bedeckt München 20°

Kampf gegen Stau und Abgase:Lauter Luftnummern

Staus auf der Münchner Straße in Karlsfeld gehören zum Alltag der Pendler. Dort zwängt sich fast der gesamte Verkehr zu den Großbetrieben MAN und MTU und weiter in die Landeshauptstadt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Wenn Dachau und Karlsfeld nicht im Autoverkehr ersticken sollen, muss endlich gehandelt werden. Bislang hat sich in Stadt und Landkreis zu wenig getan, um Pendler zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen.

"Viele Lösungen scheinen zu spät zu kommen. Etwa eine Debatte über einen weiteren S-Bahn-Halt Breitenau, der in Dachau und Karlsfeld die Straßen entlasten soll. Die Bahn hat noch nicht einmal angefangen, darüber nachzudenken." Das ist ein Zitat aus einem Artikel vom Januar 2018, doch es gilt ohne Abstriche zwölf Monate später immer noch.

So gut wie nichts hat sich in Stadt und Landkreis Dachau seither getan, um Pendler zum Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zu bewegen. Im Gegenteil: Beispielsweise wird die Stadt Dachau auf Antrag der CSU mit einem Parkhaus für 600 Pkw weiteren Autoverkehr an den Bahnhof locken. Auch wird ständig diskutiert über neue Umgehungsstraßen, um den Autoverkehr flüssiger zu machen, daher bleiben alle Bekenntnisse zur Förderung des ÖPNVs, zur Entlastung von Straßen, zur Reduzierung der Luftverschmutzung und Ideen für einen S-Bahn-Nordring, Schnellbusse oder Fahrradstraßen reine Luftnummern.

Flaschenhals Karlsfeld

So lange ein flächendeckender ÖPNV bloßer Wunschtraum ist, ist natürlich die Vielzahl von Gedankenspielen für Umgehungsstraßen um manche Landkreisgemeinden oder die Stadt im Einzelfall sinnvoll und notwendig, doch haben alle diese potenziellen Pläne einen Haken. Egal, ob die Trassen im Westen oder im Osten um die Stadt führen, sie werden kaum Entlastung für Dachau und schon gar nicht für den "Flaschenhals" Karlsfeld bringen, durch den sich fast der gesamte Verkehr zu den Großbetrieben MAN und MTU und weiter in die Landeshauptstadt zwängen muss. Das zeigte sich erst kürzlich wieder in einem "Bürgerdialog" zum Gesamtverkehrskonzept des Landkreises.

Neue Straßen bringen mehr Verkehr, sagen viele Experten. Das heißt, wenn der Verkehr durch Umgehungen im Hinterland schneller und flüssiger wird, dürften möglicherweise bisherige S-Bahn-Nutzer, die mit der momentanen Situation mit ihren ständigen Verspätungen, Störungen und Ausfällen zu Recht unzufrieden sind, aufs Auto umsteigen. Die Stau-Situation in Karlsfeld würde sich dann verschlimmern, denn auf den Tunnel unter der B 304 durch den Ort kann man wohl noch lange warten. Er steht zwar erneut im Bundesverkehrswegeplan, aber aus dem ist er schon einmal herausgeflogen.

Den Ist-Zustand erhalten

Für Landrat Stefan Löwl (CSU) ist es schon ein notwendiges Ziel des Straßenausbaus, den Ist-Zustand auf den Straßen zu erhalten und einer Überlastung entgegenzusteuern. Daher hat der Landkreis sich schließlich bereit erklärt, 830 000 Euro der Planungskosten für eine verkürzte Nordumfahrung um Dachau zu übernehmen, um das Straßenbauprojekt zu beschleunigen. Löwl betonte beim "Bürgerdialog" aber zugleich, dass neben dem Straßenausbau natürlich die Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs geprüft werden müssten.

Gedanken dazu haben sich Politiker der CSU - nicht nur aus Stadt und Landkreis - im Sommer im Bierzelt des Dachauer Volksfestes gemacht. Im Festzelt haben Vertreter der CSU-Fraktionen des Münchener und Dachauer Stadtrats, des Gemeinderats Karlsfeld, des Kreistags und Landtags beschlossen, eine gemeinsame Machbarkeitsstudie für eine ÖPNV-Anbindung von Karlsfeld und Dachau in den Münchner Norden, beispielsweise zur U-Bahn-Station Moosach, auf den Weg zu bringen. Dazu wollen sie, wie sie am Biertisch vereinbarten, jeweils in ihren Gremien einen gemeinsamen Antrag stellen. Bisher gibt es von Dachau nur eine Busverbindung nach Moosach. Die CSU-Politiker denken für die Zukunft an eine Tram oder U-Bahn. Zudem fordern sie einen S-Bahn-Nordring. Über solche Pläne wird allerdings - teilweise - schon seit Jahrzehnten geredet, jetzt müsste gehandelt werden, denn Dachau und Karlsfeld ersticken im Verkehr.

  • Themen in diesem Artikel: