Die SZ zu Besuch in Mini-Karlsfeld "Habt ihr schon mal einen Arzt gerettet?"

Bei einer Veranstaltung mit der SZ Dachau interviewen die kleinen Reporter von Mini-Karlsfeld die Rettungssanitäter Reinhard Weber und Denise Stalph vom Roten Kreuz. Dafür haben sich die Sieben- bis Elfjährigen einige überraschende Fragen ausgedacht

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Was macht ihr eigentlich, wenn kein Notruf ist? Rettet ihr auch Tiere? Und habt ihr schon mal einen Arzt retten müssen? Fragen über Fragen. Die beiden Rettungssanitäter vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) Reinhard Weber und Denise Stalph stutzen manchmal überrascht oder schmunzeln. Nicht alles ist leicht zu beantworten. Kinderfragen sind eben zuweilen ungewöhnlich, aber keinesfalls dumm. Die kleinen Reporter aus Mini-Karlsfeld nehmen ihren Job jedenfalls sehr ernst. Schon in der Redaktionskonferenz am Morgen, zu der die SZ Dachau eingeladen hat, machen sich die Sieben- bis Elfjährigen viele Gedanken darüber, was sie schon immer wissen wollten. Denn um das "viele Kleingedruckte" in einer Zeitung schreiben zu können und so andere zu informieren, muss man selbst viel wissen. Recherche ist also das Wichtigste. Und so machen sich die etwa zehn Kinder schnell an die Arbeit. Gummibärchen und Schokolade hilft beim Denken.

Eifrig denken die Kinder nach und schreiben ihre Fragen an die Sanitäter auf.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Als der große Notarztwagen mit den Sanitätern um die Ecke biegt, sind sie gut vorbereitet. "Wie lange machst du deinen Beruf schon?", will der zehnjährige Paul als erstes wissen. "Ich bin seit 25 Jahren Rettungssanitäter", erklärt ihm Reinhard Weber grinsend. Ein kurzer Moment der Ruhe, ungläubiges Staunen bei den Kindern. "Und was war dein schlimmster Notfall?", fragt Paul unbeirrt weiter. "Ein schwerer Verkehrsunfall auf der B 471 zwischen Dachau und Karlsfeld." Aber mehr will der kleine Reporter lieber nicht wissen.

"Und musstet ihr schon mal Tiere retten?" Die Frage brennt der neunjährigen Julia von Anfang an auf den Nägeln. Denn sie will später einmal Tierärztin werden, das ist jetzt schon sicher. Denise Stalph muss ihr erklären, dass der Notarzt eigentlich nur für Menschen da ist. "Wir dürfen keine Tiere mit rein nehmen. Aber einmal haben wir eine große Ausnahme gemacht", erinnert sich Stalph, und schon strahlt das Gesicht der kleinen Julia. "Es war bei einem Autounfall. Der Hund war hinten im Auto. Seine linke Hüfte war offen, seine Besitzerin unverletzt", und so entschied man kurzerhand, den Hund notzuversorgen. "Normalerweise macht das die Feuerwehr", erklärt Stalph.

Reinhard Weber und Denise Stalph (rechts) zeigen den Kindern den Rettungswagen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Doch die beiden Sanitäter müssen auch einige Fragen offen lassen. Wer weiß schon nach 25 Jahren im Dienste des BRK, zu wie vielen Notfällen er gerufen wurde oder wie vielen Menschen er das Leben gerettet hat? Aber eins wissen die Lebensretter sofort: Der älteste Arzt an Bord war 75 Jahre alt. "Es war der Turba Hans. Jetzt ist er 92", sagt Weber ohne lange nachzudenken. Die Kinder stehen mit großen Augen da und staunen. "Ein gutes Alter", sagt Weber schnell und lacht. "Es war gerade niemand verfügbar, und er war in der Nähe." Da habe man ihn gefragt, ob er helfen würde und Turba sagte ganz unkompliziert sofort zu. Turba war einer der ersten Notärzte in Dachau und immer sehr engagiert beim BRK. "Mein Bruder fährt jetzt auch auf dem Rettungswagen", sagt die zehnjährige Nina ganz stolz.

Aber was machen die Sanitäter nun, wenn sie gerade keinen Einsatz haben? Die achtjährige Paula kann die Antwort kaum erwarten. "Wir sind auf der Wache. Dort sind verschiedene Zimmer", erklärt Stalph. "Entweder sitzen wir einfach auf der Couch oder wir machen die Fahrzeuge sauber. Wir müssen auch immer schauen, dass genügend Material da ist und der Tank gefüllt." Und am freien Tag? "Die Ehrenamtlichen stehen bereit. Wenn viele gebraucht werden, geht der Piepser", sagt die Sanitäterin.

Was könnte man die Sanitäter fragen?

(Foto: Niels P. Jørgensen)

"Und habt ihr schon mal einen Arzt gerettet?" Für den elfjährigen Michael ist allein die Vorstellung irgendwie komisch. Er grinst. Die Antwort überrascht ihn sehr: "Ja, einmal. Er war im Notarztwagen unterwegs. Es war Herbst. In einer Kurve lag Laub. Der Arzt fuhr etwas zu schnell, rutschte aus und so landete er samt Sanka im Teich", erzählt Weber. "Wir haben ihn wieder herausgeholt. Aber er war nur leicht verletzt." Manchmal hätten die Patienten nur eine Schürfwunde, bei anderen Einsätzen seien sie schwer verletzt, berichten die beiden Retter. Sogar eine Geburt hatten sie schon in ihrem Wagen.

"Dürfen wir mal reinschauen?", fragt der neunjährige Yongfeng vorsichtig. Aber natürlich. Jedes Kinder darf die Liege ausprobieren. Weber und Stalph sind unentwegt damit beschäftigt, sie rein und raus zu schieben. Die Kinder lachen begeistert bei jedem Ruckeln. Die Hydraulik, die die Unebenheiten der Straße abfedert, um Patienten möglichst ruhig und schmerzfrei zu transportieren, fasziniert den zehnjährigen Paul am meisten. "Heute gewinnt die Feder", sagte er mit ernster Miene, als er gefragt wird, was am besten war. Andere fanden das Führerhaus spannender: Wer wollte, durfte nämlich am Steuer sitzen, die vielen Knöpfe anschauen, am Lenkrad drehen und den Helm aufsetzen. Klar musste auch das Blaulicht angeschaltet werden, und zum Abschied lässt Weber sogar kurz das Martinshorn aufheulen. Die Kinder stehen am Zaun und winken tief beeindruckt den Notärzten nach.

Beim Blick in den Rettungswagen möchte man natürlich auch hinters Steuer.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

"Können wir jetzt wieder gehen?", fragt ein Junge. Aber nein. Jetzt kommt doch das Wichtigste: Reporter müssen berichten. Zurück in der "Redaktion" überlegen die Kinder angestrengt, was sie anderen mitteilen wollen. Viel erlebt haben sie ja. "Es hat sehr viel Spaß gemacht, und wir haben viel gelernt", fasst ein Mädchen schließlich zusammen. "Vier Monate dauert die Ausbildung, und sie müssen viele Aufgaben machen", erinnert sich ein Junge an die Aussage der Sanitäter. "Ja, aber nur fürs Autofahren", ruft ein anderer.

Und wer will nun später einmal Reporter werden? Fünf Finger gehen zaghaft nach oben. "Ich", ruft Paul selbstbewusst. Und wer mag lieber Sanitäter werden? Wieder gehen fünf Finger nach oben. "Vielleicht", sagen die Mädchen. Es sind dieselben Kinder, die sich auch für Journalismus interessieren.