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Gemeinderat Haimhausen:Grünanlage kommt unter die Räder

Die Gemeinde Haimhausen löst eine bepflanzte Freifläche vor dem Mehrzweckhaus auf: Dort sollen fünf Stellplätze für Autos errichtet werden

Kein langes Leben ist der kleinen Grünanlage vor dem neuen Haimhausener Mehrzweckgebäude beschieden: Mit 20 gegen eine Stimme hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, aus Grün umgehend Grau zu machen. Sprich, die laut Baugenehmigung dort vorgesehenen fünf Stellplätze, sollen nun "umgehend hergestellt werden". Die kleine Grünanlage war, um der Wahrheit die Ehre zu geben, nur eine Zwischennotlösung während der Bauphase des Mehrzweckgebäudes, weil zu jener Zeit durch die Sperrung der B13 in der Gemeinde ein erhöhtes Verkehrsaufkommen herrschte und man die Hauptstraße auch aus diesem Grunde nicht verengen konnte.

Seit Januar dieses Jahres ist das Mehrzweckgebäude nun in vollem Betrieb. Sowohl die Arztpraxen wie auch das Bürgerbüro im neuen Gebäude würden rege besucht. Bei der Beurteilung der aktuellen Lage habe sich ergeben, dass die Parkplatzsituation um das Gebäude herum "teilweise recht angespannt" sei. Da die fünf geplanten Parkplätze entlang der Hauptstraße nicht hergestellt worden seien, habe dies die ohnehin schon angespannte Parkplatzsituation noch gesteigert, schreibt das Bauamt in seiner Beschlussvorlage. Der Gemeinderat hätte nun die Option gehabt, die fünf Stellplätze finanziell abzulösen, wobei ein Stellplatz mit 10 000 Euro veranschlagt ist. Weil die Gemeinde aber "Vorbild für alle anderen Bauherren" (Bürgermeister Peter Felbermeier, CSU) sein wolle, wurde diese Möglichkeit ausgeschlossen. Dieser Haltung pflichtete auch Ergun Dost (Bürgerstimme) bei. "Wir müssen als Gemeinde Vorbild sein und dürfen die Parkplätze nicht ablösen." Außerdem gebe es die Parkplatznot ja. Claudia Kops (CSU), die selbst in einer Arztpraxis im Mehrzweckgebäude beschäftigt ist, sagte, die Leute schüttelten über die Grünanlage vor dem Ärztehaus sowieso nur den Kopf, weil es dort kaum Stellplätze gebe.

Hin und her gerissen fühlte sich bei der Debatte Bettina Ahlrep (Grüne). "Mir würde was fehlen, wenn das Grün vor dem Mehrzweckgebäude wegfällt". Sie sehe aber "die Problematik". Auf den Punkt brachte die Debatte Thomas Mittermair (CSU): "Die Realität ist, dass der Bedarf an Parkplätzen da ist."

Der Vorschlag, anstelle der Errichtung von fünf Stellplätzen entlang der Hauptstraße aus optischen beziehungsweise gestalterischen Gründen einen Grünstreifen anzulegen, wurde seinerzeit von SPD und Grünen eingebracht, aber bis zur "ausreichenden Beurteilung der Lage" zurückgestellt. Da aber die Herstellung der Außenanlagen des neuen Mehrzweckgebäudes durch die Baufirma im Frühjahr umgesetzt werden musste, so das Bauamt, wurde unter allen Gemeinderäten eine E-Mail-Abfrage durchgeführt. Ergebnis: Die Mehrheit sprach sich für die Herstellung eines Grünstreifens entlang der Hauptstraße aus - bis sie von der Realität und der real existierenden Baugenehmigung für die fünf Parkplätze eingeholt und zur Umkehr bewogen wurde.

© SZ vom 06.06.2020

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