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Haimhausen:Junge Männer statt Jugendliche

Haimhausen bekommt keine unbegleiteten Flüchtlinge

Haimhausen muss mehr Flüchtlinge aufnehmen als ursprünglich vorgesehen. Das wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt. Auf Anfrage von Ergun Dost (Haimhauser Bürgerstimme), bestätigte Zweite Bürgermeisterin Claudia Kops, was in der Gemeinde längst vermutet wurde: Es werden nicht 75 unbegleitete minderjährige Jugendliche kommen, sondern mehr als 100 junge erwachsene Männer. In der Gemeinde sollen die Flüchtlinge, so Kops, noch Ende November eintreffen. Hintergrund dieser Entwicklung sei die veränderte Haltung der Bayerischen Staatsregierung gegenüber minderjährigen unbegleiteten Jugendlichen. Die Staatsregierung will diese nicht mehr in Wohncontainern unterbringen. Die unbegleiteten Jugendlichen sollen stattdessen in "klassischen Einrichtungen der Jugendhilfe" betreut werden.

In der Gemeinde selbst zeigt man sich von der neuen Entwicklung überrascht. Geschäftsleiter Otto Felkel sagt: "Die Infos, die man hier bekommt, sind schnell überholt, weil sich alles ständig ändert." Dass man nicht sicher planen könne, das hat Bürgermeister Peter Felbermeier bereits in einem Gespräch mit dem Haimhauser Gemeindeblatt angedeutet: "Sicher ist bei der Sache gar nichts. Schon gar nicht, ob nur unbegleitete Jugendliche oder doch Familien oder Einzelpersonen kommen."

Auf die erhöhte Zahl der Flüchtlinge muss nun das Landratsamt als Hausherr der Unterkunft auch logistisch reagieren. Die jugendlichen Flüchtlinge sollten ursprünglich in drei Wohncontainern nahe des Recyclinghofes unterkommen. Vorgesehen war, dass in jedem Raum zwei Jugendliche leben sollten. Jetzt muss aufgestockt werden. Die Zimmer werden künftig mit drei Personen belegt. In diesem Zusammenhang macht sich der EDV-Koordinator des Haimhauser Helferkreises, Gemeinderat Ergun Dost, für die Einrichtung eines Internet-Hot-Spots bei der Flüchtlingsunterkunft stark. So befinde sich beim Recyclinghof ein Telefonanschluss, der um einen Internetrouter erweitert werden könnte. Dost: "Doch wer kümmert sich darum?"

Im Gespräch mit der SZ bemängelte Dost, dass in Sachen Flüchtlingspolitik "seitens der Politik einiges schief läuft". So habe Albert Schröttle von der gemeindlichen Jugendarbeit ein eigenes Betreuungsprogramm für die unbegleiteten Jugendlichen entworfen und ausgearbeitet und das Konzept auch auf der Klausurtagung des Gemeinderates vorgestellt. Dost: "Ich habe ihn gelobt, aber nun ist alles umsonst." Genauso wie die Aktion des Helferkreises, Kleidung für die 14- bis 15-Jährigen zu sammeln.

Die Haimhauser Flüchtlingsunterkünfte wurden auf einem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück der Hanielschen Landwirtschaft errichtet. In diesem Zusammenhang trat Bürgermeister Felbermeier auch Gerüchten entgegen, wonach die Familie Haniel hier "richtig abkassieren" würde. Im Gemeindeblatt bezeichnete er diese Gerüchte klar und deutlich "als Schmarrn". Vielmehr habe die Familie Haniel der Gemeinde Haimhausen schon häufig in der Vergangenheit uneigennützig geholfen. So auch hier.

© SZ vom 21.11.2015
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