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Jugendliche in Altomünster:Freunde treffen in der digitalen Welt

JUZ Altomünster

Die zwölfjährige Mila zeigt die Würfel des Fantasy-Online-Brettspiels, das sich das Altomünsterer JUZ-Team ausgedacht und realisiert hat.

(Foto: Horst Kramer)

Das JUZ Altomünster hat eine Online-Plattform entwickelt, auf der man spielen, chatten und bald auch lernen kann. Die Jugendlichen sind begeistert

"Abstand halten, achtet auf die Abstände!" Eigentlich wollte Marlon Köhler, Leiter des Altomünsterer Jugendzentrums (JUZ), der SZ Dachau die neue Spieleplattform seiner Einrichtung in einem Vier-Augen-Gespräch erklären, direkt an Ort und Stelle, um das gesamte Equipment demonstrieren zu können. Doch seine ehrenamtlichen Mitstreiter - vier junge Männer im Alter zwischen 16 und 23 Jahren - sowie zwei regelmäßige JUZ-Besucherinnen wollten unbedingt mit dabei sein. "Natürlich haben wir die Erlaubnis unserer Eltern", beteuern Mila, zwölf, und ihre Freundin, Florentina, elf, unisono. Trotz der Zwei-Meter-Distanz, in der sie voneinander entfernt sitzen. Köhler nickt, der 46-Jährige kennt die Eltern.

Die beiden Mädchen gehören zu einer Gruppe von gegenwärtig zehn Teenagern, die mehrmals in der Woche zu Hause über einem Spielbrett brüten, auf dem sich verschiedenste Fantasy-Spielfiguren tummeln. Darunter Zauberer, Elfen und Orks, seltsame Tiere und allerlei magische Objekte. Verschiedenste Würfel und Ereigniskarten gehören ebenfalls zur Ausstattung. "Es handelt sich um ein Brettspiel mit Harry-Potter- und Herr-der-Ringe-Elementen", erklärt der JUZ-Leiter. "Wir haben es ins Internet transponiert, damit die Kids auch in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen in Kontakt bleiben können."

Seine Mitstreiter sind Alexander Dullinger, 21, ein Biologie- und Chemie-Lehramtsstudent, Max Rutz, 23, ein gelernter Koch, der derzeit auf Heilerziehungspfleger umsattelt, sowie der FOS-Schüler Simon Mederer, 16. Die drei jungen Männer, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Altomünsterer JUZ engagieren, sind begeisterte Brettspiele-Fans.

Brettspiele - von "Mensch ärgere Dich nicht" bis zu aktuellen Fantasy-Games - sind seit Jahren ein Renner in der Jugendeinrichtung. Schon in der "Old School" - der frühere Jugendtreff in der Schultreppe 4 - hatte Köhler einen eigenen Raum dafür ausgestattet; im neuen JUZ am Bahnhof führt er die Tradition fort. Seine pädagogische Begründung: "Beim Spielen lernt man das soziale Miteinander. Bei Brettspielen viel besser als vor dem PC."

Als die Corona-Krise sich abzeichnete und eine Schließung des Altomünsterer JUZ näher rückte, machten sich Köhler und sein Trio Gedanken, was sie für ihre Schützlinge tun könnten. Daraus entstand die Idee eines Online-Spiels. Rutz und Mederer testeten verschiedene Kommunikationsplattformen aus, bis sie sich schließlich auf die Streaming-Plattform "Twitch" sowie "Skype" zum Chatten einigten. Die jugendliche Spielerinnen und Spieler benötigen zu Hause somit neben dem Smartphone für die Kommunikation noch ein zweites Endgerät, auf dem das Spielfeld des Spielleiters zu sehen ist.

Die Konstellation klingt kompliziert, doch scheint sie hervorragend zu klappen, wie alle Beteiligten erzählen. "Wir sind voll begeistert, dass wir uns regelmäßig wieder sehen können", erklärt Mila. Florentina stimmt zu: "Cool, dass wir miteinander spielen und reden können. Die letzten Wochen waren schon ziemlich langweilig."

Nicht nur Kinder und Jugendliche sind froh über diese Abwechslung, sondern auch die Eltern, wie Köhler berichtet: "Ich habe nur positive Rückmeldungen erhalten. Für zwei bis drei Stunden am Tag sind ihre Kinder beschäftigt und haben Spaß. Und die Eltern wissen, dass ihr Nachwuchs bei uns in guten Händen ist."

In der kommenden Woche soll eine zweite Gruppe an den Start gehen. Alle Teilnehmer erhalten ein Päckchen vom JUZ-Team mit den benötigten Materialien. Das Altomünsterer Rathaus unterstütze die Spielaktion übrigens mit einem Zuschuss für deren Beschaffung, hebt Köhler hervor. Seine Helfer arbeiten derweil schon an einem neuen Online-Brettspiel. Worum es dabei genau geht, wollen sie jedoch noch nicht verraten.

Dullinger hatte eine weitere Idee: Der angehende Gymnasiallehrer möchte die Plattform für ein Online-Tutoring-Angebot nutzen. Er konnte schon einige Kommilitonen für das Projekt gewinnen, vornehmlich aus naturwissenschaftlichen Fächern. "Wir können und wollen keinen Unterricht ersetzen", stellt Dullinger klar. Das Tutoring-Team wolle auch nicht mit den Nachhilfeanbietern konkurrieren, zumal das Angebot kostenfrei sein wird. Weitere Mitstreiter seien erwünscht.

Eine Kontaktaufnahme zum Spieleteam des JUZ sowie zu den künftigen Tutoring-Kursen ist möglich über die E-Mail-Adresse des Jugendzentrums: juzalto@gmx.de.

© SZ vom 15.04.2020

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