Hallenbadsanierung in Karlsfeld:Erst spenden, dann schwimmen

Hallenbadsanierung in Karlsfeld: Die Sanierung des Hallenbads bereitet den Politikern Sorgen.

Die Sanierung des Hallenbads bereitet den Politikern Sorgen.

(Foto: Toni Heigl)

Erneut geht die Gemeinde bei der Sportstätten-Förderung des Bundes leer aus. Um das Hallenbad trotzdem sanieren zu können, soll ein Crowdfunding-Projekt geprüft werden. Es geht um 4,5 Millionen Euro

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Es ist ein herber Schlag für die Gemeinde Karlsfeld: Der Bund wird weder die Sanierung des Hallenbads, noch die der Dreifachturnhalle an der Krenmoosstraße unterstützen. Bereits im Frühjahr hatten Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) und die Gemeinderäte auf eine Finanzspritze gehofft und gingen leer aus. Im Frühsommer legte die Bundesregierung noch einmal 600 Millionen Euro in den Fördertopf für Sportstätten, wieder bewarben sich unzählige Städte und Gemeinden. "Das Programm war etwa zehnfach überzeichnet", sagt Kämmerer Alfred Giesinger. 4,5 bis fünf Millionen Euro hatte sich die Gemeinde erhofft, doch es gab erneut Absagen. Die Sanierungskosten - allein für das Hallenbad sollen es elf Millionen Euro sein, für die Turnhalle muss die Gemeinde weitere rund vier Millionen Euro investieren - sind für Karlsfeld kaum zu berappen. In diesem Jahr kann die Kommune ihre laufenden Ausgaben ohne Kredit nicht einmal decken, für die folgenden Jahre sieht es auch nicht rosig aus.

"Ein Schlag ins Kontor", sagt Giesinger. "Wir hatten gehofft, wenigstens ein Projekt gefördert zu bekommen." Katrin Staffler, die CSU-Bundestagsabgeordnete für den Landkreis Dachau, beteuert, sie habe sich sehr dafür eingesetzt, dass Karlsfeld zum Zuge kommt - doch vergebens. Wie der Wille der Karlsfelder, das Hallenbad zu retten, nun finanziert werden kann, ist völlig offen. Antworten sucht man derzeit vergeblich. Kämmerer Giesinger verweist auf den Gemeinderatsbeschluss im April und darauf, dass zunächst einmal geplant werden müsse. "Erst in zwei oder drei Jahren wird die Finanzierung aktuell", sagt er. Bis dahin könnten die Steuereinnahmen ja noch deutlich steigen, aber genaues könne man freilich nicht sagen, denn wer weiß schon, wann die Pandemie zu Ende sei. Aber es gebe Anzeichen, dass sich die Steuern besser entwickelten.

Katrin Staffler weckt indes die Hoffnung, dass das Förderprogramm für Sportstätten noch einmal fortgeführt wird. "Der Bedarf ist da", sagt sie. Das sehe man an der hohen Überzeichnung. Fraktionskollegen aus dem Haushaltsausschuss hät- ten ihr bereits signalisiert, dass man das Programm weiterführen wolle, aber sicher sei es natürlich erst, wenn der Bundestag es beschließt. Wenn die Förderung neu aufgelegt werde, sei Karlsfeld wieder mit dabei, versichert Staffler. Giesinger fürchtet indes, dass die Mittel für die Flutkatastrophe gebraucht würden. Die CSU-Politikerin kann das nicht ausschließen. In Berlin sehe man jedoch, dass die Kommunen in einer sehr angespannten Situation seien, nicht zuletzt deshalb sei das Förderprogramm so begehrt. "Wir werden uns damit beschäftigen müssen, dass wir die Gewerbesteuerausfälle der Kommunen wieder kompensieren müssen, weil es notwendig ist", sagt Staffler. Das werden viele Bürgermeister im Landkreis gerne hören.

Unterdessen will die Gemeinde Karlsfeld jetzt prüfen, ob es die Möglichkeit eines Crowdfundings gibt. Bürger hatten dies im April vorgeschlagen, als heiß über die Sanierung des Hallenbads diskutiert wurde. Die CSU griff diesen Vorschlag auf und formulierte ihn als Antrag im Gemeinderat. In der jüngsten Sitzung wurde kontrovers darüber gestritten, ob das die richtige Idee für die Rettung des Hallenbads wäre. "Ich habe große Skepsis, ob das fürs Hallenbad Sinn macht", gab Adrian Heim (Bündnis) zu bedenken. "Vielleicht werden wir damit nicht weit kommen", gab auch Bürgermeister Kolbe zu. Michael Fritsch (Grüne) und Peter Neumann (Bündnis) plädierten dafür, Crowdfunding bei kleineren Projekten zu testen. Etwa bei der Skateanlage, die sich Karlsfelder Jugendliche gewünscht hatten, die aber für die Gemeinde momentan nicht finanzierbar ist, so Fritsch. Neumann erinnerte, wie schwer man sich seinerzeit getan habe für die Badeinsel im Karlsfelder See 10 000 Euro zusammenzubekommen. Da sollte man die Verwaltung nicht mit noch mehr Arbeit belasten, wo doch absehbar sei, dass eine Finanzierung des Hallenbads so nicht klappen könne, sagte Neumann.

Vizebürgermeister Stefan Handl (CSU) gab indes zu bedenken: "Uns hilft jeder Euro von anderer Seite. Da können wir das nicht einfach abtun." Auch wenn nur 5000 Euro zusammenkämen, so seien es immerhin 5000 Euro. Im Übrigen habe jeder Gemeinderat im April erlebt, wie wichtig den Karlsfeldern ihr Hallenbad sei. Damals bekam jeder zahlreiche E-Mails, WhatApp-Nachrichten und Telefonanrufe. Die Bereitschaft sei groß, sich einzubringen, warb Handl. "Warum sollen wir das nicht nutzen?" Die Leute täten sich schließlich auch leichter, wenn die Sache, für die sie spenden sollen, ihnen am Herzen liege. Bei allgemeinen Themen täten sie sich schwerer.

Die Verwaltung soll nun die Machbarkeit eines solchen spendenbasierten Crowdfunding-Projekts prüfen. Dabei wird es vor allem um die Frage gehen, ob eine Gemeinde als öffentlich-rechtliche Körperschaft überhaupt dazu aufrufen kann? Als Gegenleistung für eine Spende schlägt die CSU vor, den Teilnehmern als Dank einen ermäßigten Eintritt ins Hallenbad zu gewähren.

© SZ vom 26.07.2021
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