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Klimaschutz in Altomünster:Vorbildern nacheifern

Bei einer Veranstaltung der Nachhaltigkeitsgruppe "Plan A" informieren sich die Teilnehmer über kommunalen Klimaschutz

Von Horst Kramer, Altomünster

Vernetzung ist wichtig. Gerade in Zeiten weltweiter Krisen. So lautet ein Credo der Altomünsterer Nachhaltigkeitsgruppe "Plan A". Wie wichtig, wurde bei ihrer vergangenen Zoom-Veranstaltung klar. Der Titel lautete: "Nachhaltigkeit und Klimaschutz am Beispiel von Pfaffenhofen/Ilm". Am Ende des Abends gestand Hubert Güntner (FWG), Vizebürgermeister der Marktgemeinde und ein Kreisrat: "Ich wusste gar nicht, was Ihr alles in Pfaffenhofen so macht."

Raymund Gürtner, Klimaschutz-Experte im Pfaffenhofener Rathaus, hatte zuvor eine knappe Stunde über die einschlägigen Aktivitäten der 27 000-Einwohner-Kommune referiert, unter dem mutmachenden Motto: "Regionale Handlungsspielräume nutzen!" Rund sechzig Personen verfolgten seinen Vortrag, darunter der Schwabhausener Bürgermeister Wolfgang Hörl (BBA/FW), der sich zuletzt beim Thema "Tiny Houses" zugeschaltet hatte. Er wie auch viele andere kommunalpolitisch Aktive lernten eine Stadt kennen, die sich schon vor rund einem Jahrzehnt auf den Weg in Richtung CO₂-Neutralität begeben hat.

So leistet sich Pfaffenhofen seit dem vergangenen Jahr ein kostenloses ÖPNV-Netz und baut zudem sein E-Mobil-Sharing-Angebot und Ladestellen-Netz zügig aus. Schon im kommenden Jahr will die Kommune 100 Prozent des gesamten im Stadtbereich genutzten Stroms aus Erneuerbaren Energien produzieren (2019 waren es 73 Prozent). Mit 100 Landwirten wurde eine ökologische Bodenallianz geschlossen, auch mit Bauern aus Nachbargemeinden. Plastikfreies Einkaufen wird am Wochenmarkt schon praktiziert.

Das Großziel lautet: Bis 2030 will die Stadt den CO₂-Fußabdruck aller Einwohner auf drei Tonnen CO₂ reduziert haben - 2018 betrug der Abdruck zirka fünf Tonnen. Zum Vergleich: Die Bundesrepublik hat sich als Ziel sechs Tonnen pro Kopf auf die Fahnen für 2030 geschrieben, 2018 waren es laut Gürtner 8,7 Tonnen. Der Pfaffenhofener machte drei Faktoren für den Erfolg seiner Heimatstadt verantwortlich: Mut und Hartnäckigkeit so wie viele engagierte Bürgerinnen und Bürger.

Zwei Großprojekte geht die Kreisstadt derzeit an: die Errichtung dreier Windkraftanlagen im städtischen Forst und den Bau einer Power-to-Gas-Anlage, die überschüssigen Sonnen- und Windstrom in Methan verwandelt, das bei Bedarf in zwei neuen Blockheizkraftwerken Wärme und Strom liefert. Beiden Vorhaben gingen indes jahrelange Auseinandersetzungen voraus, wie Gürtner andeutete, unter anderem mit Bund und Land. Ein weiterer wichtiger Faktor: ständige Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern, mit der Bereitschaft, eigene Fehler einzugestehen und die eigenen Planungen zu ändern.

Ein großer Trumpf der Stadt, so der Rathausmitarbeiter: ein jährliches Budget von rund 300 000 Euro (zusätzlich zu Projekt- und Fördergeldern) sowie dreieinhalb Stellen im Rathaus. Altomünsters Vizebürgermeister Güntner konnte dabei nur mit den Schultern zucken - der Marktgemeinde mangelt es an Mitteln und Rathauspersonal. "Wir müssen unseren eigenen Weg gehen", kleidete Güntner seine Analyse in eine griffige Formel. Er nahm die Bevölkerung in die Pflicht: "Wir sind sehr auf engagierte Bürgerinnen und Bürger angewiesen." Er dankte in diesem Zusammenhang den Plan-A-Initiatoren für ihren bisherigen Einsatz.

Ein halbes Dutzend Marktgemeinderätinnen und -räte verfolgten den Vortrag und diskutierten im Anschluss mit, darunter der Dritte Bürgermeister Josef Riedlberger, die Hohenzellerin Martina Englmann (beide CSU) oder auch Kreisrat Josef Wiedmann (FWG). Aus Aichach waren die Grünen-Stadtratsmitglieder Marion Zott und Josh Stadlmaier zugeschaltet, aus Odelzhausen Gemeinderat Edgar Hiller (FW). Vierkirchen war durch die beiden Bund Naturschutz-Aktivistinnen Sabine Gerhardus und Anita Penkert vertreten.

Plan-A-Initiator Florian Hörmann zog abschließend ein positives Fazit und kündigte die nächste Veranstaltung an: Ein Zoom-Vortrag, den er selber am 19. Mai ab 19 Uhr halten wird. Hörmanns Thema: "Klimakrise - Time is running out".

Mehr unter www.plana-altomuenster.de

© SZ vom 12.04.2021
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