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Jubiläum in Erdweg:Die Zeitkapsel

Mit viel Eigenleistung der Bürger sind im ersten und zweiten Stock des ehemaligen Pfarrhauses die Ausstellungsräume des Hutter-Museums entstanden.

(Foto: Toni Heigl)

Der Förderverein des Hutter-Museums in Großberghofen besteht 30 Jahre. Noch heute zehrt die Sammlung von den Aufzeichnungen eines Schusters

Wie mag das Leben vor 100, 200 Jahren in den Dörfern des Dachauer Hinterlands ausgesehen haben? Und wer hat hier in Großberghofen, am Rande des mittleren Glonntals, eigentlich gelebt, ehe sich die bäuerlichen Familien ansiedelten, deren Nachfahren über viele Jahrhunderte bis heute das Leben im Dorf maßgeblich bestimmten? Antworten auf viele solcher Fragen bietet das Hutter-Museum in Großberghofen, dessen Förderverein in diesem Jahr sein 30. Jubiläum feiert. 1989 wurde er gegründet; es dauerte dann aber noch weitere sieben Jahre, bis 1996, nach langer Vorbereitungszeit und umfangreichen Restaurierungsarbeiten, das Museum im ehemaligen Pfarrhaus des Ortes eröffnet werden konnte.

Benannt ist das Museum nach einem Mann, dessen Bedeutung für den Ort gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Simon Hutter, der von 1867 bis 1952 gelebt hat, war so wie schon sein Vater und sein Großvater Schuster. Gleichzeitig aber war er auch ein vielseitig interessierter Sammler und Bewahrer von Gebrauchsgegenständen aller Art, die den Blick in die Vergangenheit, auf das Alltagsleben früherer Generationen, überhaupt erst möglich machen. Der Schuster kam, wenn er auf "Stör" war, auf viele Höfe der Umgebung und wurde dort manches Mal mit Naturalien bezahlt, darunter auch alten Gegenständen, die die Besitzer vielleicht nicht mehr schätzten, wohl aber der Mann aus Großberghofen. Darüber hinaus hat Simon Hutter Tagebuch geführt und wichtige Ereignisse im Ort, etwa die Einführung der Elektrizität, geschildert. Noch heute, sagt Hanni Zeller, die seit 2013 Vorsitzende des Fördervereins ist, "zehren wir von diesen Aufzeichnungen." Hutter sei bewusst gewesen, dass er in einer Umbruchszeit lebt, weshalb er alles, was ihm wichtig erschien, festgehalten habe.

Der gleichnamige Enkel von Simon Hutter entschied sich vor rund 35 Jahren, die Sammlung des Großvaters zu verkaufen. Er dachte an das Bezirksmuseum Dachau als Abnehmer, stieß mit diesem Gedanken aber auf Widerstand im Ort. Die Sammlung sei als "Teil der eigenen Identität" betrachtet worden, erzählt Hanni Zeller, man habe sie im Dorf behalten wollen. Männer wie die Gemeinderäte Blasius Thätter, Martin Winkler oder Peter Strobl hätten sich mit Nachdruck für den Verbleib der Sammlung in Großberghofen eingesetzt, ebenso Wolfgang Assmann, der vor allem an der frühen Siedlungsgeschichte der Gegend rund um Großberghofen interessiert war und ist: Schließlich gab es hier einst eine römische "Villa Rustica", von der heute noch Ziegelsteinfunde zeugen, und nicht weit weg, in Gaggers, wurde 1751 ein spektakulärer Schatz keltischer Goldmünzen, sogenannter Regenbogenschüsselchen, entdeckt.

Nach langer Vorbereitungszeit einigte man sich darauf, dass die Gemeinde Erdweg, zu der Großberghofen seit der Gebietsreform 1972 gehört, das frühere, in Gemeindebesitz befindliche Pfarrhaus in Großberghofen zur Verfügung stellen würde, um im Erdgeschoss Gemeinschaftsräume unterzubringen und im ersten und zweiten Stock Ausstellungsräume für das geplante Museum.1996 wurde nach Jahren des Umbaus und der mit viel Eigenleistung der Bürger unterstützten Sanierung endlich die erste Ausstellung präsentiert. Besonders aktiv war während der Umbauphase Mathias Reiss vom Pfarrgemeinderat Großberghofen, dem es darum ging, Räume für die Jugendlichen im Ort zu schaffen. Als Vorsitzende des Vereins wirkten über die Jahre Blasius Thätter, Wolfgang Assmann und Gisela Winter, der heutigen Ehrenvorsitzenden, ehe Hanni Zeller 2013 das Steuer übernahm. Einen wichtigen Beitrag leistete über die Jahre auch Klaus R. Witschel, der - unterstützt von seiner Frau Helga - als Schriftführer für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig war und das Museumsdepot in der Alten Schule von Walkertshofen aufbaute.

Im Lauf der Jahre fanden im Museum Sonderausstellungen zu unterschiedlichsten Themen statt: zum bäuerlichen Leben in der Region ebenso wie zu Volksfrömmigkeit und Religion, zur örtlichen Schulgeschichte oder der Ortsgeschichte. Ein größeres Projekt der vergangenen Jahre war die Neugestaltung der archäologischen wie der ortsgeschichtlichen Ausstellungsbereiche. Aktuell ist eine Ausstellung der Dachauer "Geschichtswerkstatt" mit hochinteressanten örtlichen Exponaten, etwa der kompletten Ausstattung eines Friseurgeschäfts, zu sehen.

Die Schwerpunkte der Museumsarbeit haben sich laut Hanni Zeller über die Zeit verändert, ebenso das Publikum, das heute mehr als früher auch von außerhalb kommt. Eines aber sei gleich geblieben, sagt sie: "Das Museum ist zu einem Kleinod geworden, zu einem kulturellen Sammel- und Brennpunkt der Gemeinde".

Das Hutter-Museum ist jeweils am zweiten Sonntag des Monats von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung "50er Jahre" kann noch am Sonntag, 14. Juli, besucht werden. An diesem Tag begeht der Förderverein auch seine 30-Jahrfeier.

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