Kommentar Was zählt, ist das Erinnern

Die Landesregierung sollte die Überprüfung der Beschäftigungsverhältnisse in den bayerischen Gedenkstätten nutzen, um den Etat für das Personal zu erhöhen.

Von Thomas Radlmaier

Es wird sich zeigen, ob das neue Modell an der KZ-Gedenkstätte verfängt. Die Gefahr droht, dass einige Gästeführer aufhören, weil sie keine feste Anstellung haben wollen oder dürfen. Schließlich haben viele Referenten einen Hauptberuf. Und nicht jeder Arbeitgeber erlaubt, dass sein Mitarbeiter einen zweiten Arbeitsvertrag unterschreibt. Doch der eine oder andere Freiberufler könnte auch gerade auf so eine Chance gewartet haben, um endlich in ein Anstellungsverhältnis zu kommen. Beides ist möglich.

Wichtig ist, dass an der Gedenkstätte unter dem Strich genügend Menschen arbeiten, um Gästen einen pädagogisch wertvollen Besuch zu ermöglich. Egal, wie sie angestellt werden. Was wirklich zählt, ist das Erinnern.

Doch schon jetzt übersteigt die Nachfrage an Rundgängen und Seminaren das Angebot. Es fehlt an Räumen und Personal an allen Ecken und Enden. In den Sommermonaten werden Schulklassen in Massen über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers geführt - fachkundige Gruppenleiter sind dabei dringend notwendig.

Man darf daran zweifeln, dass nun ausreichend Stellen für Referenten entstehen, um die Besuchermassen zu bewältigen. Jedenfalls klingt es eher nach Sparkurs, wenn die Gedenkstätten-Leiterin Gabriele Hammermann vorsorglich eine Job-Garantie ausschließt. Zwar hat Hammermann Recht: Das neue Modell kann eine "große Chance" sein und die wichtige Arbeit der Referenten würdigen, indem man sie einstellt. Aber das gilt nur, wenn genügend Stellen entstehen und die neuen Kollegen angemessen bezahlt werden.

Der Bund und das Land müssen mehr Geld für die Gedenkstättenarbeit ausgeben. Die SPD im Landtag hat vor kurzem vorgerechnet, dass der Freistaat die jährlichen Kosten für die Gedenkstätten auf zehn Millionen Euro verdoppeln müsste. Vor dem Hintergrund des lauter werdenden Rechtsextremismus und Antisemitismus sollte es das auch der CSU wert sein.

Wenn nun die Gedenkstätten zum Jahreswechsel ein neues Modell einführen, wäre das ein guter Anlass, um die staatlichen Zuschüsse endlich zu erhöhen.