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Gemeindeentwicklung:Neue Wohnungen für Karlsfeld

Beim Hotel Hubertus und am Fiat-Autohaus soll neu gebaut werden. Die Gemeinderäte verhängt Veränderungssperren

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Die gigantischen Miet- und Bodenpreise in Karlsfeld haben manch einen zum Nachdenken gebracht. Warum noch nachts als Portier für Hotelgäste da sein? Oder mühselig den Kunden Autos anpreisen, wenn man das Geld viel schneller und leichter anders verdienen kann? In der Rothschwaige wollen drei Eigentümer ihre Grundstücke versilbern, indem sie Wohnungen bauen. Zwei Betriebe werden deshalb in den nächsten zwei, drei Jahren ihr Gewerbe aufgeben: das Hotel Hubertus an der Münchner Straße und schräg gegenüber das Fiat-Autohaus.

Die Wünsche der Eigentümer sind natürlich groß: Je mehr Wohnungen, desto besser. Doch die Gemeinde will dem einen Riegel vorschieben, deshalb hat sie eine Veränderungssperre erlassen. Im Fall des Hotels und seines Nachbarn wird bereits seit etwa drei Jahren an einem Bebauungsplan gearbeitet. Nach einer erneuten Auslegung wird die Satzung wohl schon bald beschlossen werden. Danach soll das vordere Gebäude zur Münchner Straße einen Stock höher gebaut werden können, als das Rückgebäude zur Grünlandstraße hin. Um das Verfahren nicht zu gefährden ist die Veränderungssperre jetzt verlängert worden. Auf dem Areal seien etwa 100 Wohnungen geplant, so das Bauamt.

Beim Fiat-Autohaus sollen rund 15 Wohnungen entstehen. Noch gibt es keinen Bebauungsplan. Lässt man dies so, wäre Paragraf 34 des Baugesetzbuch anwendbar. Die Pläne müssten sich demnach in die Umgebung einpassen. Die Formulierung ist so weit gefasst, dass die Gemeinde fürchtet, dass ein Neubau zu massiv werden könnte. Der erste Entwurf, den die Eigentümer jetzt vorlegten, war den Gemeinderäten jedenfalls viel zu wuchtig. Deshalb hat sich der Bauausschuss auch in diesem Fall für die Aufstellung eines Bebauungsplans ausgesprochen, um Einfluss auf Größe und Dichte des entstehenden Neubaus haben zu können. Auch der Abstand zur Straße kann im Bebauungsplan geregelt werden.

Eine Wohnbebauung wäre vom Flächennutzungsplan gedeckt. Aber dies bedeutet natürlich auch ein weiteres Bevölkerungswachstum in Karlsfeld mit Folgen etwa für die Kinderbetreuung. "Bei allen Vorhaben käme die SoBoN (sozialeverträgliche Bodennutzung) zur Anwendung", erklärt CSU-Gemeinderat Bernd Wanka. Das bedeutet, die Bauträger müssten sich an den Folgekosten für die Infrastruktur finanziell beteiligen. Die Entwicklung weg vom Gewerbe hin zum Wohngebiet ist in der Rothschwaige nicht neu. Deshalb ist auch das Bündnis für Karlsfeld, das hinsichtlich der Neuausweisung von Baugebieten meist bremst, nicht gegen diese Vorhaben. "Es ist ein Ersatz von Vorhandenem", erklärt der Fraktionsvorsitzende Adrian Heim. "Und es sind überschaubare Projekte." Das Hotel sei sehr renovierungsbedürftig, so dass ein Neubau finanziell günstiger wäre. Aber in dieser Lage - weit weg von öffentlichen Verkehrsmitteln - mache es keinen Sinn, zumal sowohl auf dem Ludl-Gelände, als auch am Bahnhof zwei neue Hotels geplant seien. Und beim Autohaus übernimmt offenbar die nächste Generation den Betrieb nicht.

© SZ vom 26.06.2020

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