Pollnhof Historiker aus Leidenschaft

Der Dachauer Pollnhof ist bekannt als Künstlerhaus von Otto und Aranka Wirsching. Hobbyhistoriker Erwin Hartmann und Besitzer Johann Turba erforschten nun seinen Ursprung

Von Jeannette Oholi, Dachau

Dem schönen Gebäude des Pollnhofes in der Dachauer Steinstraße mit den türkisfarbenen Fensterläden sieht man sein Alter nicht an. Doch bereits im 18. Jahrhundert stand der Gutshof in der trocken gelegten Dachauer Moorlandschaft. Hinter dem Pollnhof erstreckten sich Felder und unbebaute Flächen. Im Laufe der Zeit hat sich vieles um den Pollnhof verändert. Besitzer wechselten, und der Landbesitz, der zum Hof gehört, schrumpfte. Das Künstlerpaar Otto und Aranka Wirsching, das mehr als fünf Jahrzehnte die Besitzer waren, machten den Pollnhof zu einem Künstlertreffpunkt. Einzelne Teile der Geschichte des Gutshofes sind den Dachauern bekannt. Der jetzige Besitzer Johann Turba nahm sich jedoch vor, den Ursprung seines Hofes zu erforschen. Im Stadtarchiv Dachau traf er auf Erwin Hartmann, den Vater des Oberbürgermeisters Florian Hartmann.

Die beiden Männer beschlossen, gemeinsam zu forschen. Hartmann zeigte schon einmal Ausdauer und Eifer, als er sich an der Erforschung der Dorfgeschichte von Etzenhausen beteiligte. "Das Forschen ist wie ein Fieber", sagt Hartmann. "Es ist das Bestreben, kleine Mosaiksteine zusammen zu tragen." Auch im Falle der Geschichte des Pollnhofes, der unter Denkmalschutz steht, haben Turba und Hartmann viele kleine Teile gesammelt und zusammengefügt. Ihre Suche führte sie auch in das Staatsarchiv München und das Bayerische Hauptstaatsarchiv. Bereits erforschte Ergebnisse des Historikers Gerhard Hanke sowie Beiträge im Amperland flossen in das Projekt mit ein. Der Ordner mit Kartenmaterial, chronologischer Besitzerfolge, Kaufbriefen, Verträgen, Postkarten und anderen Dokumenten steht allen Interessierten und Forschern im Stadtarchiv zur Verfügung.

Als Polln wurde im 18. und 19. Jahrhundert die Flur zwischen der heutigen Friedenstraße, Schleißheimer Straße und Theodor-Heuss-Straße bezeichnet. Der Dachauer Chronist August Kübler sagt, dass sich der Name Polln aus Biegung (Peugen) oder Boden (Poigen) entwickelte. Dabei bezieht er sich auf die Amper, die in früheren Zeiten in diesem Gebiet eine große Biegung machte. Der Pollnbach verläuft auch heute noch von Süden nach Norden durch das Polln-Gebiet. Zu Beginn des 18. Jahrhundert wurde die Flur urbar gemacht. Aus ihr wurde langsam ein Ort, der erst 1939 nach Dachau eingemeindet wurde. Die Moorlandschaften wurden trocken gelegt, um die Flächen für eine Besiedelung und die Land- und Viehwirtschaft nutzbar zu machen.

Die Pollnstraße war vor mehr als zwei Jahrhunderten nur ein kleiner Weg. Westlich davon, in der heutigen Steinstraße, stand bereits im Jahr 1734 das Herrenhaus Pollnhof. Johann Turba und Erwin Hartmann stießen während ihrer Recherche auf einen Pachtvertrag, in dem unter anderem das Polln-Herrenhaus, der Garten mit seinen Obstbäumen und der Viehbestand aufgezählt werden. Dieses Dokument ist ein Zeugnis dafür, dass der Pollnhof 1734 bereits existiert hat. Zum Hof gehörten freie Flächen, die zum Teil landwirtschaftlich genutzt wurden, heute jedoch dicht bebaut sind. Auch gab es ein Beihaus, in dem vermutlich Bedienstete untergebracht waren und in dem Stallungen vorhanden waren. Große Freiflächen sollen ebenfalls zum Pollnhof gehört haben. Eine Schwaige Polln, ein Bauernhof mit Viehwirtschaft, wird bereits schon früher, im Jahr 1721, erwähnt. Turba und Hartmann fanden ein amtliches Dokument der Stadt Dachau, das auf eine Steuerrevision verweist und eine Bestandsaufnahme der Schwaige enthält. Es wird vermutet, dass es sich bei der Schwaige Polln um den Pollnhof handelt. Außerdem ist wahrscheinlich, dass der Pollnhof bereits nach Ende des 30-jährigen Krieges gebaut wurde. Hinweise dafür ließen sich bisher jedoch noch nicht finden.

Erwin Hartmann weiß fast alles über den Pollnhof.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Pollnhof hatte in seiner langen Geschichte schon viele Besitzer. Turba und Hartmann erarbeiteten eine chronologische Folge, die im Ordner enthalten ist. Viele Jahrzehnte war der Pollnhof ein Adelssitz. So besaß Hieronymus Graf von Spreti den Pollnhof um 1746 bis circa 1759. Unter dem Besitzer Philipp Zwack wurde der Pollnhof zum Rittersitz erhoben. Im Jahre 1817 wurde der Pollnhof und seine Grundstücke "zertrümmert", das heißt versteigert. Die Ursache für die Versteigerung ist nicht nachvollziehbar. Es könnte jedoch sein, dass die Vermögensverhältnisse des Besitzers, Freiherr von Geisspitzheim, dazu geführt haben. Nach der Versteigerung gelangte der Pollnhof in bäuerliche Hände. Seit 1986 bewohnen Johann Turba und seine Frau Maria Turba den Pollnhof. Auffällig ist, dass einige Eigentümer den Pollnhof nur wenige Jahre besessen haben. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Interessenten das Gesamtgrundstück des Hofes vergleichsweise günstig kauften und Teile davon mit Gewinn wieder verkauften, sagt Andreas Bräunling, Leiter des Stadtarchivs Dachau. In anderen Fällen könne es sein, dass die Besitzer Geldnot hatten und den Pollnhof nach kurzer Zeit wieder verkaufen mussten. Für die erste Idee spricht, dass das Grundstück im Laufe der Jahrzehnte immer kleiner wurde und bereits im 18. Jahrhundert festgestellt wurde, dass das Grundstück größer sein müsste als in den Dokumenten verzeichnet.

Mehr als ein Jahr haben Hausbesitzer Johann Turba und Erwin Hartmann geforscht. Alle Fragen konnten sie dabei noch nicht beantworten. Dass die Forschung noch nicht zu Ende ist, zeigt bereits die Ringbindung, die das gesammelte Material zusammenhält. Sie kann leicht geöffnet werden, um neues Material hinzuzufügen. Der Pollnhof-Ordner werde immer wieder angefragt, sagt Andreas Bräunling. Nachbarn des Pollnhofes seien bereits da gewesen.