bedeckt München
vgwortpixel

Fridays for Future:Protest im Graupelschauer

Rund 200 Menschen jeden Alters demonstrieren im Rahmen des globalen Klimastreiks in Dachau gegen eine in ihren Augen verfehlte Umweltpolitik. Auch in Petershausen gehen Aktivisten auf die Straße. Sie alle trotzen dem miesen Wetter

Viele haben ihre Räder dabei, andere Kinderwägen, Schilder werden hochgehalten. "Opa for future" steht auf einem. Günther Koch, 76, hält es hoch. Er ist wieder gekommen. Trotz des Regens. Schon bei der letzten Demonstration am 18. Oktober ist er mitgelaufen. Weil er etwas für die Zukunft seiner drei Enkel tun müsse, sagt er.

Fridays for Future

Günther Koch, 76, streikt für seine Enkel.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die "Fridays for Future"-Bewegung hat zum vierten globalen Klimastreik aufgerufen und die Dachauer Ortsgruppe beteiligt sich zum zweiten Mal daran. Rund 150 Menschen jeden Alters haben sich um 12 Uhr auf der Ludwig-Thoma-Wiese versammelt, als Fée van Cronenburg zum Megafon greift: "Wir sind an einem historischen Wendepunkt, an dem wir etwas richtig oder falsch machen können. Und wenn ich in 20 Jahren in den Spiegel schaue, möchte ich sagen können, ich habe alles richtig gemacht." Michael Staniszewski ruft: "Wir müssen zeigen, dass unser Anliegen wichtig ist und auf die Straße gehen - auch bei schlechtem Wetter". Dann animiert er die Menge zur Melodie von "Wie schön, dass du geboren bist" zum Singen: Heute kann es regnen, stürmen oder schnein', das wird immer öfter und extremer sein. Unterstützung bekommen die "Fridays for Future"-Aktivisten auch von den "Parents for Future": "Ich habe einen dreijährigen Sohn und ich habe Angst um seine Zukunft", sagt Christina Rupp mit tränenerfüllter Stimme.

Ina Fetsch, 38, ist mit ihren Kindern Polly, 8, Lilo, 9, und Jimmy, 11, zur Demo gekommen. "Ich bin heute hier, weil ich dafür bin, dass die Umwelt nicht so verschmutzt wird und nicht so viel Plastik verkauft wird", sagt Jimmy. Sein Onkel arbeite bei einer Umweltschutzfirma und habe ihm viel zum Thema erzählt, erklärt er.

Fridays for Future

Jimmy, 11, Polly, 8, und Lilo, 9, demonstrieren mit Mama Ina, 38, um sich für die Umwelt einzusetzen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Nach der Anfangskundgebung setzt sich der Demonstrationszug in Bewegung. An der Spitze die Initiatoren mit Bollerwagen, auf dem sie Lautsprecher transportieren. John Lennons "Imagine" ist einer der Songs, der die Demonstranten auf ihrer Route begleitet. Die führt unter anderem über die Schleißheimer Straße und den John-F.-Kennedy-Platz zurück zur Ludwig-Thoma-Straße. Insgesamt rund fünf Kilometer ist die Strecke lang und damit deutlich länger als beim letzten Mal. Mindestens 50 weitere Personen haben sich den Demonstranten in der Zwischenzeit noch angeschlossen.

"Ich bin froh, dass die jungen Leute jetzt endlich aufwachen. 30 Jahre haben wir vergeudet", sagt Albert Pfeiffer, 70. Seit 1980 beschäftige er sich mit dem Thema, sei einer der ersten gewesen, der sich eine Solaranlage auf das Dach gebaut hätten. Was er heute hier erlebt, mache ihm Hoffnung. Auch eine 69-Jährige will durch ihre Teilnahme an der Demo zeigen, dass sich etwas ändert in der Gesellschaft. "Ich will, dass die Leute durch uns aufwachen und mitmachen. Es ist so traurig, dass es immer noch Leute gibt, die behaupten, der Klimawandel sei nicht menschengemacht." Schon immer habe sie auf Nachhaltigkeit gesetzt. Vor 17 Jahren sei sie in ein Haus gezogen, das komplett nach ökologischen Grundsätzen gebaut wurde. Tabatha Portejoie, 25, und Felix Heinrich, 27, die beide in Dachau wohnen, wollten eigentlich nach München zur Demo. "Dann haben wir aber gehört, dass jetzt auch in Dachau gestreikt wird, also sind hier natürlich hierher", sagt Heinrich. Sie finden es wichtig zu zeigen, dass die Bewegung überall präsent ist, nicht nur in den großen Zentren. Anfang des Jahres habe er sein Auto verkauft und sich stattdessen ein E-Bike angeschafft.

Fridays for Future

Knapp 200 Demonstranten gehen in Dachau gegen den Klimawandel auf die Straße.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

"Jetzt zeigen wir den Autos mal, dass wir laut sein können", ruft eine der Initiatorinnen durchs Megafon, als der Demonstrationszug in die nächste Straße einbiegt. Um den Verkehr nicht übermäßig zu behindern, hat die Polizei entschieden, Straßensperrungen lediglich punktuell und kurzfristig vorzunehmen. Um die Dachauer zu unterstützen, ist auch der Bund Naturschutz in Petershausen aktiv geworden. Zwei Stunden später als in Dachau treffen sich auf dem Pertrichplatz Schätzungen des Organisators Reiner Mühe zufolge ungefähr 280 Menschen. "Ganz schön viele Menschen sind gekommen, auch aus anderen Orten und ziemlich viele Erwachsene", sagt er. Im Mittelpunkt steht hier vor allem der Austausch, bevor die Zusammenkunft gegen 15 Uhr wegen starken Regens abgebrochen werden muss.

"Dass trotz des Wetters 200 Leute da sind, ist super", sagt van Cronenburg in Dachau am Ende der Veranstaltung zufrieden. Spätestens zum nächsten globalen Klimastreik wollen sie wieder auf die Straße gehen.