Ostumfahrung Dachau Vorsichtige Distanzierung

Bei der Debatte um eine Ostumfahrung müssen große Bedenken ausgeräumt werden. Die Bauern und Freien Wähler wollen die ansässigen Betriebe bewahren. Landrat Löwl setzt auf ein Gesamtkonzept.

Von Wolfgang Eitler, Dachau

Die Freien Wähler um den Kreisvorsitzenden und Schwabhausener Bürgermeister Josef Baumgartner stärken dem Bayerischen Bauernverband den Rücken und lehnen ebenfalls die geplante Trasse für eine Ostumfahrung Dachaus auf der Grundlage der vorliegenden Erkenntnisse ab. Damit sprechen sie sich gegen das zentrale Gelenkstück einer neuen Verkehrsführung für den gesamten Landkreis aus, die an eine Nordumfahrung Dachaus über Pellheim nach Schwabhausen anschließen soll.

Allerdings waren vom Bauernverband in den vergangenen Wochen zwei Positionen bekannt geworden. Kreisobmann Anton Kreitmair und sein Stellvertreter Simon Sedlmair aus Puchschlagen deuteten dabei die Stellungnahme des Verbands zum laufenden Planfeststellungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern unterschiedlich: Sedlmair sieht in ihr eine grundsätzliche Ablehnung der Ostumfahrung durch die Fachstellen seines Verbands. Auf der Höhe von Hebertshausen würde die Trasse in Dachau-Ost die Naturschutzflächen des dortigen Mooses tangieren und auf die B 471 münden. Kreitmair indes übt ausschließlich Kritik an der vorliegenden Planung.

Deshalb zeigte sich der Kreisobmann und Präsident des Bayerischen Bauernverbands auch dezent verärgert, dass sein Stellvertreter vor einigen Wochen an einer Protestaktion des Bundes Naturschutz gegen eine Ostumfahrung teilgenommen hatte. Sedlmair sprach damals im Gespräch mit der SZ von einem "spontanen Entschluss". Er gab sich überzeugt, dass die Mehrheit der Landwirte auf seiner Seite stünden. Kreitmair betonte, dass es sich um "eine Einzelmeinung" gehandelt habe, nicht aber um die Position des Kreisverbands der Dachauer Bauern.

Deren kommissarische Geschäftsführerin Simone Strobel erklärt die Stellungnahme gegenüber der Regierung von Oberbayern. Sie prüft gerade, ob die vom staatlichen Straßenbauamt vorgeschlagene Trasse genehmigt werden kann. Demnach ist der Bauernverband dagegen, weil die Arbeit der dort befindlichen Landwirte - es sind sechs - massiv erschwert würde. "Die Ackerflächen würden so zerschnitten, dass sie teilweise nicht mehr wirtschaftlich zu führen wären", sagte Simone Strobel der SZ in Dachau. In einem Fall wäre die Existenz des Betriebs gefährdet. Strobel betont allerdings auch, dass die Kritik gegenüber der Regierung nicht als grundlegende Ablehnung einer Ostumfahrung für Dachau vorgetragen wurde. Auch Kreisbäuerin Emmi Westermeier unterstützt dieses Position.

Aus der Stellungnahme der Freien Wähler geht allerdings nicht klar hervor, wem sie sich anschließen wollen. Simon Sedlmair oder Anton Kreitmair? In der schriftlich vorliegenden Erklärung heißt es, dass der Kreisverband einschließlich der Kreistagsfraktion "keineswegs uneingeschränkt für die Nordostumfahrung Dachaus" seien. Kreisvorsitzender Josef Baumgartner zitiert kurz die Haltung des Bundes Naturschutz und dessen Sorgen um das Moos, das den Rang eines europäischen FFH-Naturschutzgebiets genießt. Er warnt davor - im Sinne des Bauernverbands - "wertvolle landwirtschaftliche Flächen" zu zerschneiden.

Darüber hinaus fordert Baumgartner ein "Gesamtkonzept für den Verkehr im Landkreis", das auch die Entwicklung des Öffentlichen Nahverkehrs, insbesondere der neuen S-Bahnlinie 2 nach Altomünster einschließen müsse. Eine Ostumfahrung zu bauen, ohne zu erläutern, wie der Verkehr an den Nahstellen bei Schwabhausen und an der Einmündung auf die B 471 Richtung Autobahn A 99 ausschauen soll, lehnt er ab.

Baumgartner positioniert sich mit der Erklärung auch deutlich gegen die Freien Wähler Dachau um den Stadtrat und stellvertretenden Landrat Edgar Forster. Beide Gruppierungen sind zerstritten, auch weil Forster mit einer eigenen Liste und nahezu gleichem Namen für den Kreistag kandidiert hatte. Er und der Fraktionssprecher Sebastian Leiß haben sich unmissverständlich für die Ostumfahrung ausgesprochen.

Vorsichtiger agiert dagegen Landrat Stefan Löwl (CSU). Wie Baumgartner strebt er ein Verkehrskonzept für den ganzen Landkreis an. Persönlich ist er zwar der Ansicht, dass die Ostumfahrung kommen muss. Er will aber durch Fakten und aktuelle Erhebungen überzeugt werden. Das Gesamtkonzept will Löwl nächstes Jahr vorliegen haben.