Jubiläumskonzert in Dachau:Gotteslob von lyrischer Schönheit

Schubert-Messe

Kirchenmusikerin Irmgard Reichl setzt mit ihrem letzten Konzert in Heilig Kreuz einen eindrucksvollen Schlusspunkt.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Der "Förderverein Kirchenmusik Heilig Kreuz" feiert sein 30-jähriges Bestehen mit einer glanzvollen Schubert-Messe

Von Adolf Karl Gottwald, Dachau

Die Kirchenmusik an der Dachauer Pfarrkirche Heilig Kreuz hat einen sehr guten Ruf. Hier wird noch das klassische katholische Repertoire mit Orchestermessen und Offertorien von Joseph Haydn, Mozart und Schubert sowie kleineren Meistern vorwiegend aus österreichischer und bayerischer Tradition gepflegt. Vom Kirchenvolk, aber auch vom Dachauer Konzertpublikum, wird das geschätzt, der Zuspruch ist vor allem zu den Konzertveranstaltungen sehr beachtlich. Beim jetzigen Konzert, mit dem "30 Jahre Förderverein Kirchenmusik Heilig Kreuz" gefeiert wurde, war die Kirche wieder absolut voll, und das Programm war für die Kirchenmusikpflege in Heilig Kreuz typisch.

Im Mittelpunkt stand die Messe in B-Dur von Franz Schubert. Diese 3. Messe Franz Schuberts steht in der Mitte zwischen den beiden sehr großen Messen in As-Dur und Es-Dur, die nur den wirklich großen Chorvereinigungen zugänglich sind, und der verhältnismäßig leichten Messe in G-Dur, die auch kleinere Kirchenchöre aufführen können. Diese Mitte ist exakt der Ort der Kirchenmusik in Heilig Kreuz, und diese Mitte ist in der katholischen Kirchenmusik, nicht zuletzt bei Franz Schubert recht hoch.

Als die Pfarrkirche in Wien-Lichtental ihr 100-jähriges Bestehen feierte, gab sie dem damals 17-jährigen Franz Schubert den Auftrag zur Komposition einer Festmesse. Sie fiel glänzend aus, und die nur ein Jahr später komponierte Messe in B-Dur hat noch viel von diesem Glanz. Schubert verlangt ein auch mit Bläsern stark besetztes Orchester, einen tüchtigen vierstimmigen Chor, der auch hohe Lagen nicht scheut, und ein Solistenquartett, bei dem der Sopranstimme die größten und schönsten Aufgaben zufallen. Irmgard Reichl, die langjährige Kirchenmusikerin in Heilig Kreuz, hat das alles in erstaunlich guter Qualität. Der Solo-Sopran in Franz Schuberts heimatlicher Pfarrkirche in Lichtental war Schubers Freundin Therese Grob, deren Stimme noch über das legendäre Hohe C hinaufreichte. Den sehr schönen, aber auch sehr anspruchsvollen Part, den ihr Franz Schubert in dieser Messe zugedacht hat, durfte jetzt Anna Maria Bogner singen, die mit ihrer schönen und großen lyrischen Stimme dafür bestens geeignet ist. Die Stimme für den Solopart in dieser Messe muss nicht nur schön, sondern auch groß sein; denn sie muss oft den starken Chor und das große Orchester überstrahlen.

Irmgard Reichl führte die Messe ganz im Sinn der noch bei Schubert gültigen Forderungen an die Kirchenmusik auf, die ihren Beitrag zum Gotteslob vor allem in größter Entfaltung von Klangpracht sah. Anna Maria Bogner stellte sich als ideale Sängerin für geistliche Musik der klassischen Zeit mit einem "Jubilate Deo" für Sopran solo, Chor und Orchester von Franz Danzi vor. Es gehört zu den großen Verdiensten von Irmgard Reichl um die Dachauer Kirchenmusik, fast in jedem Konzert ein unbekanntes oder ein in Vergessenheit geratenes Standardwerk der klassischen Kirchenmusik wieder aufzuführen.

Eine Rarität im Kirchenkonzert ist auch der Psalm 150 für gemischten Chor, Orgel und Orchester von Cesar Franck, mit dem Irmgard Reichl ihr Konzert hinreißend schön und feierlich beendete. Die Kirchenmusik in Heilig Kreuz kann sich das alles leisten, weil ein von Karl Paul Grimm gegründeter Förderverein als kräftiger Sponsor dahintersteht. Das jetzige Konzert war bereits das 50. von diesem Verein geförderte.

Besonderheiten der Konzertprogramme in Heilig Kreuz sind aber auch nur deshalb möglich, weil Josef Reichl seiner Frau bei der Probenarbeit beisteht und als ausgezeichneter Organist oft solistisch hervortritt. Diesmal spielte er die kirchliche Festouvertüre "Ein feste Burg ist unser Gott" von Otto Nicolai in der Fassung für Orgel solo von Franz Liszt. Er war auch der Solist in dem von Franz Liszt 1883 zur Einweihung einer sehr großen Orgel von 124 Registern für siebenstimmigen Chor, Orgel und Orchester komponierten Werk "Nun danket alle Gott". Damit machte er das Jubiläumskonzert in Heilig Kreuz zu einem ökumenischen Konzert - zwei Tage vor dem 500. Jahrestag des Anschlags von Martin Luthers 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg.

© SZ vom 02.11.2017
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