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Errichtung von Windkraft:Das ganz große Rad

Der parteilose Stadtrat Wolfgang Moll plädiert für einen Bürgerentscheid zur geplanten Windkraftanlage in Pellheim, an dem alle Wähler der Stadt teilnehmen können. Ein Stimmungsbild unter Mandatsträgern

Von Viktoria Großmann, Dachau

Alle Dachauer sollen darüber entscheiden, ob sich im Ortsteil Pellheim ein drittes Windrad drehen soll oder nicht. Dieser Ansicht ist der parteilose Stadtrat Wolfgang Moll, der nun einen Antrag gestellt hat, zu diesem Thema einen Bürgerentscheid anzusetzen. Moll selbst sieht das Windrad, das die Stadtwerke Dachau im Sigmertshauser Holz errichten könnten, nur etwa 800 Meter vom Einödhof in Viehhausen entfernt, sehr skeptisch. "Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, an dieser Stelle stünde es nicht gut", sagt er. Entsprechend sind die zwei Fragen formuliert, die er den Bürgern stellen würde. Zum einen: "Soll die (...) Errichtung eines Windrades den unmittelbar betroffenen Bürgern, insbesondere den Anwohnern in Dachau-Pellheim zugemutet werden?" Zum anderen: "Darf für künftige Entscheidungen (...) der empfohlene Mindestabstand 10 H unterschritten werden?"

*Erneuerbare-Energien-Gesetz; SZ-Grafik; Quelle: Stadtwerke Dachau

Moll hatte die Idee zuerst in der Sitzungs des Stadtrats Anfang Mai aufgebracht. Die SPD hatte sich dafür aufgeschlossen gezeigt. Allerdings will die Fraktion erst die Gutachten abwarten, erste Ergebnisse daraus sollen den Bürgern auf einer Informationsveranstaltung im Juli vorgestellt werden. Die SPD ist, anders als Moll, grundsätzlich für Windkraft und auch für die Errichtung eines Windrads in Pellheim. Genauso fest hinter dem Vorhaben stehen Grüne und Bündnis. Das Windrad soll immerhin etwa 2000 Haushalte mit Strom versorgen können und wird als Schritt zur Einhaltung des umweltpolitischen Leitbilds gesehen, dass der Stadtrat 2010 beschlossen hat und das vorsieht, dass bis 2050 alle Dachauer Haushalte und Unternehmen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgt werden können.

Ist Windrad in Pellheim ein Einzelfall?

Kein besonders ehrgeiziges Ziel, wenn man sich Pfaffenhofen an der Ilm ansieht: Die Kreisstadt, die ebenfalls einen SPD-Bürgermeister hat, will bereits bis Ende 2021 Strom nur noch aus lokalen und sauberen Quellen beziehen. Allerdings hat die Stadt nur etwa 25 000 Einwohner. Diese stehen zum großen Teil hinter diesem Vorhaben. Bei einem Bürgerentscheid im Oktober stimmten 57 Prozent der Pfaffenhofener Wahlberechtigten dafür, drei Windräder im ländlichen Stadtgebiet zu errichten. Sie folgten damit der Empfehlung des Stadtrats.

Ortstermin

Stadtrat Wolfgang Moll gehörte der CSU an. Er trat aus Partei und Fraktion aus, behielt aber sein Mandat.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Für Dachau hält Stadtrat Peter Gampenrieder einen Bürgerentscheid über das Windrad in Pellheim nicht für sinnvoll. Für die gesamte ÜB-Fraktion möchte er damit allerdings noch nicht sprechen. "Der Standort wird genauestens und auch über den gesetzlichen Rahmen hinaus geprüft. Wenn erst einmal alle Fakten auf dem Tisch liegen, dann weiß ich nicht, warum der Stadtrat darüber nicht entscheiden können soll." Ein Urnengang verzögere nur den Fortgang des Projekts und wäre "ein gewisser Vorwahlkampf", fürchtet Gampenrieder. Für ihn ist das Windrad in Pellheim ein Einzelfall, keine grundsätzliche Richtungsentscheidung, zu der die Bürger befragt werden sollten.

Bündnis-Stadtrat Michael Eisenmann kann sowohl der Position Gampenrieders als auch der der SPD etwas abgewinnen. Diese sieht die Chance, "alle Bürger mitzunehmen". Ein "klares Stimmungsbild" zu bekommen, fände Eisenmann gut. Andererseits macht er deutlich: Das Windrad in Pellheim wäre die einzige Möglichkeit für die Stadtwerke, noch lokal erneuerbare Energien zu gewinnen. "Es ist die effektivste und günstigste Möglichkeit, grüne Energie zu gewinnen, die Auswirkungen auf die Umwelt sind am geringsten", sagt Eisenmann. Verglichen etwa mit Wasserkraftwerken. Aber: "Man sieht es halt."

© SZ vom 10.05.2017
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