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Hinreißend:Die unbekannte Seite eines Genies

Der Da Vinci Sound

Virtuosen der Alten Musik: Die Mitglieder des Ensembles Sed Vitam spielten auf originalgetreuen und teilweise selbstgefertigten Instrumenten Musik der Renaissance aus der Zeit Leonardo da Vincis.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Der Kulturförderkreis Petershausen spürt dem Leben Leonardo da Vincis nach, der auch ein begabter Sänger war. Das Ensemble Sed Vivam lässt dabei die Musik der Renaissance wieder aufleben

Man kann sich Leonardo da Vinci, diesem genial begabten und auf unterschiedlichsten Feldern tätigen Mann an der Wende zur Neuzeit, auf vielen Wegen annähern. Einer davon ist der der Musik. Da Vinci nämlich hatte neben all seinen anderen künstlerischen und naturwissenschaftlichen Interessen und Tätigkeiten auch einen engen Bezug zur Musik: Man weiß, dass er ein begabter Sänger war, sich selbst virtuos auf der Lira da Braccio begleitete, und als er 1482 als 30-Jähriger das heimatliche Florenz verlassen und in den Dienst des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza treten wollte, bewarb er sich primär als Musiker, der - das erwähnt er nur nebenbei - auch male.

Dieser Bezug Da Vincis zur Musik, seine Beschäftigung auch mit der Erfindung neuer Musikinstrumente, war es, der den Kulturförderkreis Petershausen und Eckhard Wolf, Mitglied des auf Musik des Mittelalters und der Renaissance spezialisierten Ensembles Sed Vivam, zu einer "Zeitreise in die Welt des Leonardo da Vinci" inspiriert hat. Am Sonntag hatte der Kulturförderkreis dazu in das katholische Pfarrheim in Petershausen eingeladen. Musikalisch gestaltet wurde die "Zeitreise" von elf Mitgliedern des Ensembles Sed Vivam und als Cicerone hatte man Martin Schneider, Redakteur beim ZDF für den Bereich Klassische Musik, gewinnen können. Schneider hat sich intensiv mit der Person und dem Werk von Leonardo da Vinci befasst. Die auf eine Leinwand im Pfarrsaal projizierten Hauptwerke Da Vincis stellte Schneider in den Kontext dessen, was über den Mann vor allem aus der ersten Biografie von Giorgio Vasari bekannt ist. Damit zeichnete Schneider ein sehr lebendiges Bild des Künstlers und Wissenschaftlers, der vor fünfhundert Jahren am französischen Hof starb.

Das Ensemble Sed Vivam, dessen Name Bezug nimmt auf ein Luther-Wort, ist hervorgegangen aus der früheren Gruppierung Musica Antiqua Ambergenis mit Basis in Regensburg, einem der führenden Ensembles für Alte Musik im süddeutschen Raum. Auch unter neuem Namen ist es seinen Mitgliedern ein wichtiges Anliegen, die Musik der Zeit zwischen Mittelalter und Neuzeit so authentisch wie möglich und mit originalgetreuen Instrumenten, teilweise selbstgefertigten Nachbauten, aufzuführen. So hat etwa Eckhard Wolf eine "Fiedel" mit ganz eigenem Klang hergestellt. Peter Krüger spielt neben anderen Instrumenten die Drehleier, Waltraud Heidingsfelder die Gambe. Wichtige Klangelemente sind auch verschiedene Flöten und Posaunen, auf denen unter anderen Gudrun Mau, Hartmut Rohrmann oder Rolf Ulrich Denzer musizieren. Zum Einsatz kommen auch Krummhörner, gespielt von Hildegund Hauser, Brigitte Weber und Peter Krüger, ein schwierig zu handhabendes Instrument mit eigentümlich schnarrendem Ton. Martin Schneider selbst sorgt mit verschiedenen Percussionsinstrumenten, darunter schellenbesetzten Tambourins, Tontopf-Trommeln oder Kastagnetten, für rhythmische Akzente.

So wichtig wie Letztere ist auch der Anteil der Gesangspartien in der Musik von Sed Vivam. Tenor Hans-Dieter Zanke und Sopranistin Bettina Haubold ergänzen mit kraftvollen, schönen Stimmen den Instrumentalklang des Ensembles, bei manchen Stücken stimmen Eckhard Wolf und Brigitte Weber gesanglich mit ein. Inhaltlich bot das Programm in Petershausen ein breites Bild dessen, was im 15. oder 16. Jahrhundert die Menschen bewegt hat und was sie in Musik übersetzt haben. Geistliche Gesänge bildeten ebenso einen Teil des Konzerts in Petershausen wie Landsknechtlieder oder Tanzstücke, manches aus anonymer Quelle, anderes von bekannten Komponisten wie etwa Josquin des Préz oder Hans Leo Hassler.

Zuletzt führten die Musiker und Sänger von Sed Vivam die Zuhörer im vollbesetzten Pfarrheimsaal in einen italienischen Bauernmarkt mit mitreißenden, von italienischer Volksmusik inspirierten Klängen und lautem Marktgeschrei sich überbietender Händler. Das Publikum jubelte - und auch Barbara Blickle, die Leiterin des Kulturförderkreises, war sichtlich begeistert: "Ich bin hin und weg von dieser Musik", erklärte sie, ehe sie sich bei allen Mitwirkenden für den Abend bedankte.