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Neues Gewerbegebiet:Karlsfeld will Grünzug verkleinern

Eine Skizze des geplanten Gewerbegebietes südlich der Schleißheimer Straße in Karlsfeld.

(Foto: Gemeinde Karlsfeld)

Auf einer Naturfläche südlich der Schleißheimer Straße soll ein Gewerbegebiet entstehen. Die Gemeinde will nach jahrelangen Streits einen Bebauungsplan auf den Weg bringen.

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Nach jahrelangen Streits will die Gemeinde Karlsfeld jetzt das geplante Gewerbegebiet an der Schleißheimer- Ecke Bajuwarenstraße vorantreiben. Der Flächennutzungsplan ist seit Dezember 2019 entsprechend geändert. Nun soll ein Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden, damit sich schon bald Firmen dort ansiedeln können. 7,2 Hektar sollen dafür zur Verfügung stehen. Auf dem östlichen Areal bis zum Saubach stellt man sich einen Grünzug zur Naherholung vor. 14 Hektar soll dieser umfassen. So sieht es jedenfalls das Konzept der Landschaftsarchitekten vom Büro Topos vor. Das Büro gibt es nun nicht mehr, dennoch will man an dem Entwurf als Planungsgrundlage festhalten, das hat eine Mehrheit des Gemeinderats beschlossen.

Auch wenn die meisten Gemeinderäte die relativ kleinteilige Skizze von Topos als "geeignet und gut" empfanden, so prophezeite Bernd Wanka (CSU) schon jetzt: "Die Geschichte zu dem Gebiet wird viel Planung und Abwägung nach sich ziehen." Ein kleiner Vorgeschmack darauf zeichnete sich in der Sitzung ab.

"Es ist ein besonders problematisches Gebiet"

Vor etwa zehn Jahren sprachen sich die Karlsfelder in einem Ratsbegehren gegen ein Gewerbegebiet an dieser Stelle aus. Der Grund: Der Grünzug zwischen Dachau und Karlsfeld sollte nicht weiter zersiedelt und damit verkleinert werden. Er dient der Kaltluftentstehung und der Schadstofffilterung sowohl für Dachau als auch für Karlsfeld und München. Der Bund Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) sowie die Bürgerinitiative Grünzug Karlsfeld und Dachau kämpfen noch heute vehement dafür. Bei der Suche nach einem neuen Standort fürs Gewerbe vor ungefähr sechs Jahren kam man im Dialog mit den Bürgern jedoch trotz aller Bedenken wieder auf diese Stelle zurück. Allerdings soll das Gewerbegebiet nun deutlich kleiner werden. Und die Gemeinde Karlsfeld hat inzwischen mehrere Flächen rund herum im Flächennutzungsplan unter Landschaftsschutz gestellt, auch um das Dachauer Moos aufzuwerten. Trotzdem sind die Stimmen der Kritiker keineswegs verstummt.

"Als Umweltreferentin muss ich das ablehnen. Es ist ein besonders problematisches Gebiet", erklärte Mechthild Hofner (Bündnis). "Die Siedlungstrennung zu Dachau ist nötig." Damit bleibt sie ihrer Linie treu. Auch Marko Brandstetter ist gegen die Aufstellung eines Bebauungsplans. Die Grünen, die bis jetzt in dieser Debatte keine Rolle gespielt hatten, weil sie nicht im Gemeinderat vertreten waren und auch lange Zeit nicht als Partei in Karlsfeld existierten, sprangen den beiden zur Seite. Heike Miebach und Cornelia Haberstumpf-Göres stimmten ebenfalls gegen das Vorhaben. "Wäre ,Fridays for Future' damals schon aktiv gewesen, wäre das heute nicht Thema", meinte Hofner.

Doch die andere Seite der Medaille gibt es auch. Und das ist die finanzielle Situation Karlsfelds. Der Neubau der Grundschule an der Krenmoosstraße hat alle Rücklagen aufgebraucht und einen riesigen Schuldenberg zur Folge. Ende des Jahres wird er auf etwa 27 Millionen Euro angewachsen sein. Die Corona-Krise verschärft die Situation noch weiter. Die Kommune hat kaum noch Handlungsspielraum. Neue und mehr Gewerbesteuerzahler sind da sehr willkommen. Zudem warnte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) schon im Dezember 2019, dass manch eine Firma expandieren wolle. Wenn man ihnen die Möglichkeit nicht gebe, würden sie abwandern, was die Gewerbesteuern deutlich schmälern würde. Schon allein deshalb drängt er und seine Partei sowie die SPD auf eine baldige Realisierung des geplanten Gewerbegebiets. Die Verwaltung soll nun ein Planungsbüro finden, dass das Konzept von Topos weiterentwickelt.

© SZ vom 13.11.2020
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