bedeckt München
vgwortpixel

Neuer Verein:Gemeinsam gegen Diskriminierung

Zur Gründung des Vereins "Runder Tisch gegen Rassismus Dachau" finden Mitglieder politischer Parteien, der katholischen, evangelischen und islamischen Gemeinde sowie der KZ-Gedenkstätte zusammen.

Dachau hat einen neuen, starken Verein gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung. Mitglieder fast aller politischen Parteien, verschiedener Konfessionen, von Sozialverbänden und Vereinen haben gemeinsam den "Runden Tisch gegen Rassismus Dachau" gegründet. Der Verein ist die konsequente Weiterentwicklung der Kampagne "Kein Platz für Rassismus". Sie geht auf die Initiative des Dachauer Vereins Freiraum zurück, der auch zu den Gründungsmitgliedern gehört.

Zur Vereinsgründung, die erst am Samstagabend bekannt gemacht wurde, nahmen in der ASV-Gaststätte Finale am Donnerstagabend 24 Menschen am ersten runden Tisch Platz. Dazu gehörten Pfarrer Björn Mensing von der evangelischen Versöhnungskirche, Ernst Grube von der Lagergemeinschaft Dachau und Oskar Krahmer vom Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt. Außerdem sind Vertreter der türkisch-islamischen Gemeinde und der katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte unter den Gründern. Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) sagte, er lasse prüfen, ob die Stadt Dachau als Gesamtheit dem Verein beitreten könne.

Der Vorstand besteht aus Christian Matschiner von Freiraum, SPD-Stadtrat Sören Schneider und Schatzmeister Markus Dobmann. Allerdings sieht der Verein seinen Vorstand eher als Formalie an, erklärt Dominik Härtl, der als Gründungsmitglied die Dachauer CSU vertritt. Die Struktur orientiere sich am Plenum des Freiraums, sagt Härtl. Das Entscheidungsgremium sei die Mitgliederversammlung. Der Verein lege Wert darauf, dass in großer Runde diskutiert werde. Das sei wichtig und auch nötig, bei Mitgliedern mit so unterschiedlichem Hintergrund, sagt Sören Schneider. "Man muss viel reden, um alle mitzunehmen." Schwierig sei es aber nicht gewesen, Vertreter von Linkspartei bis Freie Wähler an einen Tisch zu bekommen. Es gebe da "keine Berührungsängste", sagt Härtl: "In dieser Sache zieht man an einem Strang, trotz aller sonstigen Differenzen."

Die Initiative Zivilcourage, Vorläufer des Vereins, bei der Mahnwache anlässlich des Diebstahls des KZ-Tores.

(Foto: Jørgensen)

Im Frühjahr hatten die Freiraum-Mitglieder zur Kampagne "Kein Platz für Rassismus" aufgerufen, als deren Schirmherr Florian Hartmann auftritt. Vorangegangen waren öffentliche Auftritte von Neonazis und rechtsradikale Schmierereien im gesamten Stadtgebiet, auch an der KZ-Gedenkstätte sowie Angriffe auf das Freiraum-Jugendzentrum in Dachau. Unter anderem war diesem ein Tierorgan geschickt worden mit der Aufschrift "letzte Warnung". Außerdem war das Haus mehrmals mit neonazistischen Parolen besprüht und beklebt worden. Für die Kampagne werden seither Gastronomen und Geschäftsinhaber gewonnen. Freiraum hat dazu ein Dossier erstellt, an dem die Dachauer Polizei erheblich mitgearbeitet hat. Wirte und Ladenbesitzer können darin nachlesen, welches die Erkennungssymbole von Menschen mit neonazistischer und rechtsextremer Gesinnung sind. Sie werden darüber aufgeklärt, welche Symbole verboten sind und wie sie von ihrem Hausrecht Gebrauch machen können.

Trotzdem möchte sich der Runde Tisch nicht als Verein nur gegen Rechts verstehen, sondern will explizit gegen Diskriminierungen jeder Art eintreten. Das Wort Rassismus wird im Verein in einer erweiterten Form verstanden, die neben Fremdenfeindlichkeit auch Ausgrenzung und Benachteiligung von Menschen wegen ihrer Religion oder sexuellen Orientierung einschließt.

Auch diese Fokuserweiterung gehe auf den Verein Freiraum zurück, betont Dominik Härtl. Er erklärt zudem, der Runde Tisch solle keineswegs als Plattform politischer Profilierung missverstanden werden. So dürfen beispielsweise Stadträte zwei Jahre vor der Wahl nicht im Vorstand des Vereins aktiv sein. Die Gründungsmitglieder traten als Vertreter ihrer Organisationen auf, nach und nach sollen die Vereine, Verbände und Parteien selbst Mitglieder werden.

Einen seiner ersten Auftritte wird der Verein im April als Mitveranstalter einer Podiumsdiskussion mit dem Titel "Woher kommt die Kraft, zu widerstehen" in der Versöhnungskirche haben. Auch finanzielle Unterstützer hat der junge Verein bereits gefunden. Spenden sind zugesagt von der Volksbank und der Spardabank. Am 25. Februar findet die erste Mitgliederversammlung statt. Interessierte können auf der Internetseite www.dachau-zeigt-zivilcourage.de um Aufnahme in den Verein bitten und sich über dessen Tätigkeit informieren.