe muss eine Doktorarbeit schreiben mit dem komplizierten Thema: "Die historische Entwicklung der Endorphin-Ausschüttung durch musikalische Reiz-Imprimierung von 1800 bis in die Zukunft, dargestellt anhand der Synapsen-Sprünge im Gehirn." Oha! Und weil er junge Mann zu bequem für Recherchen war und die Zeit drängt, überredet er seinen Onkel in eben solche zu reisen, um vor Ort seine Messuntersuchungen anzustellen.

Sodann reisen die beiden los, beginnend in den 1920er Jahren und dann hinein in die Pettycoat-1950-er Jahre, bevor sie ein technischer Defekt in das Jahr 1780 katapultiert. Mitten hinein in den Thronsaal einer ganz schön zickigen Königin mit ihrem gepuderten Perücken-Gefolge. Glücklich nach der Pause zurückgekehrt in die 1980-er Jahre, geraten die beiden schließlich in die Zukunft. Alles in einem eine turbulente Reise mit Potpourri aus zeittypischen Schlagern, wie zum Beispiel "Ausgerechnet Bananen", klassischen Ohrwürmern wie "Over the rainbow", mittelalterlichen Gesängen wie "Aännchen von Tharau", simplem Pop wie "Chery Chery Lady" und bis hin zu einer Sprechgesang-Fuge aus der Geografie, die erst Gelächter und dann Hochachtung beim Publikum auslöste. Ein anspruchsvolles Programm, während dem die 25 Sänger und Sängerinnen in wechselnde Kostüme schlüpften und ihre schauspielerischen und gesanglichen Qualitäten (sogar solistisch oder im in kleiner Gruppe a cappella) beweisen.

Fragt sich nur jetzt schon, was im nächsten Jahr folgt. Denn das Ende der Geschichte, in der sich durch einen weiteren Defekt der Professor und der Neffe im Körper des anderen wiederfinden, bleibt offen. Im nächsten Jahr wird es noch keine Fortsetzung geben. Geplant ist vielmehr ein Musical mit noch unbekanntem Titel. "2018 wird es ein Wiedersehen mit dem Professor geben."

© SZ vom 16.05.2017

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