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Jahresbericht:Ein Kraftakt

Die Dachauer Feuerwehr stellt 2017 erstmals in ihrer fast 150-jährigen Geschichte einen Maibaum auf und absolviert 465 Einsätze

Die Freiwillige Feuerwehr (FFW) Dachau blickt auf ihrer Jahreshauptversammlung auf ein spannendes und ereignisreiches Jahr 2017 zurück. Zweifellos war es "ein ganz besonderes Jahr", wie ihr Pressesprecher Wolfgang Reichelt betont. Erstmals in ihrer bald 150-jährigen Geschichte stellte die Dachauer Feuerwehr einen Maibaum in der Großen Kreisstadt auf. Mehr als 2000 Zuschauer am Unteren Markt jubelten ihr dabei zu. Denn einen eigenen Maibaum hatte die Stadt Dachau zuvor 13 Jahre lang nicht mehr.

"Diese Aktion hat uns ein gutes Stück vorangebracht", sagt Wolfgang Reichelt. Tatsächlich hat das Maibaumaufstellen der Dachauer Feuerwehr einige Fans und anhaltende Anerkennung eingebracht. Es war im eigentlichen Sinne des Wortes ein Kraftakt. Den Umfang des Projekts hatten die Feuerwehrler anfangs gehörig unterschätzt. "Die Überlegungen zur Maibaumwache waren zunächst als Scherz gemeint", erinnert sich der Vorstandsvorsitzende Stefan Fichtl. "Aber uns wurde schnell klar, dass wir das ernst nehmen müssen."

Umgestürzter Baum

In der Augsburger Straße fällt bei einem Sturm ein Baum. Die Dachauer Feuerwehr beseitigt ihn wenig später mit Hilfe einer Motorsäge und Manneskraft.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Nahezu jede Nacht spähten Burschenvereine den Baum aus, um perfide Pläne auszuhecken. Der Maibaum der Stadt Dachau galt als einer der begehrtesten Oberbayerns. Zwei Burschen aus Günding ließen sich nachts extra in der Feuerwache am Amperweg einsperren, um, als die Wachen schliefen, ihre 30 Kollegen hereinzuholen. Nachdem sie einen tonnenschweren Container und eine Betonleitplanke aus dem Weg geräumt hatten, standen sie mit dem Baum bereits vor geöffneter Tür. Dann aber erwachte einer der Aufpasser und machte dem ganzen Spuk ein Ende.

Die vielen Geschichten, die sich um den Maibaum ranken, werden sie sich vermutlich in 20 Jahren noch erzählen. Am Ende war ja alles gut gegangen. Der Baum wurde rund um die Uhr bewacht, selbst Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) schlug sich eine Nacht um die Ohren. Nach mehr als 400 ehrenamtlichen Arbeitsstunden stand der 35 Meter lange Baum endlich am Unteren Markt. Feuerwehrchef Fichtl sagt rückblickend: "Die Aktion hat uns zusammengeschweißt."

Maibaum Aufstellung

Bereits am 1. Mai 2017 hatten die Ehrenamtlichen erstmals in ihrer Geschichte in Dachau einen Maibaum aufgestellt.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Die eigentlichen Aufgaben der Feuerwehr wurden dennoch nicht vernachlässigt, wie die Zahlen belegen. Im vergangenen Jahr hat die FFW Dachau nach Berechnungen des Kommandanten Thomas Hüller insgesamt 465 Einsätze absolviert. Den größten Teil machten 271 sogenannte Technische Hilfeleistungen aus wie beispielsweise das Aufschneiden von Unfallautos, Entfernen von Ölspuren oder das Beheben von Sturmschäden. Besonders in Erinnerung geblieben ist den Einsatzkräften ein schwerer Autounfall im Mai 2017 am Weblinger Weg. Zwei Autos waren frontal zusammengestoßen, eines der Fahrzeuge klemmte stark verformt in einer Böschung. Die Feuerwehr zog es mit einer hydraulischen Winde Zentimeter für Zentimeter hervor und barg die zwei schwer verletzten Personen. Beide wurden mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert und überlebten.

Zu Bränden rückte die Feuerwehr insgesamt 78 Mal aus. Bereits Mitte Januar 2017 brannte es in einer Hochparterre-Wohnung in der Schleißheimer Straße. Die FFW bekämpfte die Flammen über das Treppenhaus und von außen mit einer Drehleiter. Ein Umgreifen des Feuers auf andere Wohnungen konnte dadurch verhindert werden. Im Juni rückten sie mit Atemschutzmasken zu einem Brand in einer Lackiererei im Dachauer Gewerbegebiet aus, den sie rasch eindämmen konnten. Mit dabei waren die Dachauer auch bei den zwei großen Bränden in Markt Indersdorf und Haimhausen im Sommer 2017. In beiden Fällen waren die gewerblich genutzten Gebäude nicht mehr zu retten. Ein sehr tragisches Ende nahm ein Zimmerbrand in Dachau-Süd, zu dem die Feuerwehr vor fünf Wochen ausrückte. In der verrauchten Wohnung fanden die Einsatzkräfte nur mehr die verbrannte Leiche eines 61-jährigen Mannes.

Im Einsatz war die Dachauer Feuerwehr auch beim Großbrand einer Lagerhalle in Haimhausen im vergangenen Juli.

(Foto: Toni Heigl)

Ärgerlich aus Sicht der Feuerwehr ist die zunehmende Zahl der Fehlalarme, im Jahr 2017 waren es 86. Vor wenigen Monaten rückten die Dachauer innerhalb einer Stunde zwei Mal zur Kulturschranne in der Altstadt aus, weil eine defekte Rauchmeldeanlage auslöste. Am häufigsten aber schlagen private Rauchmelder, die inzwischen gesetzlich verpflichtend sind, irrtümlich Alarm. Besorgte Nachbarn wählen dann berechtigterweise den Notruf.

Die restlichen Einsätze leistet die Dachauer Feuerwehr auf Veranstaltungen wie beispielsweise dem Volksfest oder Konzerten in der Dachauer Altstadt. Der personelle Aufwand ist enorm, um das ganze Pensum zu bewältigen. Bis zum Jahresende 2017 hatte die FFW Dachau 170 aktive Mitglieder, darunter 37 Jugendliche und 16 Frauen. Die Zahl der Mitglieder ist im Vergleich zum Vorjahr immerhin um 21 gestiegen. Fast alle der 67 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis klagen über einen eklatanten Nachwuchsmangel. In Dachau scheint das Problem noch überschaubar zu sein. Ein Grund könnte sein, dass die Dachauer recht jugendlich und interessant wirken, wenn sie Maibäume aufstellen oder auf Facebook über ihre Einsätze berichten. Dem Zufall wird jedoch nichts überlassen. Sämtliche Jugendliche von 14 Jahren an aus dem Stadtgebiet bekommen von der Feuerwehr per Post eine Einladung zu einem Informationsabend. Eine noch umfangreichere Kampagne wurde bereits angeleiert.

Allein im laufenden Jahr hat die FFW Dachau deutlich mehr als 100 Einsätze geleistet. Die Stadt hat beschlossen, den Ehrenamtlichen unter die Arme zu greifen. Bis Ende 2019 will sie 17 hauptamtliche Kräfte in der Dachauer Wache integrieren. Laut Kommandant Thomas Hüller ist diese Zusammenarbeit von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften in einer Feuerwehr "deutschlandweit einmalig".

© SZ vom 23.03.2018

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