Franziskuswerk Gähnende Lücke

Gertrud Schmidt-Podolsky.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Stadt sucht Nachfolger für die zwei Läden des Franziskuswerks in Dachau

Von Viktoria Großmann, Dachau

Die Stadt allein kann die Läden in der Altstadt und am Klagenfurter Platz, die vom Franziskuswerk Schönbrunn betrieben werden, offenbar nicht retten. Das Ladenlokal in Dachau-Süd befindet sich einem Haus der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Das Angebot, die Miete zu übernehmen beziehungsweise zu erlassen, würde die Entscheidung, den Laden zu schließen, nicht rückgängig machen können. Das sagte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) in der vergangenen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Er habe mit dem Franziskuswerk gesprochen und gefragt, ob ein Zuschuss helfen könne, erklärte er den Stadträten. Doch dieser müsste im "oberen fünfstelligen bis sechsstelligen Bereich" sein, um etwas zu nützen. "Das können wir uns nicht leisten und das können wir auch den Bürgern nicht vermitteln", sagte er. Zudem sei eine solche Subventionierung auch rechtlich nicht möglich.

Mitte September hatte das Franziskuswerk mitgeteilt, dass beide Läden zum 30. Juni 2017 geschlossen werden. Sie haben der gemeinnützigen GmbH bisher 450 000 Euro Verlust beschert. Noch nicht einmal in erster Linie wegen zu geringer Umsätze, sondern vor allem wegen der vielen Fachkräfte, die in beiden Läden gebraucht werden. Sie verfolgen das Ziel der Eingliederung von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt. Wegen des hohen Betreuungsschlüssels schaffen beide Läden allerdings nur insgesamt vier solcher Stellen, gleichzeitig werden dazu 15 Fachkräfte gebraucht.

Der Oberbürgermeister und seine Verwaltung sind häufig selbst mittags im Laden anzutreffen. "Leider konnten wir ihn mit unseren Mittagspausen nicht retten", sagte er im Ausschuss scherzhaft. Das Thema scheint er jedoch ernst zu nehmen. Diesen Eindruck hat auch Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU), die die Angelegenheit im Ausschuss aufbrachte. "Die CSU-Fraktion bittet, alles zu tun, damit die Versorgung bestehen bleibt." Sie sei enttäuscht vom Franziskuswerk, zu dessen Unterstützung im Stadtrat einige Entscheidungen getroffen worden seien. So sei die Trägerschaft für die Kinderkrippe und den Kindergarten in der Friedenstraße bewusst ans Franziskuswerk vergeben worden, sagt Schmidt-Podolsky. "Um das Franziskuswerk zu stärken. Es sollte auch in Dachau eine Heimat finden."

Schmidt-Podolsky wohnt in der Altstadt und nutzt den Laden am Widerstandsplatz, wie sie sagt, fast täglich. Der soziale Charakter der Läden ist nicht zu retten, das ist Schmidt-Podolsky klar. Wenigstens aber soll versucht werden, die Nahversorgung in Dachau-Süd und in der Altstadt zu erhalten. "Wir dürfen das Thema nicht vom Tisch wischen." Dieser Laden, sagte Schmidt-Podolsky im Ausschuss, "ist mir wichtiger, als es die Schranne je gewesen ist."

Hartmann hat bereits die Abteilung Wirtschaftsförderung beauftragt, mögliche neue Betreiber anzusprechen. "Es ist mir ein Anliegen, dass dort wieder ein Laden hinkommt." Er sei jedoch nicht allzu optimistisch, denn die Lage werde als schwierig beurteilt, wegen der komplizierten Anlieferung und der fehlenden Parkplätze. "Die leidigen Parkplätze", sagt Schmidt-Podolsky nach dem Ausschuss am Telefon. Es sei doch gerade das Ziel, Einkaufen zu Fuß oder mit dem Fahrrad für die Anwohner zu ermöglichen. Sie hofft, dass sich beispielsweise Rewe City zur Übernahme bereit findet. Auch eine Genossenschaft hält sie für denkbar. "Ich könnte mir vorstellen, vielleicht 5000 Euro in eine Genossenschaft einzubringen." Die Stadträtin fürchtet auch die gähnende Lücke, die mitten in der Altstadt entstehen wird. "Wir brauchen dort ein Schaufenster." Wichtig sei es vor allem, schnell zu handeln. Wenn die Kunden sich erst einmal andere Wege gesucht hätten, sei es schwierig, sie zurückzugewinnen, befürchtet sie.