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Grenzen des Wachstums:Platznot bei Kinderbetreuung

Da die Gemeinde Hebertshausen so schnell wächst, kommen Betreuungseinrichtungen an ihre Kapazitätsgrenzen

Von Horst Kramer, Hebertshausen

Eigentlich freute sich Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl (CSU), als er bei der jüngsten Gemeinderatssitzung einen besonderen Rekord verkünden konnte: Im vergangenen Jahr wuchs die Kommune um 70 Neugeborene. "Eine historische Marke", hielt der Rathauschef fest. Eine, die ihm allerdings zu denken gibt, mit Blick auf die Kindertagesplätze, die seine Gemeinde derzeit zur Verfügung hat.

Die 44 Plätze der Krippe St. Peter werden schon im Juni des kommenden Jahres fast vollständig ausgebucht sein: "Dann haben wir nur noch vier Plätze Reserve", sagte Reischl. Im Kindergarten St. Peter werden hingegen schon im Januar 2021 alle 80 Plätze belegt sein. Der Pfarrkindergarten St. Georg ist zum selben Zeitpunkt mit 99 Kindern fast komplett ausgelastet, ebenso wie die Krippe im BRK-Kinderhaus "Weltentdecker" mit 24 unter Dreijährigen. Gewisse Reserven habe nur noch der Waldkindergarten. "Die Verwaltung wird daher im kommenden Herbst eine Bedarfsumfrage durchführen", kündigte der Rathauschef an. Dabei soll auch die Nachfrage nach inklusiven Plätzen für Kinder mit Behinderungen abgefragt werden.

Zudem wächst Hebertshausen durch Zuzüge. Allein in den sieben Monaten von Ende November bis Ende Juni hat sich die Einwohnerzahl um 36 Personen auf 5953 erhöht. "Das entspricht einem Wachstum von 0,6 Prozent", rechnete Reischl vor. Neubaugebiete, wie sie das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (Isek) der Gemeinde vorsieht, werden einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten nötig machen. Der Bürgermeister zählte die aktuellen Möglichkeiten auf: Das Kinderhaus St. Peter sei prinzipiell erweiterbar, so Reischl. Auf dem künftigen Isek-Areal an der alten Holzschleiferei sei ein Kinderhaus mit Krippen- und Kindergartenplätzen vorgesehen. Reischl erwähnte das Ende 2019 beschlossene Neubaugebiet am Hofanger und meinte: "Eventuell muss man auch an das Schulhaus in Prittlbach denken." Ob als Ausweichquartier für eine Kindergruppe oder als Standort für eine komplett neue Kindereinrichtung ließ er offen.

Der CSU-Gemeinderat Clemens Trebra-Lindenau sprach die jährliche Deckungslücke bei der Kinderbetreuung von 1,4 Millionen Euro an. Der Unterweilbacher erwartet "keine Hilfe von oben", also weder vom Bund noch dem Freistaat. So dass er nur eine Lösung sehe: "Wir müssen uns wohl über unpopuläre Maßnahmen unterhalten." Das böse Wort "Beitragserhöhungen" nahm von Trebra-Lindenau indes nicht in den Mund.

Der Hebertshausener Bürgermeister hat die Hoffnung auf ein staatliches Umdenken noch nicht gänzlich aufgegeben: "Wir sprechen den Staat immer wieder auf das Problem an." Es gehe schlussendlich um das Konnexitätsprinzip, so Richard Reischl: Der Staat dürfe nicht einfach Aufgaben auf die Kommunen abwälzen, ohne für deren Finanzierung zu sorgen. Ansonsten müsse man die Kinderbetreuungsgebühren im Herbst auf die Tagesordnung setzen.

© SZ vom 10.08.2020

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