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"Klingendes Schwabhausen":Spiel mir das Lied vom Elvis

Klingendes Schwabhausen

Barbara Sauter und Richard Wiedl brillieren in einer ironisch-burlesken Version des Nibelungen-Themas von Oscar Straus.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Theaterverein Schwabhausen feiert sein 50-jähriges Bestehen mit einer musikalischen Zeitreise in sein Gründungsjahr 1969

Ein großen runden Geburtstag kann heuer der Theaterverein Schwabhausen feiern: Vor 50 Jahren, 1969, wurde er gegründet und hat sich seither nicht nur mit unzähligen Aufführungen seinem Publikum präsentiert, sondern immer wieder auch jungen Nachwuchs für das Spiel auf der Bühne begeistern können. Ein solches Jubiläum muss gebührend gefeiert werden, und das haben die Schwabhauser Theaterleute am Samstag mit einer großen Musikgala im Gasthof zur Post getan. Unter dem Motto "Klingendes Schwabhausen" sangen und musizierten der Buffo-Tenor Richard Wiedl mit seiner kongenialen Bühnenpartnerin Barbara Sauter, instrumental begleitet von Anna Nam am E-Piano, Pamela Rachel an der Violine und Maximilian Müller am Schlagzeug. Als Gast war George V. Humphrey mit nach Schwabhausen gekommen, Heldentenor und Ensemblemitglied der Tiroler Festspiele in Erl.

Die Veranstaltung "Klingendes Schwabhausen" hat Tradition im Ort: Es gibt sie alle zwei Jahre, seit Elisabeth Kappes 2005 die Idee hatte, die Finanzen des Vereins mit einer Benefizgala aufzubessern und Richard Wiedl dafür gewinnen konnte. Kappes, damals Leiterin der Theatergruppe und damit Vorgängerin des heutigen Vorstands Andreas Gareis, ist mit der Familie Wiedl freundschaftlich verbunden; zusammen mit ihrem Mann Josef Kappes ist sie bayernweit als Managerin der Sängerin und Schwester von Richard Wiedl, Angela Wiedl, tätig. Richard Wiedl wirkt in der Konzertreihe "Klingendes Schwabhausen" nicht nur als Sänger mit, sondern auch als Komponist, Ideengeber, Programmgestalter und als Moderator, der das Publikum bestens unterhalten kann.

Diesmal sollte sich alles um das Gründungsjahr der Theatergruppe drehen. 1969 muss ein Jahr der musikalischen Höhepunkte gewesen sein - egal, ob man es unter dem Vorzeichen klassischer musikalischer Ereignisse betrachtet oder unter dem der profanen Unterhaltungsmusik. 1969 war beispielsweise die große Neuinszenierung des "Rings der Nibelungen" in München unter Günter Rennert - für Richard Wiedl gleich das richtige Stichwort für den Einstieg ins Programm. George Humphrey präsentierte sich passend zu diesem Datum mit einer Arie des Siegmund aus der "Walküre": machtvolle Klänge, wie man sie in der "Post" von Schwabhausen wohl nur selten zu hören bekommt. Barbara Sauter und Richard Wiedl brillierten anschließend mit schönen Stimmen und schauspielerischem Talent in einer ironisch-burlesken Version des Nibelungen-Themas von Oscar Straus.

Ob Carl Millöckers Operette "Gasperone" oder die Oper Mahagonny" von Kurt Weill und Bert Brecht, ob Melodien aus Paul Linkes "Frau Luna" oder der "Mann von La Mancha", Songs aus dem Musical "Funny Girl" oder die großartigen, von Ennio Morricone komponierten und von Wiedl auf dem Akkordeon und Barbara Sauter stimmlich, ohne Text intonierten Klänge aus dem Westernklassiker "Spiel mir das Lied vom Tod": Kaum ein musikalisches Highlight des Jahres 1969, das die beiden Solisten nicht in ihre musikalische Zeitreise aufgenommen und auf ihre Weise interpretiert hätten. Selbst der Titelsong aus "Easy Rider", "Born to be Wild", durfte nicht fehlen - vorgetragen von einem mit grauer Zottelfrisur anstatt wie vorher mit Frack ausgestatteten Wiedl.

Der zweite Teil des Abends war allen jenen Ohrwürmern gewidmet, die damals, vor 50 Jahren, die deutschen oder auch die internationalen Charts beherrschten. Hits von Heino und Heintje gehören hier dazu, von Peter Alexander, Adriano Celentano oder Caterina Valente, vieles sentimental, manches auch heute noch beeindruckend wie etwa Elvis Presleys "In the Ghetto". Mit der leidenschaftlich vorgetragenen "Ballade of John and Yoko" von den Beatles stand George Humphrey ein weiteres Mal auf der Bühne. Und weil das Fach des Buffo-Tenors natürlich auch zu lockeren Einschüben und humorvollen Programmwechseln verpflichtet, durfte sich das Publikum über die mit Blümchenkleid und offenem Hawaii-Hemd verkleideten Hippies aus "Hair" amüsieren oder beim Skandal-Song "Je t'aime... moi non plus" von Jane Birkin und Serge Gainsborough herzlich lachen.

Und da 1969 auch das Jahr war, in dem erstmals eine Frau als Trambahnfahrerin in München eingesetzt wurde, gab es als Zugabe das großartige, sehr münchnerische Lied des Weiß Ferdl von der "Linie 8" zu hören - von Richard Wiedl mit allen köstlichen Stimmvariationen der Trambahninsassen und des Schaffners höchst originalgetreu interpretiert.