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Verkehrspolitik:Wachsender Widerstand

Nach dem SPD-Ortsverein spricht sich nun auch Karlsfelds CSU-Vorsitzender Bernhard Gaigl ganz klar gegen eine Nordostumfahrung von Dachau aus. Er fordert eine "sinnvolle Neuplanung" des Verkehrskonzepts

Während die vom Durchgangsverkehr schwer belastete Gemeinde Hebertshausen immer nachdrücklicher auf den Bau der Dachauer Nordostumfahrung drängt, wächst in der noch stärker belasteten Gemeinde Karlsfeld der Widerstand gegen das Verkehrsprojekt. Nach dem SPD-Ortsverein Karlsfeld hat sich nun auch der CSU-Ortsverband dezidiert gegen die Umfahrung ausgesprochen. Das hat mit der geografischen Lage der Gemeinde zu tun. Karlsfeld ist der Flaschenhals, durch den sich der wachsende Pendlerverkehr des Landkreises zwängt. Im zentralen Abschnitt der Münchner fahren täglich 45 000 Fahrzeuge. Und durch den anhaltenden Zuzug verschärft sich die Situation zusehends.

"Keine Gemeinde im Landkreis erstickt so im Verkehr wie wir", klagt CSU-Ortsverbandschef Bernhard Gaigl. Mit der Nordostumfahrung ziehe Karlsfeld "nur noch weiter Verkehr an. Das kann man nur ablehnen". Dem stünden nur minimale Vorteile für Dachau gegenüber: Prognosen rechnen mit einer Verringerung des Durchgangsverkehrs von 3,7 bis 10 Prozent. "Warum will man überhaupt so eine Straße bauen, wenn die Entlastung so gering ist?

Die Kritik aus Karlsfeld ist nicht neu, aber bislang fiel sie weder so grundsätzlich noch so scharf aus. Nach wie vor gilt ein Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, wonach Karlsfeld sich mit dem Vorhaben sogar einverstanden erklärt, allerdings unter der Voraussetzung, dass der Verkehr möglichst weit im Osten auf der B471 wieder eingeschleift wird und damit möglichst wenig Verkehr über die Bajuwarenstraße nach Karlsfeld schwappt. Gaigl sieht aber auch bei diesem Szenario eine inakzeptable Mehrbelastung auf die Karlsfelder zukommen. "Über die Nordostumfahrung soll ja auch das Dachauer Gewerbegebiet besser angeschlossen werden" - und dazu müsse es auch eine Anschlussstelle westlich der Bajuwarenstraße geben. Das Einfallstor für den Schleichverkehr durch Karlsfeld stünde damit wieder offen. Hinzu kommt, dass die Stadt Dachau die Kosten auf den Landkreis abwälzen will, der seine Mittel aus der Kreisumlage der Gemeinden bezieht. "Es kann doch nicht sein, dass wir sagen, wir müssen den Verkehr raus aus Karlsfeld bringen und dann bezuschussen wir ihn auch noch", sagt Gaigl. Im Oktober wollen die Karlsfelder im CSU-Kreisverband in eine kritische Diskussion über die Nordostumfahrung einsteigen. Auch mit der Fraktion will sich die örtliche Partei noch enger abstimmen. "Wir sind nicht so weit auseinander", sagt der Parteichef, "aber der Ortsverband vertritt eine schärfere Haltung als die Fraktion". Diese soll nach Gaigls Wunsch auch in das Ergebnis der Arbeitsgruppe zum Verkehr einfließen, die nach den Sommerferien ihre Arbeit aufnimmt. Auf einen neuen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats will er allerdings nicht drängen.

Bernhard Gaigl will in Karlsfeld nicht noch mehr Verkehr haben.

(Foto: Jørgensen)

Aus den Reihen der CSU-Fraktion hat Verkehrsreferent und CSU-Fraktionssprecher Bernd Wanka seine Bedenken bislang am deutlichsten artikuliert: Wenn es nicht gelinge, die Autobahnanschlussstelle der A 92 Oberschleißheim kreuzungsfrei auszubauen und damit leistungsfähiger zu machen, sagte er der SZ, werde die Nordostumfahrung "ein Rohrkrepierer".

Bernhard Gaigl geht in seiner Kritik noch weiter. Er hält die derzeitige Rahmenplanung für völlig unzureichend und fordert "eine sinnvolle Neuplanung", bei der unbedingt auch die Landeshauptstadt München miteingebunden werden müsse. "Wir bräuchten einen neuen Autobahnanschluss", sagt Gaigl. Dieser könnte beispielsweise auf einer nach Süden verlängerten A 92 entstehen, die den Verkehr schneller nach München führt - und den Flaschenhals Karlsfeld ausspart. "Wenn man schon durch Naturschutzgebiet baut, sollte man sich die Route sehr genau überlegen", argumentiert er.

Mit dem Dachauer Verkehrsprojekt Nordostumfahrung erlebt auch die Idee eines Karlsfelder Tunnels eine Renaissance. Zwischenzeitlich hatte die CSU das seit mehr als 20 Jahren diskutierte Projekt schon aufgegeben. Nun könnte es wieder im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden. "Da müssen wir in Zukunft wieder stärker hinterher sein", sagt Gaigl. Der Tunnel wäre für Karlsfelds Verkehrsproblem "zumindest eine Teillösung". Gaigl hält aber auch eine Verbesserung des Personennahverkehrs für unabdingbar, etwa eine Verlängerung der U-Bahn U 2 von Feldmoching über Karlsfeld bis nach Dachau, aber auch eine, wie er meint, längst überfällige Reform des MVV-Tarifzonensystems, das Pendler aus dem Umland stark benachteiligt.