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Humanitäre Hilfe in der Ukraine:Ein Leuchtturmprojekt

Dank der großherzigen Unterstützung von Sponsoren und ehrenamtlich engagierten Helfern kann das BRK Dachau für ein weiteres Jahr Krankenschwestern für arme, alte und kranke Menschen in der Ukraine finanzieren

Den Orden, den Hans Ramsteiner und Peter Sedlmair für fast 30 Jahre ungebrochene humanitäre Unterstützung für das Rote Kreuz in der Ukraine jetzt verliehen bekommen haben, hätte Ramsteiner, stellvertretender BRK-Kreisvorsitzender und Leiter der Gemeinschaft Wohlfahrts- und Sozialarbeit, am liebsten an jeden einzelnen Sponsor und Förderer weitergereicht. Der kleine Orden ist die höchste Auszeichnung des ukrainischen Roten Kreuzes und hat so viel Gewicht, weil er auch die Finanzierung von derzeit 13 Krankenschwestern für die Ukraine honoriert. Ohne die Großherzigkeit der Sponsoren wäre dieses Projekt nicht möglich. Dank dieser Spenden können im Bezirk Iwano Frankiwsk für ein weiteres Jahr die immens wichtigen Rotkreuzschwestern finanziert werden, die arme, alte und kranke Menschen sozial und medizinisch versorgen. Das BRK Dachau hatte die Sponsoren nun zu einer Feierstunde in das Rotkreuzhaus eingeladen.

Für ein Jahresgehalt von brutto 2000 Euro - das ist der Mindestlohn - versorgt eine Krankenschwester bisher 20 bedürftige alte Menschen. Für ein weiteres Jahr wird dieser Betrag allerdings nicht ausreichen. Durch Lohnsteigerungen und einen für die Ukraine besseren Wechselkurs erhöht sich das Bruttojahresgehalt einer Rotkreuzschwester für 2020 auf 2 500 Euro. "Wenn wir nicht weitere Spender gewinnen, werden wir zukünftig nur mehr acht Schwestern finanzieren können", bedauerte Hans Ramsteiner.

Das BRK leistet aber auch Hilfe, indem es Krankenschwestern finanziert, was nur dank der Unterstützung von Sponsoren möglich ist.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das BRK-Projekt war notwendig geworden, weil der ukrainische Staat die Finanzierung der Rotkreuzschwestern schon seit 2017 eingestellt hat. Der BRK-Kreisvorsitzende Bernhard Seidenath machte sich im Juli 2019 in der Ukraine selbst ein Bild. "Die Armut trifft in der Regel alte Frauen. Die Patronage-Schwestern sind oft der einzige soziale Kontakt, der den Betroffenen verblieben ist. Und sie helfen auch medizinisch, etwa bei der Gabe von Medikamenten. Dies ist bestens angelegtes Geld", dankte er den Sponsoren.

Hans Ramsteiner stellte das Projekt "Krankenschwestern für Iwano Frankiwsk" als ein Leuchtturmprojekt des Roten Kreuzes in der Ukraine vor und schilderte in einem bewegenden Vortrag die schlimmen Verhältnisse, in denen alleinstehende alte Menschen leben müssen. Die Rotkreuzschwestern versorgen sie mit Medikamenten, Essen, Kleidung und Zuwendung. "Wir erreichen mit überschaubarem finanziellen Aufwand Unglaubliches. Jeder investierte Euro lindert wesentlich die unglaubliche Armut, in der diese Menschen tagtäglich leben müssen", sagte er.

BRK Dachau, Spender Iwano Frankiwsk

Nachhaltige Hilfe leistet das BRK Dachau schon seit fast 30 Jahren in der Ukraine.

(Foto: Privat)

Die BRK-Auslandshilfe hilft schon lange Zeit nachhaltig in der Ukraine und transportiert pro Jahr sechs große Lkw-Ladungen mit je zwölf Tonnen Hilfsgütern in die entlegenen Regionen. "Es gibt kein Krankenhaus, Alten-, Pflege- und Kinderheim im Bezirk Iwano Frankiwsk, das nicht mit Hilfsgütern aus Dachau ausgestattet ist", berichtete Ramsteiner. Das BRK wolle aber nicht nur Almosengeber sein, sondern "ein Partner, um ein Umdenken in den Köpfen in der Ukraine anzustoßen", wie Seidenath betonte. Dass die Hilfe direkt dort ankommt, wo man sie benötigt, wird regelmäßig überprüft. Somit gilt der ukrainische Orden auch den 30 Helfern, die ehrenamtlich 4000 Stunden im Jahr dafür arbeiten.

Einige Sponsoren konnten sich persönlich von der Bedeutung des Projektes ein Bild machen. Anton Kiemer aus Odelzhausen lenkt die Lastwagen mit Hilfsgütern auch selbst in die Ukraine. Als Augenzeuge bestätigte er die große Not der Menschen dort. Auch deshalb sei die Finanzierung der Krankenschwestern dringend notwendig, sagte er. Dolmetscherin Nathalie Bukhta, die bei den schwierigen Verhandlungen an der ukrainischen Grenze hilft, las die anrührenden Dankesbriefe der betroffenen Menschen vor und sagte: "Eine kleine Hilfe kann viel verändern."

Hilfsgüter, die im Konvoi von Dachau nach Iwano Frankiwsk gebracht werden (hier der Transport im Jahr 1991).

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Hauptsponsoren sind: Die Volksbank Raiffeisenbank Dachau vertreten durch Karl-Heinz Hempel, die Sparkasse Dachau vertreten durch Andreas Kratz, Klaus Riedel vom Rotary-Club Dachau, die Firma Vieregg aus Dachau, die Hans-Rapp-Stiftung vertreten durch Kai Henkies, der Lionsclub Germering, die Rotkreuz-Auslandshilfe Neuburg-Schrobenhausen, Ann-Christine Hamisch aus München und der Düsseldorfer Verein "ergo: wir helfen". Weitere Sponsoren sind Ehrenamtliche, die sich seit Jahrzehnten für das BRK Dachau engagieren: Anton Kiemer von der gleichnamigen Fahrschule in Odelzhausen, Jürgen Fritsch von der Firma Fernmeldebau Fritsch, der sich in der Wasserwacht engagiert, mit seinen Söhnen Andreas und Tobias, Angela Eben-Reischl von der Auslandshilfe, Angelika Gumowski, Maxi Gärtner sowie Andreas Köttig vom Jugendrotkreuz. Das BRK Dachau übernahm anstelle von Weihnachtsgeschenken für seine Mitarbeitenden ebenfalls das Jahresgehalt einer Krankenschwester. Weitere Spender möchten anonym bleiben.

Wer dieses Projekt unterstützen möchte, kann sich direkt an das BRK Dachau wenden.

© SZ vom 14.02.2020
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