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Kunstausstellung im Effner-Gymnasium:Mach's wie Rembrandt

Kunst am JEG

Selbstporträt nach Rembrandt von Ville-Pekka Hofmann.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Am Josef-Effner-Gymnasium präsentieren Schüler aus den Kunstseminaren eindrucksvolle Arbeiten, die sich an berühmten Vorbildern orientieren. So werden die Kurse auch zu einer Schule des Sehens.

Schon bald beginnen wieder die Abiturprüfungen, und ein weiterer Jahrgang verabschiedet sich. Die "Kunstelite" des Effner-Gymnasiums, wie sie ihr Lehrer Oliver Winheim scherzhaft nennt, hätte durchaus Grund zur Wehmut. Nach ihrer Studienfahrt in die Kulturhochburg Basel und zahllosen Stunden Arbeit an vielfältigen Projekten präsentierten die Schüler aus dem Additum und zwei Seminaren im Leitfach Kunst am Dienstag ihre Arbeiten bei der alljährlichen Vernissage im Parkettbereich der Schule, untermalt von den Schulbands The Puzzles und Animalpark.

Einen beeindruckenden Einblick in die Vielfältigkeit ihrer Arbeit bot das W-Seminar Fotografie unter Leitung von Oliver Winheim. Die Schüler lernten bei ihm die Grundlagen des Umgangs mit der Kamera kennen, beschäftigten sich mit Bildkomposition und wählten schließlich jeweils ein fotografisches Vorbild, an dessen Arbeit sie sich für ihre Seminararbeit orientierten. Die Auswahlkriterien waren ganz unterschiedlich. So erzählt Lea Panthen, ihr Vorbild, den britischen Porträtfotografen Lee Jeffries, habe sie schon auf Instagram entdeckt, bevor sie das Seminar gewählt habe.

Inspirieren lassen in Schottland

Mitschülerin Johanna Rubner ist ganz anders herangegangen: "Meine Mama hat einen Blumenladen, deshalb wollte ich gerne Pflanzen fotografieren." Daraufhin hat sie sich auf die Suche nach Pflanzenfotografen gemacht und stieß dabei auf Karl Blossfeldt, bekannt für seine naturwissenschaftlichen Aufnahmen für Lehrbücher. Einige Schüler zog es für die Arbeit auch aus den eigenen vier Wänden. Antonia Wurps reiste sogar bis nach Schottland, um dem Landschaftsfotografen Max Rive optimal nacheifern zu können. Im Familienurlaub entstanden ihre Aufnahmen, oft über lange Zeit belichtet oder mit gezielter Platzierung eines Elternteils im Bild. "Meine Familie war schon genervt", sagt die Schülerin, "aber das ist meine Rache, nach all den Jahren, in denen ich mich für Fotos irgendwo hinstellen musste."

Oliver Winheim ist mit den Ergebnissen seines Seminars sehr zufrieden. "In solchen Zeiten der Bilderflut ein Gespür für ein gutes Bild zu entwickeln, ist mir ganz wichtig", sagt der Kunstlehrer zu seinen Intentionen hinter dem Angebot. Er kritisiert die Menge an Fotos, die durch die sozialen Medien jeden Tag veröffentlicht werden und ist froh über das Endresultat seines Seminars, das man nun in Form von großen Drucken bewundern kann.

Doppelgänger steht in der Alten Pinakothek

Auch das P-Seminar Münchner Museumskultur kann mit großformatigen Blickfängen glänzen. Nach zahlreichen Besuchen in den Museen des Kunstareals in München mit ihrem Lehrer Gerhard Amelang hatten die Schüler die Aufgabe, in Kleingruppen ein Buch zu einem selbst gewählten Thema, wie beispielsweise die Darstellung von Tieren in der Malerei, zu erstellen. Auf der Vernissage sind die Bücher ausgestellt und stehen zum Blättern und Querlesen bereit. Außerdem sollten die Schüler ein bekanntes Gemälde ihrer Wahl als Selbstporträt umdeuten. Einzige Voraussetzung bei der Auswahl war, dass das Werk in München ausgestellt ist.

Ville-Pekka Hofmann entschied sich für das "Jugendliche Selbstbildnis" von Rembrandt aus dem Jahr 1629, weil es ihm zu diesem Zeitpunkt ähnlich sah. "Ich hatte da meine Haare noch länger", so der Schüler, deshalb wäre die Frisur schon einmal eine auffällige Gemeinsamkeit gewesen. Das Original, ausgestellt in der Alten Pinakothek, ist nur handgroß, wesentlich kleiner als sein Doppelgänger, der momentan beinahe lebensgroß im Parkettraum des Effner-Gymnasiums hängt.

Aus dem Additum, also dem auf das schriftliche Abitur vorbereitenden Kunstunterricht, gibt es neben Malerei auch einige Objekte zu sehen. Besonders witzig sind dabei die Gießkannen, die die Schüler auf unterschiedlichste Weise zweckentfremdet haben. Eine Kanne wurde in einen Elefanten verwandelt, eine andere eingestrickt, sogar Ausflüge in den Surrealismus finden sich in Form eines durchlöcherten Objekts in den Reihen der Gießkannengruppe. Wer wissen will, wer hinter diesen Arbeiten steckt, muss nur einen Tisch weiter schauen. Dort stehen mehransichtige Selbstporträts aller Schülerinnen und Schüler des Additums. Die Bandbreite, die die "Kunstelite" am Effner-Gymnasium präsentiert, spiegelt sich hier noch einmal im Kleinen wider.

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