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Karlsfeld:"Man soll es mit dem Training nicht übertreiben"

Norbert Röhrle beim Speerwurf im Münchner Dantestadion.

(Foto: privat)

Der ehemalige Juniorensieger Norbert Röhrle beginnt im Alter wieder mit dem Speerwurf - und wird mit 73 Vizeweltmeister

- Auch im Alter kann man noch sportlich aktiv und vor allem sehr erfolgreich sein. Ein gutes Beispiel dafür ist Norbert Röhrle. Der 73-jährige Mann aus Karlsfeld wurde in diesem Jahr in Lyon Vizeweltmeister im Speerwurf seiner Altersklasse mit einem Wurf von 40,53 Metern. Auch den Titel "Deutscher Seniorenmeister im Speerwurf" konnte der Karlsfelder nun schon zweimal für sich entscheiden.

SZ: Wie wurden Sie Leichtathlet?

Norbert Röhrle: Ich habe im Schulsport damit angefangen, da war ich ungefähr 13 Jahre alt. Ich kam das erste Mal mit dem Speerwerfen in Kontakt, nachdem ich mehr als 107 Meter mit dem Schlagball geworfen hatte. Ich habe immer weiter trainiert, bis ich dann 1960 bayerischer Jugendmeister und im Jahr 1962 Juniorenmeister wurde. Ich habe vielleicht noch zwei oder drei Jahre weitergemacht, doch als ich dann anfing zu studieren, hatte ich die Zeit nicht mehr. Wenn man so einen neuen Lebensabschnitt beginnt, setzt man ja auch andere Prioritäten. Ich habe aber weiterhin alle möglichen Sportarten mit der Familie betrieben.

Wieso fingen Sie nach so einer langen Pause wieder an?

Vor drei Jahren traf ich auf einer Ägyptenreise einen Leichtathleten, der noch älter ist als ich. Er hat davon berichtet, dass er beim Seniorensport aktiv ist. Ich sollte doch wieder anfangen. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir am Roten Meer standen, Steine warfen und miteinander sprachen. Irgendwie hat mich das Gespräch dazu gebracht, wieder mit dem Werfen anzufangen.

Mussten Sie Ihr Leben stark umstellen, um wieder in Form zu kommen?

Nicht wirklich. Ich hatte 2012 einen Herzanfall erlitten, war in Reha, musste meine Ernährung umstellen. Gesünder zu leben, stand also schon bevor ich wieder mit dem Training anfing auf meiner Agenda. Aber natürlich habe ich mehr Sport gemacht. Langsam habe ich mit den Gymnastik-, Dehn- und Kraftübungen begonnen.

Waren Sie auch manchmal enttäuscht, weil nicht mehr alles so gut lief wie früher?

Natürlich ist es anders, wenn man noch jünger ist. Aber darauf muss man sich eben einstellen. Man kann nicht erwarten, dass man mit 73 Jahren noch so fit ist wie mit 20. Wenn man nach einer Trainingseinheit Schmerzen hat, in Muskeln oder Gelenken, muss man eben ein paar Tage Pause machen. Auf das, was der Körper mitteilt, muss man eingehen.

Wie konnten Sie nach so einer kurzen Trainingsphase solche Erfolge erzielen?

Man muss immer berücksichtigen, dass die Seniorenklasse ein relativ begrenztes Teilnehmerfeld hat. Also ist es leichter, da noch in der Spitzengruppe mitzuwerfen. Auch mich wieder in Form zu bringen, funktionierte schneller als gedacht. Vermutlich weil ich mich immer körperlich betätigt habe, fiel es mir nicht so schwer.

Wollen Sie noch lange an Wettbewerben teilnehmen oder ziehen Sie einen Schlussstrich?

Ich möchte auf jeden Fall nächstes Jahr noch an der Europa- und der Weltmeisterschaft teilnehmen. Da noch Siege zu erringen, wäre sehr schön. Aber danach werde ich bestimmt ein bisschen weniger trainieren. Ich kenne viele Senioren, die noch viel älter sind als ich und ihr Training übertreiben. Das ist schlecht. Viele haben deshalb Probleme, die Gelenke und Sehnen sind einfach zu anfällig für Verletzungen. Und ich habe ja auch noch andere Lebensinhalte und andere Dinge, die mich glücklich machen. Auch ohne den Speerwurf bin ich mit meinem Leben zufrieden.