Elektromobilität:Wenn die E-Scooter durch Dachau düsen

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Elektromobilität: Anbieter sprechen von der "Letzte-Meile-Mobilität" der E-Scooter, die über ganz Dachau verteilt ausleihbar sind. Andere fürchten Unfälle und Wildparker.

Anbieter sprechen von der "Letzte-Meile-Mobilität" der E-Scooter, die über ganz Dachau verteilt ausleihbar sind. Andere fürchten Unfälle und Wildparker.

(Foto: Toni Heigl)

Elektroroller liegen im Trend, inzwischen sind 280 Gefährte in Dachau ausleihbar - doch manche Nutzer parken die Vehikel wild. Immer wieder kommt es auch zu Unfällen mit Verletzungen

Von Sofia Woditschka, Dachau

Seit nunmehr zwei Jahren rollen die E-Scooter auch in Dachau durch die Straßen und prägen das Stadtbild. Die elektrischen Tretroller sieht man überall, sie parken am Wegrand, neben Fahrrädern, einige lehnen an Hauswänden. Vereinzelt stehen die Scooter auch mitten auf den Gehwegen, wahllos abgestellt, ohne Rücksicht auf Fußgänger. Teilweise blockieren sie die Fahrradwege oder liegen direkt im Gebüsch oder auf der Wiese, achtlos weggeworfen und vergessen.

Seit Mitte März hat sich die Anzahl der Roller um 100 weitere Gefährte des US-amerikanischen Anbieters Lime auf nun insgesamt 280 erhöht. Damit gibt es nun drei Anbieter auf dem Dachauer Markt, neben Lime auch das amerikanische Unternehmen Bird und die Berliner Firma Tier. Eine Genehmigung der Stadt benötigen die Betreiber übrigens nicht, um die E-Scooter aufzustellen, eine Ankündigung genügt.

Sie sollen eine Verkehrswende herbeiführen, indem sie gerade bei kurzen Strecken eine nachhaltige Alternative zum Auto darstellen. Die Betreiber sprechen von der sogenannten "Letzte-Meile-Mobilität", also der Strecke vom Bahnhof zur Arbeit oder zur Uni und zurück, zum Einkaufen oder nach Hause. Praktisch vor allem, wenn der Bus mal nicht fährt oder das Fahrrad einen Platten hat.

Parken mit Verstand erwünscht

Doch wenn man durch Dachau fährt, zeigt sich folgendes Bild: Viele Fahrräder, Autos und Busse sind auf den Straßen unterwegs, die meisten E-Scooter stehen ungenutzt am Wegesrand - und einige eben mitten darauf. Volker C. Koch, SPD-Verkehrsreferent im Dachauer Stadtrat, hat beobachtet, dass zunehmend mehr Roller "immer im Wege und wild geparkt" herumstehen. Er findet die E-Scooter als Ergänzung für den Dachauer Verkehr "nicht schlecht", doch auch er wünscht sich, dass die Fahrer vernünftiger und mit Verstand parken würden. Mit Verstand, das bedeutet natürlich: nicht im Weg.

Beschwerden über ungünstig geparkte E-Scooter gebe es beim Ordnungsamt "alle paar Tage", so Hauptsamtleiter Josef Herrmann. Um diese wegräumen zu lassen, müsse man sich mit dem jeweiligen Betreiber in Verbindung setzen, dieser schicke dann ein Team, um die Roller zu entfernen. Auf Dauer ist das jedoch keine Lösung für die Problemparker. Eine Möglichkeit wäre es, eigene Parkflächen für die Scooter auszuweisen, wie es in München der Fall ist. Das wäre eine größere Maßnahme und fiele in den Aufgabenbereich der Kommune - in absehbarer Zeit sei das nicht geplant, so Herrmann. Momentan sei es wichtiger abzuwarten und die Situation zu beobachten.

Zwei Scooter-Fahrer müssten nach Unfällen ins Krankenhaus

Dabei kommt es immer wieder zu Unfällen. Erst am vergangenen Dienstag kollidierten gleich zwei E-Scooter-Fahrer im Laufe eines Tages mit Autos in Dachau. Ein 34-jähriger Scooter-Fahrer kam ins Krankenhaus Dachau, ein 22-jähriger Rollerfahrer musste im Klinikum Fürstenfeldbruck behandelt werden, beide leicht verletzt. Vor zwei Wochen verletzten sich zwei Münchner Jugendliche, als sie zu dritt auf dem Gefährt unterwegs waren und stürzten. Auch ein 17-Jähriger, der noch gar nicht fahrberechtigt war, verlor die Kontrolle über seinen E-Scooter und stürzte.

Ein Anwohner aus dem Himmelreichweg, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sieht nicht nur die fahrenden E-Scooter als Gefahrenquelle. Er könne sich vorstellen, dass auch einer der ungünstig geparkten Roller einen Personen- oder Sachschaden hervorrufe. Gerade bei schwierigen Sichtverhältnissen, etwa nachts, könne man sich verletzen oder den Roller unabsichtlich beschädigen.

Die Vehikel sind versichert, die Fahrer nicht

Kommt es zu einem Unfall, muss der Betreiber des E-Scooters benachrichtigt werden, denn die bunten Roller fallen unter die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV), sie sind also versicherungspflichtig. Sie schaffen bis zu 20 Stundenkilometer und dürfen dort fahren, wo Fahrräder erlaubt sind: auf Radwegen und Fahrradstraßen, nicht aber auf dem Gehweg. Darüber hinaus ist es nicht zulässig mit mehreren Personen auf einem E-Scooter zu fahren. Die Geräte des Anbieters Lime sind bei der Allianz haftpflichtversichert, die von Tier und Bird bei der HUK-Coburg. Bei Unfällen sind Personen- und Sachschäden an Dritten also versichert, der Fahrer des Scooters aber nicht. Aus diesem Grund schreiben Lime, Tier und Bird vor, dass man über 18 Jahre alt sein muss, um ihre Roller zu benutzen.

Wer selbst mit den Rollern durch Dachau düsen will, braucht ein Smartphone, um sich mithilfe der App des jeweiligen Anbieters mit dem Scooter zu verbinden. Dafür braucht man einen Nutzerzugang, um Name, Standort und die - bargeldlose - Bezahlmethode festzulegen. Die Kosten werden nach Fahrtzeit und nicht nach Strecke berechnet, je nach Anbieter zahlt man zwischen 19 und 23 Cent pro Minute. Tatsächlich können über die App auch unsachgemäß geparkte Roller selbstständig gemeldet werden. Der jeweilige Betreiber schickt dann ein Team vor Ort, das das Gefährt abholt. Darüber hinaus verfügen die Apps auch über eine integrierte Karte, die vermerkt, wo die E-Scooter abgestellt sind. Praktisch, wenn man mal einen braucht und keinen findet. Momentan ist das aber eher eine Seltenheit in Dachau.

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