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Dachau:Krampus im Rock

Sie spricht aus, was Angela Merkel verschweigt: Die Kabarettistin Simone Solga nahm im Thoma-Haus kein Blatt vor den Mund.

(Foto: Toni Heigl)

Bösartig, aber köstlich: Kabarettistin Simone Solga nimmt im Thoma-Haus Politiker aufs Korn

Der Krampus trägt Bleistiftrock und hat blonde Haare. Anders als gewohnt kommt er auch nicht in Begleitung des Nikolauses, sondern allein. Eine Tracht Prügel ohne Geschenke. So lässt sich Simone Solgas Auftritt in der vorweihnachtlichen Zeit im Ludwig-Thoma-Haus eigentlich treffend beschreiben. Eine bösartige Vorstellung, aber gleichzeitig genial. Erst kürzlich wurde Simone Solga, Jahrgang 1963, mit dem renommierten Kabarettpreis "Salzburger Stier" ausgezeichnet. Seit zehn Jahren ist sie nun schon "Im "Auftrag der Kanzlerin" unterwegs, immer wieder auch in der ZDF-Satire "Die Anstalt" zu sehen. In Dachau war sie bisher noch nie.

Ihre Premiere beginnt mit einem mageren Begrüßungsapplaus. Solgas Reaktion: Sie greift zu ihrem Smartphone, fotografiert einen besonders unmotivierten Mann aus der ersten Reihe und schickt es ihrem zweiten Ich: Angela Merkel. Dann legt die gelernte Buchhändlerin aus Gera los. Simone Solga als "Kanzlersouffleuse", die auf der Bühne ausspricht, was die Bundeskanzlerin lieber verschweigt.

Trotz eines innigen Verhältnisses zu Angela Merkel wird natürlich auch die Kanzlerin ordentlich abgewatscht. Wie konnte es soweit kommen, dass Merkels Stuhl während der Bayreuther Festspiele zusammenbrach? "Das ist doch ganz logisch: Der Klügere gibt nach." Selbstverständlich weiß Solga auch, was es mit der merkelschen Raute, ihrer klassischen Geste, auf sich hat. Eine nicht jugendfreie Metapher, die den Charakter anderer Politiker in Merkels Nähe beschreiben soll: Arschloch.

Wie die Kabarettistin über die Schwesterpartei CSU, dem "Christlichen Senioren-Unterschlupf", denkt, wird schnell deutlich. Den bayerischen Finanzminister Markus Söder erklärt sie zum "weiß-blauen Alpen-Taliban". Dem Ministerpräsidenten, der nur Leute nach Deutschland lassen will, "die zum Land passen", haut Solga seine eigenen Zitate um die Ohren. Ihr Vorschlag: "Dann soll er sich doch jetzt schon mal auf die Suche nach einem schlecht gelaunten Installateur im Irak machen." Frenetischer Applaus aus dem Publikum.

Skeptisch steht Simone Solga eigentlich dem gesamten Politikbetrieb gegenüber. Sie gehe davon aus, dass die Ministerposten im Bundeskabinett das Ergebnis einer lustigen Wichtelaktion seien. Zwischen ihre Boshaftigkeiten gegenüber Politikern mischen sich während des Auftritts auch immer wieder Seitenhiebe gegen Gäste. Gegen Günther zum Beispiel, ein älterer Herr in Reihe eins. Auch er wird fotografiert, gescannt und anschließend durch die Datenbanken des Innenministeriums gejagt. Die Ergebnisse sind beunruhigend: Günther, Deckname "Wüstenfuchs", hat etwas ausgefressen. Zumindest hat ihn die NSA auch schon auf dem Radar. Als Wiedergutmachung gibt es für den Scherz auf Kosten des Besuchers eine Tasse Menstruationstee.

Grenzen kennt Simone Solga bei ihrem Auftritt weder thematisch noch moralisch. Oft ist es gerade die politische Inkorrektheit, die im Ludwig-Thoma-Haus Begeisterungsstürme auslöst. So kann sie sich auch über die neue Ökowurst von Edeka echauffieren: "Das ist eine Leberwurst von freilaufenden Schweinen, die sich nach eingehenden Gesprächen für den Freitod entschieden haben." Köstlich.