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Die Schönen und das Biest:Ganz schön schräg

Dachauer Band bewirbt sich mit einem makabren Lied über Hühnerschlachtungen um den diesjährigen Wiesnhit.

Robert Stocker

Wer mit seiner Musik das Publikum in einem Bierzelt mitreißen will, muss eine Faustregel beachten: Melodie und Text sollten so eingängig sein, dass die Menschen selbst dann noch mitsingen können, wenn sie schon eine Maß zu viel intus haben. Besonders die Refrains von Liedern sollten so gestrickt sein, dass sie jeder Bierzeltbesucher locker mitgrölen kann. Darin besteht auch das Erfolgsgeheimnis aller Wiesnhits, die alljährlich durch die Zelte des Oktoberfests dröhnen. Ob "Wahnsinn", "Fürstenfeld" oder "Alice": Kein noch so unmusikalischer Mensch hat bei diesen Wiesn-Klassikern Probleme, in den Chorus lauthals miteinzustimmen.

Kai Kühnel (links) und seine Band "Die Schönen und das Biest" bei ihrer CD-Vorstellung im Cafe Gramsci.

(Foto: © joergensen.com)

Eine zweifellos eingängige Melodie hat auch der Refrain des Liedes "Giggerl, Giggerl", das die Dachauer Band "Die Schönen und das Biest" für ihre jüngst im Café Gramsci präsentierten CD aufgenommen haben. Ob sich der Text auch so ohne weiteres bei den Zuhörern einprägt, erscheint dagegen eher zweifelhaft. "Giggal, Giggal, Kopf abzwickal/ Mit der Schar ins Terzel nei/ Giggal, Giggal, weidergworfa/ As nächste Giggal kummt vorbei", lauten dieZeilen des Refrains, der im Laufe des Lieds mehrmals abgewandelt wird. Der Song schildert den schrägen Betriebsausflug in eine Hühnerschlachterei, in der den Tieren am Fließband der Garaus gemacht wird. In dem Lied steckt viel schwarzer Humor, und dennoch soll er jetzt zu einem Hit in den Bierzelten werden. Zumindest nehmen "Die Schönen und das Biest" an einem Wettbewerb um den diesjährigen Wiesnhit teil, den zwei Tageszeitungen und ein Radiosender ausgelobt haben. Der Song wurde bereits in die Bewerbungen aufgenommen, unter denen die Jury 20 Beiträge auswählt. Den Sieger küren letztlich die Internetnutzer bei einer Online-Abstimmung.

So ganz ernst nehmen Sängerin Renate Jatzeck, Tastendrücker Kai Kühnel, der als Stadtrat für das Bündnis Dachau auch politisch aktiv ist, Bassist Mike Berwanger und Schlagwerker Christoph Stangl die Teilnahme an dem Wettbewerb freilich nicht. Das Lied, das vor einem Jahr aus Gaudi entstand, aber zunächst nicht in einem Studio aufgenommen wurde, ist eher eine Persiflage auf Wiesnhits. "Ich hatte die Idee dazu, als der Skandal um verdorbenes Hühnchenfleisch und die hygienischen Zustände in einer Großbäckerei in aller Munde waren", sagt Organist Kühnel. Den Refrain habe er so komponiert, dass sich das Lied auch als Wiesnhit eignen könnte. Gleichwohl ist ihm völlig bewusst, dass es sich um einen ziemlich schrägen Wiesnhit handeln würde: "Es wäre schon grotesk, wenn 5000 Leute im Bierzelt den Refrain mitsingen, während sie gleichzeitig ihr Hendl verzehren."

Ein bisschen aus dem Rahmen fällt das Repertoire der "Schönen und das Biest" ohnehin. Die Musik der Band lässt sich in die gängigen musikalischen Stilkategorien kaum einordnen. Ihre Lieder drehen sich um den Begriff "Heimat", wobei sie sich musikalisch an Rockmusik, aber auch an Chansons und Schlager anlehnen. Der Begriff "Heimatlied" ist dabei eher weit gefasst: In den Texten geht es um korrupte Banker, Profitgier oder Familienterror. Warum die Band mittlerweile Kultstatus hat, zeigt sie bei ihrem Auftritt heute im Kleinberghofener "Freudenhaus".

© SZ vom 27.07.2012
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