Frischluft zwischen Karlsfeld und Dachau Petition für den Landschaftsschutz

Ein Aktionsbündnis hat acht Monate lang Unterschriften gesammelt, an diesem Freitag werden sie übergeben

Von Felix Wendler, Dachau

Fast acht Monate hat ein Zusammenschluss von Bund Naturschutz (BN) und weiteren Organisationen im Landkreis Dachau Unterschriften für die Petition "Frischluft und Naherholung für Dachau und Karlsfeld sichern!" gesammelt. Wie viele die Aktion unterstützt haben, wollte der BN am Donnerstag noch nicht verraten. Vertreter des Aktionsbündnisses wollen die Listen an diesem Freitag dem Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) übergeben. Die Petition fordert den Kreistag auf, zwischen Dachau, Karlsfeld und Obergrashof ein Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Darüber hinaus soll eine weitere Bebauung in den kommunalen Flächennutzungsplänen von Dachau und Karlsfeld zukünftig weitestgehend ausgeschlossen werden.

Die Initiatoren, zu denen unter anderem die Bürgergerinitiative Grünzug Dachau und Karlsfeld, der BN und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) gehören, streben einen durchgehenden Grünzug vom Langwieder Moos im Südwesten bis hin zum Hebertshausener Moos im Nordosten an. Diese Region sei sowohl für die Frischluftversorgung als auch die Naherholung der Bevölkerung von großer Bedeutung. Gerade angesichts der hohen Feinstaubbelastung müsse eine weitere Verschließung der Luftkorridore durch Baumaßnahmen verhindert werden.

Der Petition ging ein langwieriger politischer Konflikt voraus. Bereits im Frühling 2016 leitete der Kreistag ein Verfahren ein, dass sich mit der Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes im östlichen Dachauer Moos befassen sollte. Im November vergangenen Jahres reichten der BN, die Stadt Dachau und die Gemeinde Karlsfeld einen Antrag mit entsprechenden Gebietsvorschlägen im Umwelt- und Kreisausschuss ein. Bereits diesen ursprünglich eingereichten Antrag bezeichnet Peter Heller, der Dachauer BN-Vorsitzende, als Kompromiss. Der BN wollte demnach das geplante Landschaftsschutzgebiet deutlich weiter fassen, als Dachau oder gar Karlsfeld. Der Vorschlag der Gemeinde Karlsfeld sei eher ein "Flickenteppich aus einzelnen Segementen" gewesen. Die Stadt Dachau habe mehr Flächen ausweisen, jedoch auch kein umfassendes Gebiet schützen wollen.

Ein "über Nacht eingereichter" (so Heller) Änderungsantrag der CSU-Fraktion wollte die Flächen jedoch noch stärker begrenzen, sprich keine Gebiete westlich von der Bajuwarenstraße als Landschaftsschutzgebiet ausweisen. Der Umwelt- und Kreisausschuss stimmte diesem stark abgespeckten Gegenentwurf zu und lehnte den ursprünglichen Antrag ab, was zu Empörung beim BN und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen führte. Infolgedessen wurden auch Lobbyismus-Vorwürfe gegen die CSU laut. Landwirtschaftliche Interessen der Grundeigentümer hätten hinter dem Antrag der CSU-Fraktion gestanden, argwöhnt Heller.

Den Verweis der CSU auf den Flächennutzungsplan als Schutz vor zu starker Bebauung hält Heller für unsinnig. "Man kann ein Landschaftsschutzgebiet auch unabhängig vom Flächennutzungsplan ausweisen." Nachdem die politische Umsetzung scheiterte, begann das Aktionsbündnis um den Bund Naturschutz im Februar diesen Jahres damit, die Unterstützung der Bevölkerung für einen möglichst breiten Landschaftsschutzstreifen einzuholen.