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Diskussion um neue Partnerstadt:Einwände gegen Hochzeit

Volksfest verbindet: Léognans Bürgermeister Laurant Barban (r.) beim Einzug auf der Thoma-Wiese mit OB Florian Hartmann (l.).

(Foto: Toni Heigl)

Soll Dachau ein offizielles Bündnis mit dem französischen Léognan eingehen? Partnerschaftsreferent Wolfgang Moll ist dagegen und will stattdessen die Beziehungen mit Oradour vertiefen. Jetzt fällt eine Entscheidung.

Die Partnerschaft ist noch nicht einmal offiziell besiegelt, da trüben bereits erste dunkle Wolken den Horizont. Die Rede ist von der möglichen Städtepartnerschaft, welche die Stadt Dachau mit der französischen Stadt Léognan eingehen könnte - wobei es zwischen den beiden potenziellen Partnern keine Unstimmigkeiten gibt. Eigentlich. Für Querelen sorgen allerdings die Einwände von CSU und dem parteilosen Städtepartnerschaftsreferent Wolfgang Moll: Sie erachten den Schritt als verfrüht und wünschen sich stattdessen eine Vertiefung des Verhältnisses zur französischen Kommune Oradour sur Glane. Im Stadtrat soll an diesem Dienstagabend eine Entscheidung fallen.

Vor rund einem Monat wurde im Dachauer Kulturausschuss bereits über das Thema abgestimmt, die Mehrheit sprach sich für eine Städtepartnerschaft mit Léognan aus. Allerdings fiel dieser Beschluss nicht einstimmig, schon dort äußerten Moll und die Vertreter der CSU ihre Bedenken. Eines der Hauptargumente war, dass es für eine Städtepartnerschaft noch zu früh sei, stattdessen solle die Verbindung zunächst über mehrere Jahre wachsen. Moll reichte deshalb nun einen Stadtratsantrag ein, mit dem er die finale Entscheidung der Stadt Dachau, die eigentlich in der heutigen Stadtratssitzung fallen soll, vertagen möchte. "Ich sehe aktuell noch keine Dringlichkeit", erläutert Moll. Die Beziehungen zwischen den beiden Städten seien noch sehr jung, während man zu Oradour bereits seit Jahren eine enge Freundschaft pflege.

"Wir haben das Angebot auf dem Tisch und müssen darüber entscheiden"

Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) ist anderer Meinung: Bei bisherigen Besuchen und Gegenbesuchen habe man bereits festgestellt, dass es eine sehr gute Basis für eine ernsthafte Städtepartnerschaft zwischen Dachau und Léognan gebe. In verschiedenen Vereinen - von Musik über Sport bis zu Kunst - sei die Bereitschaft zum Austausch vorhanden. Wie lange man sich schon kenne, spiele dabei keine Rolle. Außerdem habe Léognan durch seine Lage in der Metropolregion Bordeaux mit ähnlichen Problemen wie Dachau im Münchner Speckgürtel zu kämpfen. Für Hartmann steht fest: "Wir haben das Angebot auf dem Tisch und müssen darüber entscheiden. Schließlich wollen wir unseren französischen Freunden auch eine Nachricht geben und nicht auf Zeit spielen."

Hintergrund der Diskussion ist das Angebot einer formellen Städtepartnerschaft, das Vertreter aus Léognan dem Dachauer Oberbürgermeister bei ihrem Besuch im Sommer unterbreiteten. Ursprünglich war der Kontakt der beiden Städte durch die Freundschaft zwischen der Dachauer Knabenkapelle und der Band'a LEO aus Léognan, die sich seit rund zwei Jahren kennen, zustande gekommen. Hingegen besteht zwischen Oradour und Dachau laut Wolfgang Moll schon seit über einem Jahrzehnt ein "partnerschaftsgleiches Verhältnis" und eine "stetig gewachsene Freundschaft", die vor allem auf der gemeinsamen Versöhnungsarbeit beruhe - etwa durch jährlich stattfindende Gedenkfeiern anlässlich des Massakers von Oradour. Beide Städte liegen im Westen Frankreichs, rund zweieinhalb Autostunden oder 200 Kilometer sind Léognan und Oradour von einander entfernt.

Für die CSU ist eine Städtepartnerschaft verfrüht

Hartmann kritisiert vor allem die Einwände Molls scharf: Ein Vergleich zweier Städte hinsichtlich einer Partnerschaft sei schwierig wenn nicht gar unmöglich. Außerdem sende man damit das fatale Signal, sich nur das Beste rauspicken zu wollen und laufe Gefahr, die Beziehungen zu beiden zu beschädigen. Sabine Geißler (BfD) befürchtet zudem, dass man durch eine mögliche Vertagung der Entscheidung Léognan vor den Kopf stoße und bezeichnet Molls Vorgehen als "äußerst ungeschickt".

Dahingegen kann Florian Schiller, Fraktionsvorsitzender der CSU im Stadtrat, Hartmanns Herangehensweise nichts abgewinnen. Durch die öffentliche Behandlung des Themas habe der Oberbürgermeister Druck ausüben wollen, glaubt Schiller, doch die CSU habe trotzdem nicht gegen ihre Überzeugungen gestimmt - auch wenn den Vertretern die Entscheidung schwer gefallen sei.

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Sollte die Partnerschaft mit Léognan beschlossen werden, so wird es wohl für viele den Anschein erwecken, dass Oradour verdrängt wurde. Ein vermeidbares Missverständnis.   Kommentar von Julia Putzger

Sowohl Schiller als auch Moll betonen allerdings, dass sie grundsätzlich nichts gegen eine Städtepartnerschaft mit Léognan einzuwenden haben - nur eben nicht sofort. Wichtig sei es, zuerst das Gespräch mit Oradour zu suchen und "einen Modus zu finden, wie wir das angehen können", formuliert Moll. Er habe bisher keine derartigen Bemühungen vernommen. Hartmann hingegen erklärt, dass es von Seiten der Kommune Oradour bisher keine Bestrebungen zu einer Städtepartnerschaft gegeben habe. Grund dafür sei unter anderem, dass Oradour auch mit anderen deutschen Städten Beziehungen pflege und die zu Dachau nicht als exklusiv in den Vordergrund gestellt werden solle. Da die Stadt Dachau aber bestrebt sei, eine langfristige Partnerschaft mit einer französischen Stadt einzugehen, dafür aber nicht aktiv auf die Suche gehen wollte, käme das Angebot aus Léognan gerade recht, sagt Hartmann.

Gegner und Befürworter der Partnerschaft mit Léognan sind sich aber einig, dass die Beziehungen zu Oradour aufrecht erhalten werden. Geißler sagt: "Man sollte in dieser Diskussion nicht eines gegen das andere ausspielen. Stattdessen sollte es heißen: Eines machen und das andere nicht lassen."

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