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Festival in Dachau:Von wild bis virtuos, von filigran bis fett

Plug & Play

Ein Countdown über der Bühne zeigt an, wie lange jede Band beim "Plug & Play" noch spielen darf. Auf dem Bild rocken "Mama makes Coffee".

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Im Dachauer Thoma-Haus treffen sich am Samstag wieder elf Bands zum legendären "Plug & Play"

Von Gregor Schiegl, Dachau

Bereits zum 13. Mal findet das mittlerweile schon legendäre "Plug&Play" an diesem Samstag, 29. Februar, im Ludwig-Thoma-Haus in Dachau statt. Wie immer spielen elf Bands abwechselnd auf zwei Bühnen, jede Band hat exakt 1111 Sekunden Zeit, sich zu präsentieren. Die Reihenfolge wird zu Beginn der Veranstaltung ausgelost. Unter den Bands, die auftreten, sind The Finest Four, Wamba Brass Club, Cheerio Joe, Amala, Ginger Red, Just Chanpero sowie Kraut & Ruhm. Das flotte kleine Festival ermöglicht nicht nur ein Wiedersehen mit altbewährten Dachauer Recken der Rockmusik wie den Chanperos, das breite Band-Tableau ermöglicht Musikfans auch, neue Livebands zu entdecken. Und wenn einem eine Musikrichtung mal nicht so taugt: Nach 18 Minuten, 31 Sekunden legt bereits die nächste Band los. Langeweile kann da gar nicht aufkommen.

Von wild bis virtuos, von filigran bis fett ist auch diesmal wieder die gesamte Palette geboten, wobei manche Bands diese Gegensätze auch in einer fruchtbaren Synthese vereinen. Dazu darf man sicher das Quartett The Finest Four zählen, die in ihren Eigenkompositionen Rock, Funk und Jazz zu einer Einheit verschmelzen und sich in den Reigen virtuos improvisierter Smash-Hits von Jimi Hendrix, Pink Floyd, Sting oder Prince einfügen. Dialektisch geht es auch bei Cheerio Joe zu: Die vierköpfige Band aus Fürstenfeldbruck spielt einen Mix aus Rock und Folk. Die Reibeisenstimme von Gitarrist Sebastian "Pitti" Pittrich bildet dabei einen schönen Kontrast zur glasklaren Stimme von Sängerin Tina Fischer. Die Dachauer Band Poolhouse4 hatte bereits bei ihrem rappelvollen Debütkonzert vor ziemlich genau zwei Jahren in der Kulturschranne eine große Fanbase. Neben Eigenkompositionen gehören zum Repertoire von Poolhouse4 auch viele Coverversionen aus den Neunzigern, was vor allem Zuhörern der Generation zwischen 40 und 50 immer wieder wohlige Gänsehautmomente bescheren dürfte.

Der Wamba Brass Club hat im vergangenen Jahr sein Debütalbum "Willkommen" herausgebracht. Die Band aus dem Pfaffenwinkel labelt ihren Stil als "Mundart Brass Punk", bewegt sich dabei aber in ganz anderen Sphären als die berühmte namensverwandte bekannte Formation La Brass Banda. Sänger und Ziachspieler Andi Nöß und seine Mannen haben mit Polka nichts am Hut, stilistisch sind sie eher im Postpunk zu verorten, auch wenn sie auf Bairisch singen. Das gilt auch für die Grenzgänger von Kraut & Ruhm: Sie ackern sich querbeet durch die Musiklandschaft, von Reggae über Hip-Hop bis hin zu Rock'n'Roll. Dass der Name, vor allem, wenn er bairisch ausgesprochen wird, einen Anklang an "Kraut und Rüben" hat, ist gewiss nicht ganz unbeabsichtigt, denn nicht nur die Genres mixen sie fröhlich durcheinander; sie singen auch mal auf Englisch und auf Spanisch.

Nicht fehlen darf natürlich T4U, die mit ihrem handgemachten Irish-Folk-Rock-Sound irische Musik und Rockklassiker vereinen und schon eine feste Größer in der Dachauer Musikszene sind. Bandleader ist der Gitarrist und Plug&-Play-Organisator Rainer Rackl höchstselbst. Ein großer Kreis aus vielen ehrenamtlichen Helfern ist über die Jahre zu einem eingespielten Team geworden, um die Veranstaltung jedes Jahr möglich zu machen.

Als Foyer-Opener steht die in Dachau ebenfalls bereits bestens bekannte 8-Ball-Band in den Startlöchern, um das Publikum mit ihrem Mix aus Funk, Soul bis zu Latin richtig einzugrooven für die folgenden 11 11 Sekunden. Schnapszahlen gehören zur DNA des "Plug & Play", die große Fangemeinde der Konzertreihe weiß das natürlich längst. So wundert sich auch keiner mehr, dass der Einlass um 18.18 Uhr stattfindet (mit dem Eröffnungsauftritt der 8-Ball-Band) und die Bühnenkonzerte um 19.19 Uhr starten. Der Eintritt kostet folgerichtig 7,77 Euro.

© SZ vom 27.02.2020

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