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Rotes Kreuz:25 Jahre Ukraine-Hilfe: Wenn aus Helfern Freunde werden

Die Auslandshilfe des BRK Dachau feiert das 25-jährige Bestehen der Kooperation mit dem Roten Kreuz in der Ukraine

Valeriij Startchenko hatte einen ganzen Stoß Urkunden dabei. Sein Dank könnte größer nicht sein, sagte der Leiter des Roten Kreuzes im Bezirk Iwano Frankiwsk. In 25 Jahren hat das BRK Dachau etwa 90 Konvois mit Hilfsgütern in die Ukraine geschickt und damit für eine wesentliche Verbesserung der sozialen und medizinischen Versorgung geschaffen. In einem Festakt in der Gaststätte Waldfrieden in Hebertshausen feierte die Auslandshilfe des BRK-Kreisverbandes mit einer sechsköpfigen Delegation aus der Ukraine die erfolgreiche Kooperation, die mittlerweile auch zu einer engen Freundschaft geworden ist. Helmut Thaler, der in den ersten Jahren die Hilfsgütertransporte organisierte und begleitete, überreichte den Ukrainern selbstgebackenes Brot als Zeichen der Verbundenheit.

BRK-Kreisvorsitzender Bernhard Seidenath bezeichnete die Auslandshilfe als "gute und wichtige Tradition, um jenen zu helfen, denen es nicht so gut geht wie uns". Begleitet wurde Valerij Startchenko von Viktor Jakymchuk, dem Chefarzt einer kardiologischen Klinik in Iwano Frankiwsk, dem Rotkreuz-Mitarbeiter Mychajlo Hajdutschok, der Journalistin Galyna Dobosh des lokalen Radiosenders sowie der Dolmetscherin Oksana Zubyak. Zur Delegation gehörte auch die Leiterin des Roten Kreuzes in Uzghorod, Ivanna Szabo. Sie betonte in ihrer Ansprache, wie wertvoll es sei, dass die Zusammenarbeit nicht in Iwano Frankiwsk aufhöre. Uzhgorod ist die Hauptstadt des Zentralkarpatenlandes und liegt als westlichste Stadt der Ukraine an der Grenze zu Ungarn und der Slowakei. Mit dem dortigen Roten Kreuz arbeitet das BRK Dachau seit neun Jahren erfolgreich zusammen. "Wir leisten vor allem Hilfe für Familien. Wir wollen selbst unsere Probleme lösen und wissen, dass wir es schaffen müssen. Aber trotzdem brauchen wir von außen Unterstützung", sagte Ivanna Szabo. Auch sie verteilte Urkunden an die Dachauer Helferinnen und Helfer.

25 Jahre Ukrainehilfe

In einem Festakt in der Gaststätte Waldfrieden in Hebertshausen feierte die Auslandshilfe des BRK-Kreisverbandes mit einer sechsköpfigen Delegation aus der Ukraine die erfolgreiche Kooperation.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Überwältigende Unterstützung der Bürger

Seit 33 Jahren leitet Valerij Startchenko das Rote Kreuz im Bezirk Iwano Frankiwsk mit 18 Kreisstationen und einer Bezirksstation. "Gute Menschen haben sich getroffen", sagte er. Der "Vater der Auslandshilfe" war der Rechtsanwalt und ehemalige BRK-Kreisvorsitzende Ekkehard Dehn. Im Frühjahr 1990, kurz nach dem Tod von Diktator Nicolae Ceausescu, reiste Dehn mit Helmut Thaler und einem Hilfskonvoi nach Rumänien. Mit dem Dachauer Arzt Hans Turba und dem BRK-Mitglied Hans Ramsteiner bahnte er danach die Kooperation mit dem Roten Kreuz in der Ukraine an. Die Unterstützung von der Dachauer Bevölkerung sei damals überwältigend gewesen, so Dehn. "In anderthalb Jahren haben wir 100 000 Mark Spenden gesammelt." Zunächst galt die Hilfe kinderreichen Familien und weitete sich schließlich auf die medizinische Versorgung aus. "Für Behinderte und alte Menschen gab es keine Rollstühle", erinnerte sich Dehn.

Die Dachauer Ärzte Wolfgang Erdmann und Gerhard Birkhofer bauten die erste Frühgeburtenstation in der Ukraine auf, was zu einer deutlichen Senkung der Kindersterblichkeitsrate führte. "Wir haben ganze Krankenhauseinrichtungen runter gefahren", so Dehn. Einige Monate lang unterhielt das BRK Dachau sogar eine Geschäftsstelle in Iwano Frankiwsk. Noch heute hat Dehn die zweisprachige Visitenkarte in seinem Portemonnaie. Zu den Helfern der ersten Stunde gehören neben Helmut und Monika Thaler sowie Hans Turba auch Gertraud Spaderna, Rudolf Stauß, die Familie Stolz und der Dachauer Foto-Journalist Niels Peter Jørgensen, der die Hilfskonvois auch fotografisch dokumentierte. Hans Ramsteiner erinnerte sich an die schlechten Straßen und die fehlende soziale und medizinische Versorgung. "Und dennoch haben wir immer Menschen getroffen, die voller Hoffnung waren."

25 Jahre Ukrainehilfe

Bereits seit 25 Jahren besteht die Kooperation zwischen der Auslandshilfe des BRK Dachau und dem Roten Kreuz in der Ukraine.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Budgets werden von Jahr zu Jahr kleiner

Die Auslandsgruppe im BRK Dachau besteht aus einer Gruppe von 20 ehrenamtlichen Helfern. Sie organisieren die Abholungen von Hilfsgütern, beladen Lastwagen, begleiten die Fahrten oder führen sie selbst durch. In den vergangenen zehn Jahren wurde die Hilfe für die Ukraine weiter ausgebaut, obwohl die Budgets von Jahr zu Jahr geringer werden. "Doch das kann uns Rot-Kreuz-Individualisten nicht davon abhalten, immer weiter zu helfen und auch noch viele Spenden zu sammeln", sagte Peter Sedlmair, der sich seit 20 Jahren ehrenamtlich für die Auslandshilfe engagiert und seit 13 Jahren auch die Leitung übernommen hat. Jedes Jahr bringt die Auslandshilfe bis zu vier Mal humanitäre Hilfe in die Ukraine, denn noch immer ist die Situation für die Menschen dort schlecht, vor allem nach den Auswirkungen des in der Ost-Ukraine weiter tobenden Krieges. 4500 Flüchtlinge aus der Ost-Ukraine gilt es zu versorgen. Mehrere vollständige Arzt- und Zahnarztpraxen, Rettungswagen und eine Vielzahl von Kranken- und Pflegebetten wurden überführt. Für das Kindersanatorium in Jeremtsche wurden Spielgeräte geliefert und auch der Klinik für Kinder mit Knochentuberkulose in Worochta wurde unterstützt.

Nach einer Überschwemmungskatastrophe in der Ukraine wurde im Jahr 2010 ein Spezialhilfskonvoi zusammengestellt mit Katastrophenschutzmaterial und Betten für mehr als 2000 Personen aus ehemaligen Atomschutzbunkern der Stadt München. Dank der Unterstützung aus Dachau konnte auch das neu eingerichtete medicosoziale Zentrum in Tysmenizja eröffnet werden. Valerij Startchenko sagte: "Wir wollen die Zusammenarbeit noch viele Jahre realisieren und hoffen, dass in der Welt die Vernunft siegt zum Wohle der Menschen." Ekkehard Dehn und Hans Turba überreichten Chefarzt Viktor Jakymchuk ein Klinik-taugliches EKG-Gerät.

Wer den Menschen in der Ukraine helfen möchte, kann sich beim BRK-Kreisverband Informationen einholen.

© SZ vom 03.11.2016 / SZ/gsl

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