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Hobbydichter:Prägnante Lyrik

Dichter

Seine Gedichte gibt er gern zum Besten: Hans Kimm hat bereits 30 geschrieben und einen kleinen Fanclub, der immer gern eins hört.

(Foto: Niels Jørgensen)

Wie Hans Kimm die Themen für seine Gedichte findet und dann mit Leidenschaft zur Feder greift

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat ihn erschüttert: "Der Schutz des Grundgesetzes sollte denen zukommen, die es gebrauchen, nicht denen, die es missachten", fordert Hans Kimm. Dass die NPD nicht verboten wurde, das "versteht" er einfach nicht, noch schlimmer, es erzürnt ihn sogar - so sehr, dass der Dachauer seine Gedanken gleich in Verse gießen musste: "Kurzum, der braune Sumpf gedeiht,/ die Satansbrut zeigt sich erneut./ Sie ist in stumpfer Stirn geballt/ Verderbnis gewordene Gewalt." Kimm ist Hobbydichter.

Seit etwa 35 Jahren schreibt er Gedichte. Anfangs nur zu Festen, doch Lobeshudelei war nicht sein Ding. Er zog es vor, seine Themen frei zu wählen. Gedichte hatte er schon immer gemocht. "In der Realschule musste ich immer rezitieren", erinnert sich der 68-Jährige. Das prägt. "Es macht mir Spaß, Sprache lebendig zu gestalten", schwärmt er. Doch mit der Sprache spielen, sich ausprobieren mit verschiedenen Reimrhythmen, Vers- oder Strophenformen, das liegt ihm fern. Auch Sprachbilder, Zweideutigkeiten oder eine Meta-Ebene sucht man in seinen Gedichten vergeblich. Alles ist im Paarreim verfasst. "Ich bin direkt und mag Prägnanz", erklärt er. "Ich will die deutsche Sprache nutzen, um treffsicher Dinge zu sagen, die ich mir herausgesucht habe." Früher war er Ingenieur im Landratsamt, Abteilung Emissionsschutz, hatte viel mit Gesetzesauslegungen zu tun. "Da kam es auf exakte Definitionen an", sagt Kimm. Die Themen seiner Gedichte sind allerdings vielfältig. Es ist keineswegs nur die Politik, die ihn zur Feder greifen lässt. Mal ist es der Lärmpegel eines Handytelefonierers ("Laute Zeiten"), mal animiert ihn der "Herbst" zu ein paar Zeilen, auch "Nacht" und "Zeit" sind Themen, die ihn bewegen. "Erneutes Desaster" entstand wohl nach einer feucht-fröhlichen Silvesternacht: "Zaghaft hebt sich diese Schwere,/ die auf den Kopf dir kreisend drückt./ Du blickst nur starr ins fade Leere:/ Vorsatz ist wieder mal missglückt!" Seit er dichtet, ist er nachdenklicher geworden, sagt Kimm. Schließlich müsse man alles genau überlegen, bevor man einen Gedanken formulieren könne. "Wie ein Architekt versuche ich zu planen, worüber ich schreiben will, erst dann greife ich zur Feder", erklärt er. Die erste, die seine Werke hört, ist seine Frau. Sie ist seine Muse, aber auch seine kritischste Zuhörerin. Wenn sie etwas anmerkt, denkt er noch einmal darüber nach. Dafür bekam sie auch schon ein Gedicht zum Hochzeitstag geschenkt.

"Ich mache die Gedichte für mich", sagt Kimm. Aber ein gewisses Sendungsbewusstsein hat er schon, das gibt er unumwunden zu. Einmal im Jahr trifft er sich mit seinem "Literatenkreis" namens "Lyrik in Dur und Moll", mit dabei ist übrigens auch sein Bruder Martin. Gemeinsam tragen die Mitglieder öffentlich Gedichte vor. "Eine schöne Mischung", so Kimm. Die Eintrittsgelder werden an wohltätige Projekte gespendet.

© SZ vom 07.04.2017

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