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Dachauer Band:Bock auf Rock

Plug&Play

Die ehemalige Schülerband gilt in der Dachauer Musikszene inzwischen schon selbst als Klassiker: Sänger Mikey Wenzel, Gitarrist Florian Ebner, Bassist Martin Treppesch, Keyboarder Andreas Pernpeintner und Schlagzeuger Jan van Meerendonk beim Plug&Play-Festival im Thoma-Haus.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

"Boxhead" interpretiert seit 20 Jahren auf ihre eigene originelle Art Klassiker wie Led Zeppelin. Ihre einzige Eigenkomposition ist preisgekrönt und handelt von der bayerischen Milch

Bandjahre sind Hundejahre. So oder so ähnlich lautet ein ungeschriebenes Gesetz in der Musikszene. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die Dachauer Blues-Rock-Formation Boxhead so lange gehalten hat; sie blickt in diesem Jahr zurück auf ihr 20-jähriges Bestehen. Alles begann Ende der 1990er Jahre, so, wie sich das für eine echte Rockband gehört: als Musikgruppe an einer Schule. Am Josef-Effner-Gymnasium trafen sich die fünf Freunde Florian Winter, Florian Ebner, Martin Treppesch, Andreas Pernpeintner und Jan van Meerendonk unter dem schnörkellosen Namen "Rockgruppe", um gemeinsam zu musizieren. Sie alle verband die Leidenschaft für die Musik der Blues Brothers. Unter dem Namen "Blues Brothers Revival Band" folgte im Sommer 1999 das erste Konzert auf einem Schulfest. Zur Jahrtausendwende besannen sie sich zunehmend auf alte Rockklassiker, auf Deep Purple, Uriah Heep und Led Zeppeli n, auf die sanfteren Töne von Santana, Jimi Hendrix oder The Doors. Es war die Zeit, in der "die Koteletten lang, die Soli noch länger und die Riffs knackig waren", wie die Musiker von Boxhead sagen.

Die Urbesetzung der fünf Schulfreunde blieb einige Jahre bestehen. Mit ihrer ersten und bis heute einzigen Eigenkomposition erzielte sie gleich einen Achtungserfolg: den vierten Platz bei einem Bandcontest in München, zu dem 130 Bands aus ganz Bayern angetreten waren. Die Tatsache, dass dieser "Music-Award 2001" von der "Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft" veranstaltet, und die Boxhead-Eigenkomposition, ganz regelkonform, ein Loblied auf die bayerische Milch wurde - der Titel lautet "Göttertrank" - tat dem Nimbus der Hard Rock- und Bluesband keinen Abbruch. Doch war in den vergangenen 20 Jahren nie Lust da auf etwas Eigenes? "Naja, in unserem Kellerstudio haben wir schon auch an eigenen Songs getüftelt", sagt Schlagzeuger Jan van Meerendonk heute. "Aber wir hatten einfach Bock, die ganzen Rockklassiker zu machen."

Wer Boxhead als reine "Coverband" herabsetzt, tut ihr massiv unrecht. Die Band schafft einen Spagat zwischen originalgetreuem Sound und Eigeninterpretation. "Unsere Arrangements sind fast so kreativ wie ein eigener Song", sagt Keyboarder Andreas Pernpeintner. Das Grundgerüst bleibt meist bestehen, beim Rest wird Hand angelegt, die Soli werden gestreckt, die Musiker toben sich aus.

Irgendwann war die Schulzeit zu Ende, Bandmitglieder kamen und gingen, der Kern blieb jedoch erhalten. "Dass wir weitermachen, stand immer fest", sagt Andi Pernpeintner. Wo die Mitglieder anderer Schulbands nach dem Abschluss in alle Himmelsrichtungen entschwinden, wo das Studium, eine Ausbildung oder die große Liebe ruft, hatte Boxhead Glück: Die Bandmitglieder fanden die Erfüllung all dieser Dinge in ihrer Dachauer Heimat. Von 2004 bis 2013 war Gitarrist Daniel Pihale Teil der Band. Als Sänger Florian Winter Boxhead verließ, war Mikey Wenzel, ebenfalls ein ehemaliger Schüler des Effner-Gymnasiums, zur Stelle. Mit kurzen Unterbrechungen ist er bis heute Frontmann der Band.

Boxhead ist im Jahr 2019 angekommen. Derzeit besteht die Band aus Sänger Mikey Wenzel, Gitarrist Florian Ebner, Bassist Martin Treppesch, Keyboarder Andreas "Andi" Pernpeintner und Schlagzeuger Jan van Meerendonk. Vier der fünf Bandmitglieder haben Kinder, alle sind berufstätig. Viel Zeit für die musikalische Leidenschaft bleibt da nicht mehr. Geprobt wird, wenn ein Auftritt ansteht. Boxhead ist ein eingespieltes Team. "Bei uns ist das wie bei Philipp Lahm und Arjen Robben beim FC Bayern", sagt der Keyboarder und lacht. "Wir kennen uns ewig, wir wissen, wie der andere tickt". Boxhead ist für die Musiker immer auch Entspannung, der Ausgleich zum stressigen Alltag. "Beim Spielen kann ich völlig mein Hirn ausschalten", sagt Jan van Meerendonk.

Am Samstag, 7. Dezember, gibt die Band um 20 Uhr ein großes Jubiläumskonzert in der Dachauer Kulturschranne. Die erste Hälfte des Programms soll eine Reise durch die Boxhead-Geschichte werden, wie Pernpeintner sagt. Ehemalige Bandmitglieder haben einen Gastauftritt, sie lösen für ein paar Songs ihre Nachfolger ab. "Wir freuen uns sehr, dass eigentlich alle zugesagt haben", sagt der Keyboarder. Die zweite Hälfte des Programms bestreitet die aktuelle Besetzung der Band. Auch haben die Musiker eigens für das Jubiläum eine CD mit acht Songs aufgenommen, die es auf dem Konzert zu kaufen geben wird. Aufgrund der hohen Nachfrage - das Konzert ist beinahe ausverkauft - wird es einen Zusatztermin in gleicher Besetzung geben, und zwar am Freitag, 10. Januar, um 20 Uhr, ebenfalls in der Kulturschranne.

© SZ vom 05.12.2019
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