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Dachauer Liebesgeschichte:Gipfel der Ehe

Diamanthochzeit

Ihnen wird nicht langweilig: Gabriele und Robert Schuster stoßen mit Oberbürgermeister Florian Hartmann auf ihre diamantene Ehe an.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Ehepaar Schuster begibt sich seit 60 Jahren auf Abenteuer

Vor mehr als 60 Jahren standen sie ganz oben auf dem Berg direkt neben dem Gipfelkreuz, als ein nasser Schneesturm über ihnen zu toben begann. Die vier jungen Frauen und zwölf junge Männer hatten es nach großen Strapazen geschafft, die Spitze der 1801 Meter hohen Benediktenwand, ein Bergrücken in den Bayerischen Voralpen, zu erklimmen. Mit dabei bei diesem Abenteuer waren die damals 21-jährige Gabriele aus München und der 19-jährige Dachauer Robert Schuster. Da hieß es, schnellstmöglich abwärts und in einer Schutzhütte einen Unterschlupf finden. Aber das Knie der jungen Münchnerin begann zu sehr zu schmerzen, also lieh der hilfsbereite Dachauer ihr seine Bandage.

Das Dachauer Ehepaar Gabriele, 83, und Robert Schuster, 81, hat seine diamantne Hochzeit gefeiert. Bei Schampus erzählt das Ehepaar dem Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) von ihrer abenteuerlichen Kennenlernreise.

Eigentlich kannten sich die Männer, Mitglieder der Dachauer Naturfreunde, und die Frauen aus München, die sich vor mehr als 60 Jahren auf dem Gipfel trafen, gar nicht, die Jungs hatten ihnen nur den Weg gezeigt. Als sich ihre Wege trennten, verabredeten sich Gabriele und Robert, damit sie ihm die Bandage überreichen konnte. Dass er zwei Jahre jünger war als sie, wusste sie zu dem Zeitpunkt nicht, der Bursche hatte sie angeschwindelt. Die erste Verabredung fiel auf ihren Geburtstag und sobald Gabriele Robert Schuster am Bahnhof traf, sagte sie ihre Party zuhause ab und ging mit ihm aus. Das tat sie dann zwei Jahre lang, bevor das Paar 1959 heiratete. "Der Anfang war eine Katastrophe", sagt Gabriele Schuster heute und lacht. "Ich wurde zwangsverschleppt", sagt sie und spricht von ihrem Umzug nach Dachau. "Als Münchnerin war ich damals ein Kulturschock für die Einheimischen, die kamen mir vor wie die Dachauer Aborigines." Nach einigen Jahren des Einlebens hat sich das Paar auf dem Grundstück der Schusters dann ein neues Haus gebaut, für das Gabriele, die als Beamtin der Fernmeldebetriebsinspektion arbeitete, und Robert, als Heizungsbauer tätig, eifrig gespart hatten.

In ihrer Ehe sucht sich das Paar auch heute immer wieder neue Gipfel, die es erklimmen kann. Auf die Wanderung an der Benediktenwand folgten eine Busfahrt nach Ägypten inklusive Schifffahrt über das Mittelmeer, Reisen nach Syrien und Jordanien und einen Zeltausflug nach Island. "Ich musste pflegeleicht sein", sagt Gabriele. Nächsten Monat fahren sie für zwei Wochen nach Italien an den Gardasee und nach Meran. Aufregender könnte das Jubiläumsjahr ihrer Ehe nicht sein.

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